15.07.2022
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Was "nachhaltig" früher bedeutete

Das Thema „Nachhaltigkeit“ zieht sich durch die aktuelle Sonderausstellung des Bauernhausmuseums wie ein roter Faden. Das Leben unserer Vorfahren wird dabei in direkten Vergleich zur heutigen industrialisierten Welt gestellt.

Kitzbühel | Das Museum und seine Exponate stammen aus einer Zeit, in der der Großteil der Bevölkerung dem Bauern- oder Handwerksstand angehörte. Leben und Überleben  wurden einst nur aus lokalen Ressourcen sichergestellt. Wie etwa das im Jahr 1559 errichtete Holzhaus, Herzstück des Museums, das als gutes Beispiel für den heute so oft verwendeten Begriff des nachhaltigen Bauens dient: So wurde früher jedes Gebäude auf eine möglichst lange Lebensdauer ausgelegt, die Baustoffe stammten aus der Region. „Bauen war einmal sehr aufwändig. Das Holz wurde selbst aufbereitet, die Balken wurden manuell gesägt, eine hölzerne Wasserleitung musste errichtet werden“, erläutert dazu Kurt Pikl vom Bauernhausmuseum Hinterobernau.

Regionale Lebensmittel
Großfamilien mit mehreren Generationen lebten zusammen unter einem Dach und ernährten sich aus den kargen Erträgen der eigenen Landwirtschaft. Verwertet wurde alles, weggeworfen wurde nichts, bevorratet wurde durch Haltbarmachung und vor allem durch Einkochen. Fleisch gab's nur an Feiertagen zu essen oder auch im Herbst. Konsumüberfluss und fragwürdige „Produktionsmethoden“ der heutigen Tage - vom Abholzen des Regenwaldes über riesige Erntemaschinen bis zur Massentierhaltung - sowie das Wegwerfen von Lebensmitteln, weil sie den ästhetischen Ansprüchen nicht genügen, werden in der Impulsausstellung den bescheidenen Lebensweisen der Vergangenheit anschaulich gegenübergestellt.  

Kostbare Energie
Die Ressource Brennholz war kostbar, sie wurde mühsam gewonnen, transportiert und verarbeitet und daher sparsam verbraucht. Wie im Bauernhausmuseum ersichtlich, gab es zum Heizen früher nur einen Kachelofen sowie die offene Rauchküche - alle anderen Räume blieben kalt. Dass heute mit einem Knopfdruck alle Zimmer warm sein müssen, sei das eigentliche Problem in der aktuellen Nachhaltigkeitsdiskussion, führt Kurt Pikl aus. Mobilität fand früher hauptsächlich „zu Fuß“ statt, Urlaub war ein Fremdwort.

Work-Life-Balance
Pikl: „Die heutige Diskussion über die Vier-Tage-Woche, steht der einstigen Sieben-Tage-Woche gegenüber.“ Die Frage nach Freizeitgestaltung habe sich für unsere Vorfahren nicht gestellt. „Arbeit und Freizeit waren nur in ehrfürchtiger Kooperation mit der Natur möglich – heute würden wir sagen durch Nachhaltigkeit“, führt Pikl weiter aus.

Reparieren statt wegwerfen
Irrwitzige Müllhaufen, die mit fragwürdigen Methoden heute in den armen Ländern entsorgt werden und die Vergeudung von nicht nachwachsenden Ressourcen (Stichwort: eMüll) stehen in krassem Gegensatz zu früher. Pikl: „Damals wurde alles repariert, weil es gar nicht möglich war, immer und überall neue Geräte zu bekommen.“
Fazit: „Verglichen mit damals geht es uns heute sehr gut – aber haben wir es vielleicht übertrieben?“ fragt Pikl und erklärt: „Wir verbrauchen mit der heutigen Lebensweise 2,87 „Erden“ – im Mai wäre also schon Schluss.“ Für ihn steht daher fest:  „In unserer Lebensgestaltung ist der Wurm drin.“

Mit der aktuellen Impulsausstellung im Bauernhausmuseum soll daher ein Beitrag zur aktuellen und wichtigen Diskussion über die Entwicklungen auf unserem Planeten geleistet werden. Man hofft, bei den Besuchern durch die nähere Betrachtung der Exponate ein Umdenken auszulösen. Das Bauernhausmuseum Hinterobernau ist täglich – außer Sonntag – von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Alexandra Fusser

Bild: In der heutigen Lebensweise ist „der Wurm drin“. Das möchte Kurt Pikl mit seiner Illustration ausdrücken. Die Impulsausstellung im Bauernhausmuseum Hinterobernau zeigt auf, wie nachhaltig unsere Vorfahren gelebt haben. Grafik: Pikl

 
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