13.03.2022
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Zu hohe Kosten, zu wenig Verdienst

Im Rahmen ihres traditionellen Skitages gaben die Verantwortlichen der Wirtschaftsberatungsgruppe Prodinger einen Einblick in die Zukunft der Hotellerie. Die Pleiten sind dank der Staatshilfen gesunken, die Schulden haben sich jedoch verdoppelt.

Kitzbühel | Auf die Hotellerie kommen weiterhin schwere Zeiten zu – so die Einschätzung der Führungsriege der Prodinger Beratungsgruppe, die vergangene Woche zu einem Skitag nach Kitzbühel lud. Im Rahmen eines Gesprächs unter dem Motto „Geht das profitable Zeitalter im Tourismus zu Ende?“ informierten GF Thomas Reisenzahn, Marco Riederer sowie Roland Pfeiffer über die Lage. Auch Sepp Schellhorn - bekannter Hotelier, Gastronom und Nationalrat a.D. - legte seine Sicht der Dinge dar.

„Kurz gefasst kann man sagen, dass es den Einsaisonbetrieben im Sommer wirklich sehr gut gegangen ist, den Zweisaisonenbetrieben gut gegangen und den Einsaisonbetrieben im Winter weniger gut gegangen ist. Der Stadthotellerie geht es bescheiden“, nahm sich Reisenzahn kein Blatt vor den Mund. Er sehe auch keine Überförderung. Fest steht, dass der Gesamtumsatz pro Zimmer von November bis Jänner 2022, im Vergleich zu 2020, um 37 Prozent zurückgegangen ist.
Sepp Schellhorn hielt ebenfalls nicht hinter dem Berg:  Die Branche habe mit tiefgreifenden Umwälzungen zu tun. „Das erste große Thema ist der Fachkräftemangel. Die Mitarbeiter kosten zu viel und verdienen zu wenig!“ Der Fachkräftemangel sei kein neues Thema, er habe sich aber afgrund von Corona nochmals zugespitzt.
Aufgrund der prekären Situation steuere die Branche auf eine sehr kritische Zeit zu. Es müsse dringend auf die Branchenflucht - im Rahmen der Pandemie sind 20 Prozent der Mitarbeier verloren gegangen – reagiert werden. Schellhorn fordert daher u.a. mehr Netto vom Brutto sowie eine radikale Entlastung des Faktors Arbeit.

Lohnverrechnung soll vereinfacht werden
Auch die Vereinfachung der Lohnverrechnung ist eine weitere Forderung. Es sollte ein steuerfreies Bedienungsgeld von fünf Prozent für die Tourismusbeschäftigten geben. „Dienstleistung wird in Zukunft um einiges mehr kosten. Daran werden sich die Gäste gewönnen müssen“, so Schellhorn. Der Kostenfaktor Arbeit müsse verringert werden.
Probleme kommen auf die Betriebe auch im Rahmen der Betriebsprüfungen zu, vermutet Experte Roland Pfeffer. Betriebsprüfungen werden im Jahr 2022 eine neue Dimension erreichen, geht es ja auch um die eventuelle Rückforderung von erhaltenen Hilfsgeldern oder um eine möglicherweise bestimmungswidrige Verwendung. Grund dafür seien die zum Teil sehr unbestimmten Begriffe, die in den verschiedenen Richtlinien für die Coronabeihilfen zu finden sind.Die Pleiten sind zwar gesunken, die Verschuldung ist aber angestiegen.

Das Thema Steuern stellte auch Sepp Schellhorn in den Mittelpunkt der Überlegungen. Da eine Betriebsaufgabe oft mit hohen steuerlichen Belastungen einhergeht, sodass sogenannte „Zombieunternehmen“ noch jahrelang fortgeführt und die gesunden Unternehmen preislich unterboten werden,  wird auch für solche Fälle eine befristete Regelung (31. Dezember 2023) gefordert. So soll  den Betrieben mit Hilfe einer steuerlichen Strukturbereinigung eine steuerfreie Betriebsaufgabe ermöglicht werden. Dies stärke lebensfähige Betriebe und verhindere Insolvenzen.

Eine „Abwrackprämie“ für Hotelbetten
Nach Sepp Schellhorns Ansicht gelte es jetzt, rasch den Überhang an Gästebetten in der Ferienhotellerie zu reduzieren. Er kann sich die Einführung einer Art „Abwrackprämie“, die es Touristikern erleichtern soll, nicht mehr rentable Hotelbetten abzubauen, gut vorstellen. Seiner Ansicht nach gibt es in Österreich in fünf bis sechs Jahren bis zu 60.000 Gästebetten zu viel. Auch Thomas Reisenzahn wünscht sich zukünftig mehr neue Ideen für die gebeutelte Branche. Margret Klausner

Bild: Thomas Reisenzahn, Marco Riederer, Roland Pfeffer und Sepp Schellhorn (von links) informierten im Rahmen ihres traditionellen Skitages über die Zukunft der Hotellerie. Foto: Klausner

 
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