10.07.2017
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Verwenden, statt verschwenden

Auf der einen Seite Lebensmittel im Überschuss, auf der anderen Seite Menschen, bei denen das monatliche Einkommen kaum reicht. „Verwenden, statt verschwenden“ lautet das Motto der Lebensmitteltafeln im Bezirk. Ein neuer Standort wird in St. Johann gesucht.

Bezirk | Es gibt viele Facetten von „Armut“, die man auf den ersten Blick nicht sieht. Da ist die Familie, die eine Kreditlast zu stemmen hat, die alleinerziehende Mutter, die nicht Vollzeit arbeiten gehen kann oder der alleinstehende Arbeiter, der aufgrund des niedrigen Lohnniveaus und der immer höher werdenden Mieten kaum ein Auskommen findet. Keiner von den Genannten würde sich selbst wohl als „arm“  bezeichnen, dennoch ist am Ende des Monats kein Geld mehr übrig. „Gerade bei uns im Bezirk ist das Schamgefühl sehr ausgeprägt, wenn das Geld hinten und vorne nicht reicht. Viel zu wenige trauen sich zur Tafel zu kommen“, bestätigt Barbara Bärnthaler. Bärnthaler koordiniert im Bezirk die fünf Lebensmitteltafeln des Roten Kreuzes.

Lebensmitteltafeln haben samstags geöffnet

Jeder mit einem geringen Einkommen, kann sich bei den Tafeln Lebensmittel kostenlos abholen. Die Einkommensgrenzen fangen für Alleinstehende bei rund 1.100 Euro an. Einen Gehaltsnachweis muss man nicht erbringen. „Das funktioniert bei uns auf Vertrauensbasis. Die Kunden füllen bei uns ganz unbürokratisch eine Erklärung aus, in der sie bestätigen, dass ihr Einkommen unter den Grenzen liegt – einen offiziellen Nachweis braucht es nicht“, erklärt Bärnthaler. Die Lebensmitteltafeln in Kitzbühel, St. Johann, Brixental, Kössen und Fieberbrunn werden jeden Samstag am späten Nachmittag bzw. Abend geöffnet.

Tonnenweise werden Lebensmittel abgeholt

Wöchentlich holen freiwillige Helfer in den örtlichen Supermärkten Lebensmittel ab, die ansonsten weggeschmissen würden. „Die Zusammenarbeit mit den Märkten klappt reibungslos. Wir bekommen viele frische Produkte, wie Obst, Gemüse oder Brot. Es wäre sehr schade, wenn das alles in den Müll wandern würde“, betont Bärnthaler. Bis zu 700 Kilo Lebensmittel werden jeden Samstag für die größte Tafel im Bezirk in Kitzbühel abgeholt.

Neuer Standort in St. Johann wird gesucht

Die Räumlichkeiten, in denen Tafeln zu finden sind, befinden sich im Besitz des Roten Kreuzes, der Gemeinden oder werden kostengünstig angemietet. In St. Johann wird ab Ende August ein neuer Standort gesucht. „Aufgrund von Eigenbedarf müssen wir aus den Räumlichkeiten ausziehen. Wir sind nun auf der Suche nach einer neuen Möglichkeit“, berichtet Bärnthaler. Für eine Lebensmitteltafel wäre ein rund 50 Quadratmeter großer Raum ideal. „Es muss auch nicht direkt im Ortszentrum sein, wichtig wäre nur, dass es für uns leistbar ist“, betont die Tafelkoordinatorin.

Problem: Erreichbarkeit der Lebensmitteltafeln

Ein weiteres Problem, vor allem in den Umlandgemeinden der Tafeln, stellt die Erreichbarkeit dar, denn öffentliche Verkehrsmittel verkehren am Samstagabend oft nicht. „Für viele Kunden ist es schwierig, zu uns zu kommen. Wir hoffen deshalb in Zukunft auf eine Unterstützung von den Gemeinden. So könnten etwa Fahrgemeinschaften oder Ähnliches angeboten werden“, veranschaulicht Bärnthaler.

85 Ehrenamtliche engagieren sich im Bezirk

Neben den Lebensmittelspenden ist das Rote Kreuz auch auf finanzielle Unterstützung angewiesen. „So bekommen wir Grundnahrungsmittel, wie Reis oder Mehl sehr selten. Diese Produkte kaufen wir dann aus Spenden an“, erklärt die Tafelkoordinatorin.

Zur größten Tafel im Bezirk, in Kitzbühel, kommen jeden Samstag bis zu 45 Kunden. 85 Mitarbeiter engagieren sich derzeit im Bezirk ehrenamtlich für die Tafel. Fleißige Hände, die bei der Tafel mithelfen möchten, werden nach wie vor gesucht. „Es würde uns auch sehr freuen, wenn es gelingen würde, die Hemmschwelle zu uns zu kommen, ein wenig zu senken – denn es ist eigentlich ein Wahnsinn, dass so viele Lebensmittel im Müll landen“, betont Bärnthaler. Verwenden, statt verschwenden. Johanna Monitzer

Bild: Die größte Lebensmitteltafel befindet sich in Kitzbühel neben den Stadtwerken. Bis zu 45 Kunden holen sich hier Lebensmittel, die sonst weggeschmissen würden. In St. Johann wird dringend ein neuer Standort gesucht. Foto: Monitzer

 
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