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Kitzbüheler Anzeiger
Narrotibi Grafik Sonneninsternis

Vom Erstkontakt von Sonne und Mond bis zum vollständigen Beenden der Sonnenfinsternis.

Sonnenfinsternis am 12. August 2026

Sollte das Wetter passen, dann wird man am Mittwoch, 12. August, mit einem seltenen Ereignis belohnt, einer fast totalen Sonnenfinsternis! Die letzte Sonnenfinsternis, die bei uns zu sehen war, fand 1999, also vor 27 Jahren, statt. Ein solches Ereignis ist daher besonders selten.

Eine totale Sonnenfinsternis tritt ein, wenn der Mond zwischen Sonne und Erde wandert und den dunkelsten Teil seines Schattens (Umbra) auf die Erde wirft. An Orten, wo der Halbschatten (Penumbra) liegt, sieht man eine partielle Sonnenfinsternis. In manchen Regionen wie Spanien, Grönland oder Island wird die Sonne total verdunkelt. Bei uns ist sie zwar nicht total, sondern eine partielle Sonnenfinsternis, bleibt aber trotzdem beeindruckend. Exakt 89,22 Prozent der Sonne werden verdeckt sein. Um 19.24 Uhr abends beginnt das Spektakel.

Warum nicht bei jedem Neumond?
Ab diesem Zeitpunkt steht der Mond genau zwischen Erde und Sonne, wodurch sich der Himmel verdunkelt. Der Mond schiebt sich von außen vor die Sonnenscheibe und lässt sie wie eine Sichel erscheinen. Das Maximum wird um 20.16 Uhr erreicht. Zu diesem Zeitpunkt werden fast 90 Prozent verdeckt sein. Das ist der Zeitpunkt, bei dem die Mitte der Sonne und des Mondes am dichtesten beieinander liegen. Der Sonnenuntergang findet um 20.37 Uhr statt. Das Ende der partiellen Sonnenfinsternis geschieht also erst hinter dem Horizont. Dies wird übrigens fast überall in Europa so sein.

Aber was geschieht eigentlich genau bei einer Sonnenfinsternis? Eines vorweg: Sonnenfinsternis gibt es nur bei Neumond. Denn nur dann befindet sich der Mond zwischen Sonne und Erde in einer Linie. Nun kann man sich die Frage stellen, warum es dann nicht jeden Monat, bei jedem Neumond eine Sonnenfinsternis gibt. Die Erklärung liegt darin, dass die Bahn des Mondes um die Erde rund 5° geneigt zur Bahnebene der Erde um die Sonne ist. Außerdem umrundet der Mond die Erde nicht in einer Kreisbahn, sondern in einer Ellipse. Das bedeutet, dass der Mond manchmal etwas weiter, manchmal etwas näher an der Erde ist. Das klingt erstmal kompliziert, ist im Grunde aber einfach zu verstehen: Der Mond umkreist die Erde einmal im Monat. Die Erde umkreist die Sonne einmal pro Jahr. Würde der Mond in der exakt gleichen Bahn die Erde umkreisen, in der die Erde die Sonne umrundet, gäbe es jeden Monat nicht nur eine totale Sonnenfinsternis bei Neumond, sondern auch eine totale Mondfinsternis bei Vollmond. Jeden Monat! Das - und da wird mir jeder recht geben - wäre nichts mehr Besonderes. Da die Bahnebene des Mondes durch die Bewegung der Erde um die Sonne aber unterschiedlich ausgerichtet ist, kommt es von Zeit zu Zeit zu dieser besonderen Konstellation: die Mondbahn bei Neumond ist gerade richtig geneigt, dass der Mond einen Schatten auf die Erde wirft.

Wenn man dann noch das Glück hat, gerade auf der Tagseite der Erde zu sein, kann man die Sonnenfinsternis erleben. Genau wie am frühen Abend des 12. August. Sorry Leute, wenn ihr gerade in Fernost oder Australien seid. Dort wird zu diesem Zeitpunkt Nacht sein.

Narrotibi Grafik Sonnenfinsternis

Eine totale Sonnenfinsternis tritt ein, wenn der Mond zwischen Sonne und Erde wandert und den dunkelsten Teil seines Schattens (Umbra) auf die Erde wirft. An Orten, wo der Halbschatten (Penumbra) liegt, sieht man eine partielle Sonnenfinsternis.

