27.08.2018
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Wasser, Luft und sonst nix!

Zusätze im Wasser für die Schneeproduktion – ein absolutes „No-Go“ für die heimischen Seilbahnunternehmen. „Wasser, Luft und sonst nix!“ ist man sich bei den Skigebieten einig, wenn es um die Schneeerzeugung geht. SkiWelt und Bergbahn AG Kitzbühel sprechen sich zudem für einen sensiblen Umgang mit der Natur aus.

Kitzbühel | Die Temperaturen in den vergangenen Wochen ließen kaum jemanden an den Winter denken. Doch dann kam der Wunsch der Seefelder, Snomax für die Schneeproduktion verwenden zu dürfen. Das Landesverwaltungsgericht ermöglicht mit seinem Entscheid die Verwendung von Zusatzstoffen bei der Schneeproduktion, doch die Politik reagierte prompt. „Wir werden in der künftigen Richtlinie keine Infrastrukturförderungen, etwa für Seilbahnen, mehr gewähren, wenn außer Wasser und Luft künstliche Zusatzstoffe zur Beschneiung verwendet werden“, gibt Landeshauptmann Günther Platter die Linie vor.

Wasserkühlung anstelle von Zusätzen

Eine Entscheidung, die man im Bezirk mit Wohlwollen hinnimmt, denn solche Zusätze kommen für die Betreiber hier nicht in Frage, wie Berg­bahn-Vorstand Josef Burger und SkiWelt-Geschäftsführer Walter Eisenmann bestätigen. Letzterer war im Umweltausschuss der Seilbahnen in der Abteilung Schneeerzeugung tätig. „Das Thema Snomax tauchte immer wieder auf. Es wurde sogar in Schladming eine Testreihe über drei Jahre gemacht, wo festgestellt wurde, dass weder Mensch, Tier noch Umwelt durch den Einsatz dieser Zusatzstoffe zu Schaden kommen. Wir haben vor zehn Jahren in der Tiroler Fachgruppe beschlossen, nur Wasser und Luft zu verwenden und daraus entstand der Slogan ‚Wasser, Luft und sonst nix‘, erzählt Walter Eisenmann. Zudem hat sich der Einsatz von Zusätzen durch die Schaffung von Kühlrippen erübrigt. Damit kann das Wasser bei entsprechenden Außentemperaturen um drei Grad abgekühlt werden. „Wir haben in der SkiWelt fast überall solche Wasserkühlanlagen eingebaut“, erzählt Eisenmann.  

Nachhaltigkeit ist das Gebot der Stunde

„Die technische Beschneiung ist mittlerweile zur Sicherung einer ausreichenden Schneedecke für einen sicheren und qualitätsvollen Skilauf sowie zum Schutz der Grasnabe ökologisch und ökonomisch erforderlich“, sagt Josef Burger, Vorstand der Bergbahn AG Kitzbühel. „Es ist das Gebot der Stunde, dass dies in Harmonie mit der Natur geschehen soll“, sagt Burger weiter. Bei der Bergbahn AG Kitzbühel war man immer dafür, nur natürliche Elemente – eben nur Wasser und Luft – für die Schneeerzeugung zu verwenden. „Wir investieren in Know how und nicht in Chemie“, sagt Burger und spricht damit das ausgeklügelte Schneemanagement des Seilbahnunternehmens an.

Es wird in jedem Bereich nur die erforderliche Schneemenge produziert, damit wird nicht nur mit den natürlichen Ressourcen, sondern auch mit der Energie sparsam umgegangen. „Wir wollen so viel als erforderlich in kurzer Zeit produzieren. Unsere Ressourcen sind so ausgelegt, dass wir das Kerngebiet in vier bis sechs Tagen beschneien können“, erklärt Burger.

Den Schnee „übersommern“

Als ökolögisch zweckmäßig und ökonomisch sinnvoll bezeichnet Burger die angelegten Schneedepots, die einen punktuell frühen Saisonstart ermöglichen. „Der ‚Altschnee‘ besteht eigentlich aus 80 Prozent technischem Schnee und 20 Prozent Naturschnee. Der Verlust während der Sommermonate beträgt ca. 20 Prozent,“ erzählt Burger. Bei einem Kostenaufwand von drei Euro pro Kubikmeter Schnee erspart sich die Bergbahn AG durch das übersommern ca. 80.000 Euro, denn der eingelagerte Schnee muss nicht neu produziert werden.

„Die Verwendung von Zusätzen mit einem Gerichtsurteil herbeizuführen, spricht gegen die Natur und den gesunden Hausverstand“, übt Burger Kritik an dem Entscheid und begrüßt aber die geplanten Lenkungsmaßnahmen des Landes, obwohl man bei der Bergbahn AG Kitzbühel noch nie eine Infrastrukturförderung erhalten hat.

Sorgsamer Umgang mit der Natur

Aber nicht nur bei der Schneeproduktion legen die heimischen Seilbahnunternehmen Wert auf einen sorgsamen Umgang mit der Natur, sondern auch beim Bau von neuen Anlagen. Bei Grabungsarbeiten kommt zum Beispiel das „Waseln“ zum Einsatz. Dabei wird die Grasnabe vorsichtig entfernt, zwischengelagert und gepflegt, ehe sie nach den Erdarbeiten wieder den Boden bedeckt. „Wir haben bei all unseren Bauvorhaben eine ökologische Baubegleitung von Irmgard Silberberger, eine anerkannte Fachfrau“, erzählt Burger.

Im alpinen Gelände kommen für die Transporte Hubschrauber zum Einsatz, um die Verwundungen im Almgebiet auf ein Minimum zu reduzieren. Hängekabel anstelle von Kabelgräben schützen zudem den sensiblen Almbereich. Elisabeth M. Pöll

 
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