03.05.2017
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„Störungen können jeden treffen“

Wenn die Seele Hilfe braucht. Die Mitarbeiter des Psychosozialen Pflegedienstes (PSP) betreuen derzeit 93 Menschen im Bezirk. Bereichskoordinatorin Claudia Gruber erklärt, warum psychische Erkrankungen noch immer ein Tabuthema sind und wie wichtig es ist, Hilfe anzunehmen.

Höher, schneller, weiter – laut einer aktuellen Studie ist jeder vierte Berufstätige Burn-Out gefährdet. Depressionen sind in aller Munde. Wie haben sich seelische Leiden in den letzten Jahren entwickelt?
Es gibt Studien der WHO, die bestätigen, dass psychische Erkrankungen zunehmen. Das betrifft nicht nur Burn-Out und Depressionen. Auch bei uns kann man sagen, dass wir Jahr für Jahr mehr Klienten betreuen. Was vielleicht auch interessant ist, dass wir mehr Frauen als Männer betreuen. Die Frauenquote liegt bei 61 Prozent.

Fällt es Frauen leichter Hilfe anzunehmen?
Ja. Ich glaube, dass hat etwas mit der Sozialisation zu tun. Vielen Männer fällt es sehr schwer, über ihre emotionale Situation offen zu sprechen bzw. preiszugeben, dass es ihnen schlecht geht.

Gelten seelische Leiden heute nach wie vor als Tabuthema?
Seelische Leiden sind mit Sicherheit nach wie vor ein gr0ßes Tabuthema. Es gibt zwar bestimmte Krankheitsbilder, wie z.B. Depressionen, die mittlerweile in der Gesellschaft anerkannt sind, die Menschen tun sich aber nach wie vor schwer im Umgang mit psychischen Erkrankungen. Betroffene stoßen oft auf Ablehnung und fürchten, stigmatisiert zu werden. Es ist daher ganz wichtig, deutlich zu machen, dass psychische Störungen jeden treffen können.
Viele Menschen haben eine Scheu oder sogar Angst vor Menschen mit psychischen Erkrankungen. Es ist ganz wichtig, dass sich die Gesellschaft hier weiter öffnet, gerade weil es eben jeden betreffen kann.

In welchen Bereichen bietet der PSP Hilfe und Unterstützung an?
Grundsätzlich bieten wir kostenlose und anonyme Beratung und Unterstützung in den verschiedensten Bereichen an. So arbeiten wir sehr eng mit allen Psychiatern im Bezirk zusammen und bieten Unterstützung im häuslichen Umfeld an.
Dann bieten wir bei uns in der Einrichtung Beschäftigungsgruppen, z.B. Koch- oder Werkgruppen an. Wichtig ist auch, dass wir unseren Klienten dabei helfen, am öffentlichen Leben wieder teilzunehmen – sei es beim Gesangsverein, Sportverein oder beim Pensionistenverein. Außerdem bieten wir eine Arbeitsinitiative an, um den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu erleichtern und betreuen eine Wohngruppe. Unser Bestreben ist es, die Klienten ins gesellschaftliche Leben zu integrieren und tragfähige soziale Beziehungen herzustellen.

Mit welchen Krankheitsbildern werden die Mitarbeiter des PSPs im Bezirk am häufigsten konfrontiert?
Die meisten Krankheitsbilder betreffen Schizophrenie und affektive Störungen.

Wenn Angehörige oder Freunde mitbekommen, dass es Mitmenschen nicht gut geht – was soll man machen?
Was ganz wichtig ist, ist den Menschen zuzuhören. Aufmerksam sein. Es hilft nicht zu sagen, dass es schon wieder werden wird. Die Probleme sollten ernst genommen werden und gemeinsam mit dem Betroffenen sollte man nach Hilfsangeboten suchen. Oft sind die Betroffenen alleine nicht in der Lage dazu, diesen Schritt zu gehen. Wir vom PSP bieten hier anonyme und kostenlose Beratung an.

Warten viele Menschen zu lange, bis sie Hilfe annehmen oder suchen?
Viele hoffen, dass es von selber wieder besser wird. Wir hören oft, dass am Anfang alles nicht so schlimm war und die Betroffenen dachten, dass es schon irgendwie gehen wird. Jeder hat Phasen, wo es einem nicht so gut geht – aber wenn diese Phase länger andauert, sollte man unbedingt Unterstützung suchen.
Johanna Monitzer

 
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