
Tolle Stimmung herrschte bei den verschiedenen Starts der Läufer im Zentrum von Fieberbrunn.
Große Emotionen nach knapp 160 Kilometern
Wenn nach mehr als 20, 30 oder sogar noch mehr Stunden in den Bergen endlich der Zielbogen im Fieberbrunner Ortszentrum auftaucht, sind Platzierungen für einen Moment Nebensache.
Erschöpfte Gesichter, Freudentränen, Umarmungen mit Familie und Freunden – der KAT100 by UTMB® lieferte auch bei seiner siebten Auflage jede Menge Emotionen.
Die größte Herausforderung wartete traditionell in der Königsdisziplin. Aufgrund der Wetterbedingungen wurde die 100-Meilen-Strecke leicht adaptiert, übrig blieben immer noch gewaltige 158,86 Kilometer und rund 8.500 Höhenmeter über sieben Berge der Kitzbüheler Alpen.
Schon der Start am Donnerstagabend hatte es in sich. Heftiger Regen begleitete die Athleten in die Nacht, erst mit dem Sonnenaufgang zeigte sich ein freundlicheres Bild. Später machten schwüle Temperaturen den Läufern das Leben schwer.

Belgier dominiert die Königsdisziplin
Am besten kam Logan Perin mit den wechselnden Bedingungen zurecht. Der Belgier lief einen Großteil des Rennens alleine an der Spitze und erreichte nach 21:53:17 Stunden als Sieger das Ziel in Fieberbrunn. „Ich habe mich gut gefühlt, eigentlich relaxed“, meinte Perin nach beinahe 159 Kilometern erstaunlich gelassen. Es war bereits sein dritter Sieg bei einem Rennen der UTMB World Series.
Mit Patrick Pape und Martin Stäps belegten zwei Deutsche die Plätze zwei und drei. Gleich drei Athleten blieben damit unter der magischen Marke von 24 Stunden. Bester Österreicher wurde Robin Kainz auf Rang sieben. Dabei hatte der Oberösterreicher nach seinem Ausfall im Vorjahr eigentlich nur ein Ziel: unter 34 Stunden zu bleiben. Am Ende standen bemerkenswerte 25:34:43 Stunden auf der Uhr.
Bei den Damen wurde die längste Distanz zur deutschen Angelegenheit. Angelika Hahn gewann nach 31:40:10 Stunden vor Nanna Spirgath und Anna-Lena Kaiser.

Johanna Hiemer sorgt für heimisches Highlight
Für einen der großen österreichischen Erfolge sorgte Johanna Hiemer. Die ehemalige Weltklasse-Skibergsteigerin und Olympiateilnehmerin lief beim Endurance Trail über 74 Kilometer und 4.485 Höhenmeter auf Rang zwei. Nach 9:06:53 Stunden erreichte sie als schnellste Österreicherin Fieberbrunn. „So schnell bin ich noch nie gelaufen. Das war mein schnellster Traillauf überhaupt“, freute sich die 31-Jährige.
Dabei hatte Hiemer selbst nicht unbedingt mit einem Podestplatz gerechnet. Im Laufe der Nacht arbeitete sie sich jedoch immer weiter nach vorne. Als sie am Tristkogel eine Konkurrentin vor sich entdeckte, war der Kampfgeist endgültig geweckt: „Da habe ich mir gedacht: Das kann nicht sein. Und dann habe ich so richtig Gas gegeben.“
Im Ziel warteten Familie und Freunde, darunter auch Ex-Biathlon-Weltmeisterin Lisa Hauser. Geschlagen geben musste sich Hiemer nur der Deutschen Lisa Wimmer. Als zusätzlicher Lohn gelang ihr die Qualifikation für das Finale der UTMB World Series 2027 in Chamonix.
Bei den Herren gab es auf der Endurance-Distanz ein französisches Triple: Hugo Deck gewann vor Hugo Bernard und Mickael Gasc.

Die Trails durch die Kitzbüheler Alpen hatten auch dieses Mal wieder jede Menge traumhafter Momente zu bieten.
Vom Streifbezwinger zum 100-Meiler
Dass beim KAT100 nicht nur die Spitzenplätze besondere Geschichten schreiben, zeigte Doug Lewis. Vor rund 40 Jahren raste der US-Amerikaner als Skirennläufer über die Streif und schaffte es bei den Hahnenkamm-Rennen zweimal in die Top Ten der Abfahrt.
Nun kehrte er mit 62 Jahren in die Kitzbüheler Alpen zurück – diesmal allerdings im Laufschritt. Lewis stellte sich tatsächlich den 100 Meilen und erreichte nach 29:07:56 Stunden das Ziel in Fieberbrunn. Damit gewann der ehemalige Abfahrer sogar seine Altersklasse.
Internationale Szene kam nach Fieberbrunn
Auch auf den kürzeren Strecken spiegelte sich die Internationalität der Veranstaltung wider. Siege gingen unter anderem nach Nepal, Italien, Deutschland und Norwegen. Österreich durfte sich neben Hiemer auch über einen Podestplatz von Sarah Löcker freuen, die beim Speed Trail Rang drei belegte.
Nach drei intensiven Tagen blieb vor allem ein Bild: Das Pillerseetal als gemeinsamer Treffpunkt für 1.700 Sportler aus 55 Nationen – von internationalen Spitzenläufern bis zu jenen, für die bereits das Erreichen der Ziellinie der ganz persönliche Sieg war.
Auch Tourismusverbands-Geschäftsführer Christof Willms zog eine positive Bilanz. Viele Teilnehmer würden ihren Start mit mehreren Urlaubstagen verbinden und gemeinsam mit ihren Familien ins Pillerseetal kommen. Gerade die Mischung aus internationalem Spitzenfeld und heimischen Teilnehmern mache den besonderen Charakter der Veranstaltung aus.
Und spätestens beim Blick auf die erschöpften, aber glücklichen Gesichter im Ziel wurde deutlich: Beim KAT100 geht es um Zeiten und Platzierungen – vor allem aber um die Herausforderung, die Berge und dieses ganz besondere Gefühl, nach unzähligen Kilometern endlich im Ziel anzukommen.