28.09.2020
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Stetiger Vordenker & Optimist wird 80 Jahre

Hansjörg Schlechter erzielte große Erfolge, musste aber auch große Probleme bewältigen.

Kitzbühel | Im selbstkritischen Rückblick erinnert sich der Achtzigjährige, dem ungewöhnlich früh innerhalb der Firma Verantwortung zugefallen war, dass er zu kämpfen lernte um sich auf dem Markt zu behaupten, immer den Betrieb im Kopf hatte und deshalb vieles vernachlässigte. Er habe leider manche Dinge zu früh angegangen, die erst viel später zum Erfolg führten, übernahm aber auch zeitaufwändige und kaum bedankte Ehrenämter.

Traditionsfirma mit tüchtigen Frauen
Dankbar verweist er auf die Familientradition und die mutige Fortführung des Betriebes durch die früh verwitwete Mutter, die Übernahme bei seiner Pensionierung durch die Gattin Helene und nun die Geschäftsführung durch die Tochter Katrin, die Kitzsport leitet.
In der Berufsgeschichte Hansjörg Schlechters spiegeln sich bewegte Jahrzehnte der Wirtschaft. Er schloss bei der Fa. Karl Halhammer in Hall und an der Berufsschule in Stams die Ausbildung als Wagner und Skierzeuger mit Auszeichnung ab. Die bald abgelegte Meisterprüfung in den beiden Sparten war noch eine Neuheit.

Umfassende praktische Fortbildung
Neben dem vollen Einsatz in der Skierzeugung war für die Führung des Sportgeschäfts noch der Besuch der Kaufmännischen Berufsschule erforderlich. Eine umfassende Ausbildung des Sohnes war für Kathi Schlechter von größter Bedeutung. Nach dem Untergymnasium an der Stella Matutina in Feldkirch folgten Monate in einer Sprachschule in England, die von der Frau eines Kitzbüheler Bekannten geleitet wurde. Vorbereitet wurde diese Weiterbildung durch Englischkurse bei der heimischen Sprachlehrerin Christa Maria Egger.

Kunststoffskier Marke Kitzsport
Die Firma Schlechter erzeugte in der Anfangsphase der Kunststoffskier die Kunstlaminatskier Steeloflex Glasflex und Epoglas, später unter dem Namen Kitzsport, die im lokalen Bereich gut ankamen. Damals meldete Hansjörg Schlechter einige Patente an und beantragte Musterschutz. Die Industrialisierung fegte viele heimische Skimarken weg. Kitzsport als Skimarke gibt es seit Jahren als gefragtes Nischenprodukt.

Vorsitzender bei Intersport Österreich
Im Jahr 1964 schloss sich Schlechter als zwölftes Mitglied Intersport Österreich an. Diese Entscheidung war richtig, aber die Entwicklung im Sporthandel ging dann einen ganz anderen Weg. Ab 1974 wirkte der Kitzbüheler Unternehmer als Vorstandsmitglied, von 1988 bis 1995 war er Vorsitzender von Intersport Österreich. Hansjörg Schlechter kaufte 1968 von seiner Mutter ein Grundstück im Stockerdörfl und errichtete mit großem persönlichem Einsatz ein Eigenheim.

In neue Aufgaben berufen
Im Jahr 1972 wurde Schlechter als Ausschussmitglied in den Fremdenverkehrsverband berufen, dem er zwanzig Jahre angehörte, zuletzt vier Jahre als Aufsichtsratsvorsitzender. Er war im Verhandlungskomitee für den Golfplatz Schwarzsee- Reith und war kurzzeitig  Präsident des GC Schwarzsee. Die Aufgabe als zweiter Geschäftsführer beim Kitzbüheler Anzeiger musste Schlechter bald aufgeben, weil seine ganze Kraft in der eigenen Firma notwendig wurde.
Schlechter kann auf eine lange Mitgliedschaft beim K.S.C. und im Turnverein verweisen, 1980 gründete er den in verschiedenen Sparten erfolgreichen Sportverein Kitzsport. Berg- und Skitouren mit Freunden, vorwiegend in der Schweiz und Italien, wurden abgelöst von Kletterausflügen nach Nordamerika.
Als Gründungsmitglied des Rotary Club Kitzbühel (1966) engagierte sich Schlechter für viele konkrete Aufgaben, er ist Träger der Paul Harris Fellow Medaille.
Außerdem wurde ihm das Goldene Ehrenzeichen des Genossenschaftsverbandes verliehen. Für seinen Einsatz im Tourismusverband wurde ihm die Goldene Gams mit Brillant verliehen.

Keuchhusten und Elitegymnasium
Hansjörg Schlechter war der lange ersehnte Stammhalter von Kathi und Hansjörg Schlechter,  er kam(ausschließlich aus medizinischer Vorsorge) in Innsbruck zur Welt, wuchs aber in der Hinterstadt auf.
Als er mit dreieinhalb Jahren an Keuchhusten erkrankte, entschloss sich der Vater zu einer ungewöhnlichen „Heilungsmethode“. Er kaufte im Trattenbach ein Grundstück und errichtete eine Berghütte, damit dem Kind die ärztlich empfohlene langfristige Luftveränderung geboten werden konnte.

Der bekannte Bergsteiger stürzte 1945 am Kleinen Rettenstein ab. Kathi Schlechter, die erste Frau in der Edelweißgilde, führte die Firma mit Mut und Tatkraft weiter. Mit zehn Jahren kam der Sohn in das Elitegymnasium Stella Matutina in Feldkirch. Das brachte die damals üblichen selbstverständlichen Einschränkungen. Nur in den Ferien war der Sohn in Kitzbühel, er erinnert sich an zwei Sondertermine: Einmal durfte er zum Begräbnis der Großmutter, ein zweites Mal wegen der Sonderferien bei Mumps zusätzlich nach Kitzbühel. An die Zeit in Feldkirch erinnert sich Hansjörg Schlechter aber gerne. Als Ministrant genoss er das anfallende „Scherzstück“ bei der Vormittagsjause, mit dem monatlichen Taschengeld von 20 Schilling haushaltete er gut und erwirtschaftete beim Weiterverkauf von Waren aus Liechtenstein kleine Summen. Für die humanistische Ausbildung ist er heute noch dankbar.

Interessiert, zufrieden und gesund  
Über Jahrzehnte band ihn die Firma, die Höhen und Tiefen durchmachte. Der Vater von zwei Söhnen aus einer frühen Beziehung lernte im Jahr 1974 die ehemalige Skirennläuferin Helene Graswander, die Tochter des  Kitzbüheler Originals Hansei Pepei, kennen, die in der väterlichen Sportartikelfirma tätig war.  Sie fusionierten privat und geschäftlich. Zum privaten Glück kam das berufliche: „Heli“ leitete nach ihm die Firma, inzwischen ist Tochter Katrin die tüchtige Chefin von Kitzsport. Auf diese Entwicklung ist Hansjörg Schlechter besonders stolz. Er ist zufrieden und  gesund, interessiert sich für das Geschehen rundum und genießt das Pensionistenleben. Möge das noch sehr lange so bleiben. H.W.

Bild: Hansjörg Schlechter blickt auf ein erfülltes Leben zurück. Foto: privat

 
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