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Kitzbüheler Anzeiger
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Symbolfoto

Biber treiben erneut ihr Unwesen

Die Freude war groß, als sich vor rund 25 Jahren der erste Biber wieder an der Großache ansiedelte – war Europas größtes Nagetier doch beinahe ausgestorben. Inzwischen ist diese Freude vor allem bei den entlang der Ache wirtschaftenden Landwirten vielfach in Frust umgeschlagen. Die tierischen Baumeister fällen zahlreiche Bäume entlang der Großache und insbesondere an den Seitenbächen, graben Fluchtröhren bis in landwirtschaftliche Flächen hinein und verursachen damit Schäden, die für Landwirte bereits gefährlich wurden. Dass die Tiere mit ihren Dämmen Bäche aufstauen und so Überschwemmungen auslösen, stellt ein weiteres Problem dar.

Vor allem in den vergangenen Wochen haben sich die Schwierigkeiten wieder gehäuft. In der Vorwoche hatte ein Biber in St. Johann einen Baum angenagt, der schließlich auf die Bundesstraße stürzte. Ein Lenker und sein Beifahrer sahen den Baum, wie berichtet, zu spät und kollidierten damit – sie blieben glücklicherweise unverletzt. Auffällig waren zuletzt auch die überschwemmten Felder zwischen St. Johann und Kirchdorf, wo das Wasser stellenweise bis zu 40 Zentimeter hoch stand. Auch hier hatten Biber durch aufgestaute Seitenbäche die Überflutungen verursacht.

St. Johanns Bürgermeister Stefan Seiwald zeigt sich zunehmend verärgert: „Eigentlich ist es eine Frechheit, die die Gemeinde auch sehr viel Geld kostet.“ Die Schäden entlang der Achen seien erheblich, vielerorts gebe es kaum noch Bäume, da diese vom Biber gefällt worden seien. Zudem würden Bäche aufgestaut und Straßen teilweise untergraben, was für die Gemeinden mit hohen Kosten verbunden sei. Besonders entlang der Großache müssten beschädigte Bäume und Treibholz laufend entfernt werden, um Brücken und die öffentliche Sicherheit nicht zu gefährden, betont Seiwald.

Seiwald: Sicherheit hat oberste Priorität
Maßnahmen gegen den streng geschützten Biber seien jedoch nur eingeschränkt möglich, was für großen Unmut sorge. Forderungen nach einer Reduktion des Bestands stoßen rasch auf Widerstand. „Die Sicherheit muss oberste Priorität haben“, stellt Seiwald klar. Kontrollen oder tägliche Begehungen seien jedoch kaum zielführend, da der Biber in kürzester Zeit neue Schäden verursachen könne.

Für den Biberbeauftragten des Landes, Philipp Larch, stellt sich die Situation weniger dramatisch dar. Einzelne umgestürzte Bäume seien nicht eindeutig dem Biber zuzuschreiben, da auch morsches Gehölz ohne Fremdeinwirkung umfallen könne. Entlang von Straßen bestehe grundsätzlich immer ein gewisses Risiko durch Bewuchs, weshalb entsprechende Vorsicht geboten sei.

„Die Biber-Population ist insgesamt nicht wesentlich größer geworden. Im gesamten Bezirk ist lediglich ein zusätzliches Revier hinzugekommen“, erklärt Larch. Die jüngsten Überflutungen führt er darauf zurück, dass ein Biber weiter bachaufwärts gewandert und im Bereich des Maurerbachs sesshaft geworden sei. Dort seien jedoch über mehrere Wochen gezielte Maßnahmen gesetzt worden, darunter das kontrollierte Absenken von Dämmen sowie der Einsatz eines Elektrozauns in enger Abstimmung mit den Grundeigentümern. Er selbst sei regelmäßig vor Ort und stehe in laufendem Kontakt mit den Betroffenen.

Grundsätzlich könne jeder einen Antrag auf Maßnahmen stellen, Dämme würden über das gesamte Jahr hinweg reguliert. Laut Larch gebe es nur in wenigen Revieren tatsächliche Konflikte, in rund drei Viertel der Gebiete verlaufe das Zusammenleben unproblematisch. Schwierigkeiten träten vor allem in kleineren Bächen auf, die als „Dauerbrenner“ gelten.

Diese Woche schafft es der Biber zudem in den Tiroler Landtag. Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Hechenberger zeigt sich mit dem Entwurf der Jagdgesetznovelle nur bedingt zufrieden, da der Biber darin nicht berücksichtigt wird.

Bauern: Kritik an Bibermanagement

„Leider gibt es erneut keine Lösung für ein besseres Biber-Management. Die Tiere verursachen nicht nur massive Schäden in der Landwirtschaft, sondern gefährden zunehmend auch die öffentliche Sicherheit, etwa durch das Fällen von Bäumen in Siedlungs- und Straßennähe“, betont Hechenberger. Andere Bundesländer hätten diese Problematik erkannt und entsprechende rechtliche Möglichkeiten geschaffen. Das erwarte er sich auch für Tirol. Noch vor der Behandlung im zuständigen Landtagsausschuss im Jänner wolle man alle Beteiligten zu einem Austausch einladen und erneut auf die Dringlichkeit des Themas hinweisen.

"Die meisten Bäume entlang der Ache sind bereits kaputt. Das kostet die Gemeinde sehr viel Geld.“

Bürgermeister Stefan Seiwald


Kitzbüheler haben sich an Biber gewöhnt

Die Schönheit des Schwarzsees lockt nicht nur Erholungssuchende, auch die Biberfamilie scheint die Atmosphäre am Kitzbüheler Schwarzsee zu genießen. Bereits seit rund 15 Jahren leben die Nager wieder am Scharzsee. Große Biberburgen auch im Naturschutzgebiet zeugen von der intensiven Tätigkeit des Tieres.

Seereferent GR Rudi Widmoser sieht keine Probleme, im Gegenteil: „Der Umgang mit dem Biber war ein langfristiger Lernprozess. Anfangs hat es es eine große Gegnerschaft gegeben. Doch nach rund 15 Jahren haben wir uns an den Biber gewöhnt.“ Der Biber bringe auch Vorteile für den Bereich rund um das Gewässer, insbesondere für das Moorgebiet, da durch seine Dämme das Wasser aufgestaut werde. Das wirke sich positiv auf den Naturraum aus, so Widmoser.

Der Seereferent räumt ein, dass doch einige Schutzmaßnahmen notwendig sind. Es besonders die Birken, auf die es der Nager abgesehen habe. Bäume, die der Biber bevorzugt anfresse, würden mit Gittern geschützt. Dämme müssten teilweise durchgängig gemacht werden, um Schäden zu vermeiden. Ein vollständiges Entfernen der Dämme sei jedoch keine Lösung, da der Biber diese rasch wieder errichten.

Derzeit gibt es am Schwarzsee rund sechs bis acht Biberburgen. „Diese liegen überwiegend im streng geschützten Naturschutzgebiet. Da kann er dann auch gerne bleiben“, meint Widmoser. Er betont, dass man den Biber mittlerweile gut im Griff habe, es aber ständige Aufmerksamkeit und gemeinsames Handeln brauche.

Ohne Regel ein Sicherheitsproblem

Der Biber ist gekommen, um zu bleiben. Doch ohne klare Regeln und ein zeitgemäßes Management droht aus einem Naturschutz-Erfolg ein Sicherheitsproblem zu werden.