Kitzbüheler Anzeiger
17.12.2023
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Pfarrerin feierlich verabschiedet

Mit dem Abschied Gundula Hendrichs geht in der evangelischen Pfarrgemeinde eine Ära zu Ende. Nach 21 Jahren wurde die Pfarrerin kürzlich in den Ruhestand verabschiedet.   

Kitzbühel |  „Eine Pfarrerin für solche wollte ich sein, die am Rande stehen, nicht so fromm sind, der Kirche eher skeptisch gegenüberstehen“, – 21 Jahre lang prägte Pfarrerin Gundula Hendrich die evangelische Pfarrgemeinde in Kitzbühel. Dieser Tage wurde sie im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes gesegnet und „entpflichtet“, wie es in der evangelischen Kirche heißt. In Oberndorf hat die 66-Jährige ein neues Zuhause gefunden – im katholischen Pfarrhof übrigens.

Gundula Hendrich stammt ursprünglich aus München und schloss 1995 ihr Theologiestudium ab. Im Jahr 2002 kam sie als Pfarrerin nach Kitzbühel. In der Bezirkshauptstadt befindet sich die einzige evangelische Kirche im Bezirk. Rund 1.500 Gläubige gehören ihr an.  

Sie habe immer wieder Sorge gehabt, dass die ganz Frommen „bei und mit mir nicht auf ihre Kosten kommen und war dankbar für all die Pfarrpersonen, die gern Gottesdienste in der Christuskirche in Kitzbühel übernommen haben“. Damit die Gemeindemitglieder nicht immer nur eine Frau auf der Kanzel hören und teils ‚ertragen‘ mussten, sondern eben manchmal auch gestandene Pfarrmänner genießen konnten, wie sie sagt.

„Wir brauchen eine Pfarrerin mit Ecken und Kanten, Gundula, hatte mir die damalige Schatzmeisterin Sigrid Ebner mit auf den Weg gegeben. Ja, das haben sie auch bekommen“, schmunzelt Hendrich. Zwar habe gutes Essen ebenso wie Stress dazu beigetragen, die äußeren Konturen zu verbreitern, doch das eigene Profil sei im Lauf der Zeit kenntlicher geworden. „Eben eckig und kantig, wobei ich liebevoll und fürsorglich auch sein kann“, charakterisiert sich die Pfarrerin selbst. Wenn Kinder und Jugendliche ihr erklärten, „dass wir mit Ihnen immer etwas zu lachen haben“, dann war es genau das, was sie wollte. Wichtig war ihr, nicht nur Wissen und Gottvertrauen zu vermitteln, sondern vor allem die Freude am Christsein.

Trauung und Taufe im strömenden Regen
„Sehr gern habe ich Paare getraut und Kinder getauft, aber auch gerne Menschen in Trauersituationen begleitet. Vor allem die vorbereitenden Gespräche für den jeweiligen Gottesdienst waren oft sehr intensiv“, betont sie.

Gern erinnert sich Hendrich an eine Trauung auf der Bichlalm. „Es hat in Strömen geschüttet, doch das Brautpaar wollte partout vor der kleinen Kapelle dort heiraten und den kleinen Sohn getauft bekommen. So war mehr als die Hälfte der Gäste schon nass, als sie oben am Trauort ankamen, die Braut musste im Anschluss das Brautkleid lüpfen, um angesichts von Matsch und Kuhfladen einigermaßen unbeschmutzt auf der Alm anzukommen“, schmunzelt die Pfarrerin noch heute. Abgelehnt habe sie jedoch spezielle Wünsche wie etwa die Landung von Braut und Pfarrperson aus einem Hubschrauber heraus. In Erinnerung bleibt ihr eine Taufe in der Iglukirche auf der Hohen Salve und natürlich jener Schockmoment, als sie – einen netten Fahrer am Steuer – auf dem Rückweg ebenfalls von einer Taufe in einem Golfcaddy rückwärts den Hang hinunter gerutscht ist.

Schwere Zeiten liegen hinter der 66-Jährigen: Ein schwerer Sturz, der eine kaputte Schulter zur Folge hatte, sowie eine kurz drauf gestellte Krebsdiagnose forderten ihr vieles ab.

„Diese vergangenen zwei Jahrzehnte waren ein Segen für mich. Einigen bin ich so manches schuldig geblieben, so manches habe ich zu tun versäumt. Manch anderen ist der Weg in die Kirche bzw. Pfarrgemeinde geebnet worden. Ich bin dankbar, ab und an ein Scherflein dazu beigetragen zu haben“, betont die Pfarrerin und zeigte sich dankbar für die große Wertschätzung ihrer Gemeinde zu ihrem  Abschied. Margret Klausner

Bild: Superintendent Olivier Dantine (links) und Bürgermeister Klaus Winkler verabschieden Pfarrerin Gundula Hendrich in den Ruhestand. Foto: Nessizius

 
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