22.03.2021
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1 Jahr Schule im Ausnahmezustand und die Folgen

Unterricht wechselweise daheim, im Schicht- oder Regelbetrieb: Corona hat das Lernen und Lehren massiv verändert. Ein Jahr nach Pandemie-Ausbruch befinden sich Österreichs Schulen noch immer in einer Ausnahmesituation: Anlass für eine Bilanz.

Bezirk | Der letzte reguläre Unterricht war am 13. März 2020. Am 16. März fing mit dem Homeschooling, dem Unterricht zu Hause, ein gänzlich neues Zeitalter an. Schüler, Lehrer und Eltern wurden davon völlig unvorbereitet getroffen. Geschlossene Schulen, das kannte man nicht - bis zu jenem denkwürdigen Tag im März 2020, der im Bildungswesen seither vieles verändert hat. „Zusammengefasst war es ein Jahr Schule im Ausnahmezustand“, bestätigt Bettina Ellinger, Leiterin der Bildungsdirektion Tirol Ost (Bezirke Kitzbühel, Kufstein und Lienz), auf Anfrage.  

Mit Masken, Selbsttests, einer Vielzahl an Regeln und Vorschriften findet seit Mitte Februar wieder Präsenzunterricht statt, allerdings eingeschränkt. Mittelschulen, PTS, AHS und BHS sind im Schichtbetrieb, nur die Volksschüler gehen regelmäßig zur Schule. Über Wochen und Monate davor waren die Klassenzimmer aller Schultypen immer wieder leer. Gelernt wurde daheim, mit Hilfe von Lernpaketen (Volksschulen), Lernpaketen kombiniert mit Online-Unterricht (Mittelschulen, AHS-Unterstufen) oder hauptsächlich digital (Oberstufen, BHS). „Eine Riesenherausforderung, die allen Schülern, Lehrern und Eltern viel Flexibilität abverlangt hat“, wie Bettina Ellinger nur zu gut weiß. Ist in Phase I das Homeschooling noch holprig verlaufen, so habe man im Herbst-Lockdown eine massive Qualitätsverbesserung erzielen können. Ellinger: „Technisch ist auf allen Seiten aufgerüstet worden. Und wir haben erkannt, dass es im Fernunterricht einen Stundenplan braucht, der exakt eingehalten werden muss.“  

Auswirkungen sind noch nicht feststellbar
Bedenken der Eltern, aber auch von Lehrern und Teilen der Schüler, dass im Homeschooling aufgrund entfallener Leistungsbeurteilungen insgesamt weniger gelernt wurde, seien durchaus nachvollziehbar, räumt Ellinger ein. Die Auswirkungen seien derzeit noch nicht absehbar, mögliche Defizite in der Vertiefung des Lernstoffes ließen sich erst in den kommenden Monaten erkennen. „Wir haben festgestellt, dass das Reißverschluss-System besonders für die Altersgruppe der 10- bis 18-Jährigen schwierig war.“ Als „kritisch“ sei die Situation der Poly-Absolventen und Maturanten sowie bei bevorstehendem Schulwechsel (4. und 8. Schulstufe) zu beurteilen. „In den neuen Schulen wird der Start sicherlich nicht so erfolgen können, wie es früher üblich war.“

Trotzdem wurde alles unternommen, um keinen Schüler zurückzulassen. „Lernschwache Kinder wurden immer wieder zu Einzelsettings und Unterricht in kleinen Gruppen an die Schule geholt. Bei auftretenden Schwierigkeiten haben Beratungslehrer in Kooperation mit Schulpsychologen engmaschig unterstützt.“

Bildungssystem ist im Umbruch
Dem „neuen Lernen“ kann die Bildungsdirektorin auch durchaus positive Aspekte abgewinnen. „Die Schüler haben durch eigenständiges Erarbeiten des Stoffes und durch das e-Learning neue, weitreichende Kompetenzen erworben. Die Wertschätzung für die Schule ist gestiegen, auch seitens der Eltern.“
Im Schulsystem habe die Pandemie auch positive Impulse ausgelöst: „Das digitale Lernen wird forciert, die Lehrpläne werden entrümpelt und schon im Herbst startet die Digitale Schule“, sagt Ellinger, die aber  ausdrücklich klar stellt: „Ersetzt werden kann damit aber keinesfalls der persönliche Kontakt zu den Lehrern und das Lernen in der Gruppe.“ Alexandra Fusser

Bild: Lernen auf Distanz: MS Teams oder SchoolFox ermöglichen den Online-Unterricht. Foto: Adobe Stock

Nachgefragt wurde bei Martina Tijssen-Gwirl, Direktorin Volksschule Kirchberg, Martin Kofler,
Direktor Mittelschule I, St. Johann, Katrin Winkler, Direktorin Polytechnische Schule, St. Johann und Fritz Eller, Direktor Handelsakademie Kitzbühel. Die Stellungnahmen liest du in der aktuellen Printausgabe!

 

 
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