Kitzbüheler Anzeiger
07.12.2023
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Millionenprojekt wirft Fragen auf

Über das Projekt für die ober- und unterirdische Verbauung des Gries-Parkplatzes samt Verkehrskonzept – das veranschlagte Investitionsvolumen liegt zwischen 30 und 40 Millionen Euro – gehen in Kitzbühel die Meinungen weit auseinander.

Kitzbühel | Warum neue Handelsflächen schaffen, wenn es in der Innenstadt und in der KitzGalleria ohnehin Leerstand gibt? Warum neue Büroflächen entstehen lassen, wenn womöglich gar keine benötigt werden? Braucht es überhaupt eine Tiefgarage? Wie könnte auf anderem Weg eine Verkehrsentlastung erzielt werden? Gibt es einen Plan B zu diesem Großprojekt? Fragen über Fragen, mit denen sich die Kitzbüheler Bevölkerung, aber auch die Mandatare, derzeit kritisch auseinandersetzen. Ende Oktober rangen sich die Gemeinderäte mit zwölf Ja-Stimmen und sieben Enthaltungen nur mühsam zu einem Grundsatzbeschluss für die Weiterverfolgung des Projektes durch – der Kitzbüheler Anzeiger hat berichtet.  

Verkehrsentlastung für die Innenstadt
Zur Erinnerung: Der zentrumsnahe, 2.500 Quadratmeter große Gries-Parkplatz befindet sich im Eigentum der Stadtgemeinde, die das Areal als Kurzparkzone bewirtschaftet. Die T&F (Trade & Finance) Gruppe mit Sitz in Wien – seit gut eineinhalb Jahren Eigentümer der KitzGalleria – hat bekanntlich Interesse für die ober- und unterirdische Verbauung des Parkplatzes bekundet und ein Gesamtkonzept vorgelegt, das auch die Lenkung des Verkehrs aus der Innenstadt beinhaltet. Es sieht eine Entlastung für Fischlechnerplatz, Gries und in weiterer Folge auch Hammerschmiedstraße vor, indem die Zu- und Abfahrt in beide Richtungen – von der Tiefgarage über das Voglfeld und die Pass-Thurn-Straße und umgekehrt – erfolgen könnte. Die dafür notwendige Brücke würde von der Gruppe finanziert. Gesamtes Investitionsvolumen: zwischen 30 und 40 Millionen Euro.

Im Gespräch mit dem Kitzbüheler Anzeiger erläutern Jakob Konopatsch – er ist projektverantwortlicher Geschäftsführer für die KitzGalleria und das Bauvorhaben im Gries, sowie Geschäftsführer Vassili Tolstunov von der T&F ihre Pläne: „Unterirdisch sollen rund 350 bis 400 Parkplätze, verteilt auf drei bis vier Tiefgeschoße entstehen. Die Tiefgarage soll Parkplätze für Kurz- und Dauerparker bereitstellen. Die Parktarife würden den ortsüblichen Gebühren angepasst. Der Zugang zur Stadt soll über die KitzGalleria erfolgen.“

„Handelsketten haben Interesse an Flächen“
Oberirdisch soll auf dem Gries-Parkplatz ein Gebäude mit Geschäfts- und Büroflächen/Co-Working-Spaces sowie Gastronomie entstehen, davon sollen auf Handelsflächen allein an die 2.800 Quadratmeter entfallen. Öffentliche Befürchtungen, wonach sich mit dem Vorhaben noch mehr Leerstand in der Innenstadt anhäufen könnte, weisen die beiden zurück. Sie berufen sich auf Anfragen großer Handelsketten, die Interesse an Niederlassungen in Kitzbühel bereits bekundet, aber entsprechend große Flächen, von 400 bis 600 Quadratmetern, nicht vorgefunden haben – weder in der Innenstadt, noch in der KitzGalleria.

„Im Gries soll kein Betonklotz entstehen“
Soll im Gries ein Einkaufstempel errichtet werden? Das weisen die beiden Vertreter der Investorengruppe zurück: „Wir wollen keinen Betonklotz hinstellen, sondern ein Gebäude, dessen Architektur sich an der Kitzbüheler Bauweise orientiert. Das Gebäude soll strukturiert errichtet werden, es sind auch Giebeldächer vorgesehen“, schildern Konopatsch und Tolstunov.
Die Integrierung von leistbarem Wohnen in dem Gebäudekomplex, im Gemeinderat bereits mehrmals debattiert,  will man seitens T&F nicht ausschließen, aber auch nicht  favorisieren: „Dafür gibt es in Kitzbühel unserer Meinung nach bessere Standorte.“ Die Schaffung von Luxuswohnungen sei im Konzept nicht vorgesehen und von der Stadtgemeinde Kitzbühel auch nicht erwünscht.

Geht es nach dem Wunsch der Investoren, sollen die Gespräche mit der Stadtführung bis zum Sommer abgeschlossen sein. „Wir könnten relativ rasch in die Umsetzung gehen, die Bauzeit würde rund 24 Monate betragen.“

Aus der Sicht der VP-Stadtführung liegt ein „schlüssiges Gesamtkonzept vor, das sich zukunftsweisend auf die weitere Stadtentwicklung auswirken sowie das bestehende Verkehrsproblem im Gries lösen könnte“, wurde schon im Oktober-Gemeinderat befunden.

Gegenwind kommt von den „Unabhängigen Kitzbühelern“, die ihre Zweifel gegenüber dem Projekt und dessen Investoren in einem Postwurf öffentlich gemacht haben. Bgm. Winkler verweist immer wieder  auf Gespräche mit offenem Ausgang: „Wenn es keine Zustimmung gibt, bleibt der Gries-Parkplatz eben so, wie er jetzt ist.“ A. Fusser

 
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