Kernschatten und Halbschatten
Zu Beginn habe ich von Halb- und Kernschatten (Penumbra und Umbra) gesprochen. Was bedeutet das? Da die Sonne keine punktförmige Lichtquelle, sondern eine große Scheibe ist, entsteht nicht nur ein scharfer Schatten, sondern zwei verschiedene Schattenbereiche: Der Kernschatten (Umbra) ist der dunkelste Teil des Schattens. Von dort aus verdeckt der Mond die gesamte Sonnenscheibe. Beobachter im Kernschatten erleben eine totale Sonnenfinsternis. Der Kernschatten ist auf der Erdoberfläche nur etwa 100 bis 270 km breit und bewegt sich mit hoher Geschwindigkeit über die Erde. Man kann sich das so vorstellen, als würde der Mond genau vor der Sonne stehen und sie vollständig verdecken. Der Halbschatten (Penumbra) umgibt den Kernschatten. Von dort aus verdeckt der Mond nur einen Teil der Sonnenscheibe. Ein Teil der Sonne bleibt sichtbar. Beobachter sehen daher eine partielle Sonnenfinsternis. Aber warum entstehen überhaupt zwei Schatten? Man stelle sich die Sonne als große leuchtende Kugel vor.

Wenn der Mond das Sonnenlicht blockiert, wird das Licht von der gesamten Sonnenscheibe nur direkt hinter dem Mond vollständig abgeschirmt (Kernschatten). Seitlich kann Licht von den Randbereichen der Sonne den Mond noch „umgehen“. Dort wird nur ein Teil des Sonnenlichts blockiert (Halbschatten). Wäre die Sonne nur ein winziger Lichtpunkt, gäbe es ausschließlich einen scharf begrenzten Schatten ohne Halbschatten.

Zur Verdeutlichung hole man sich einen Ball und eine starke Taschenlampe mit einem möglichst gebündelten Lichtstrahl. Nun den Ball dicht vor eine Wand halten. Dann in einem abgedunkelten Raum mit der Lampe auf den Ball leuchten. Direkt hinter dem Ball befindet sich ein vollständig dunkler Bereich - der Kernschatten. Ringsherum liegt ein Bereich, der nur teilweise abgedunkelt ist, weil noch Licht von den Rändern der Lampe auf die Wand fällt - der Halbschatten.

Narrotibi Sonnenfinsternis Grafik

So wird die Sonnenfinsternis bei uns zu sehen sein, wenn man einen freien Blick nach Westen hat.

Freie Sicht Richtung Westen
Wo kann man die Sonnenfinsternis am besten sehen? Die besten Plätze sind solche mit uneingeschränkter Sicht nach Westen. Denn da die Sonne während der maximalen Verdunkelung nur noch wenige Grad über dem Horizont steht, können Berge, Wälder oder Gebäude die Sicht vollständig verdecken. Deshalb ist ein Platz mit möglichst niedrigem Westhorizont wichtiger als die absolute Höhe. Am besten sind eindeutig das Kitzbüheler Horn und die Hohe Salve. Von dort gibt es kaum Blickhindernisse Richtung Westen. Aber unabhängig vom Standort ist während der gesamten Beobachtung eine geeignete Sonnenfinsternisbrille erforderlich. Denn selbst wenn 90 Prozent der Sonne verdeckt sind, ist ihr Licht noch stark genug, um die Netzhaut dauerhaft zu schädigen.

Die nächste totale Sonnenfinsternis über Österreich findet erst 2081 statt. Also nehmt die Gelegenheit wahr und erlebt dieses besondere Ereignis am 12. August. Nach der Sonnenfinsternis ist am Abend des 12. August noch lange nicht Schluss. In der Nacht auf den 13. August erreicht auch der Perseiden-Meteorstrom sein Maximum. Weil eine Sonnenfinsternis nur bei Neumond stattfinden kann, stört in dieser Nacht kein helles Mondlicht den Blick auf die Sternschnuppen.

Fernab von Lichtverschmutzung können bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde sichtbar sein. Auf den Schatten am Abend folgt damit ein mögliches Sternschnuppenfeuerwerk in der Nacht. Ich wünsche allen viel Spaß. Jetzt brauchen wir nur noch schönes Wetter.

Andreas Pflügler

Der Autor Mag. Andreas Pflügler hat eine naturwissenschaftliche Ausbildung genossen und betreibt in Kitzbühel ein Ingenieurbüro für Geologie und Angewandte Geographie.