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Kitzbüheler Anzeiger
22.01.2021
News  
 

„Skilehrer“ werfen Fragen auf

Insgesamt 46 Personen, der Großteil aus Großbritannien, sind bis Dezember nach Jochberg angereist, um dort Skifahren zu lernen und anschließend zu unterrichten. Der Vorfall hat nun die Skilehrerausbildung in den Fokus geückt.

Jochberg | Mit der Hoffnung auf eine abwechslungsreiche Wintersaison reisten seit Oktober 46 EU-Bürger nach Jochberg um dort in der Wintersaison als Skilehrer zu arbeiten. Ein All-Inklusive-Paket wurde mit der Skiinstructor Academy, einem privaten Anbieter, abgeschlossen: Zuerst Anfängerskikurs und dann die Vorbereitung zur Anwärterprüfung inklusive Unterkunft und Job. „Es läuft grundsätzlich etwas völlig aus dem Ruder“, nimmt Christian Abenthung, Geschäftsführer des Tiroler Skilehrerverbands zu diesem Angebot Stellung. Dieses Geschäftsmodell soll nun geprüft und bei Verstößen zur Anzeige gebracht werden. „Wir sehen hier eine Entwicklung, die zu einer groben Schädigung des Tiroler Skilehrer- und Skischulwesens führt und auch das Image des gesamten Tiroler Wintertourismus negativ beeinflusst“, erklärt Abenthung und regt eine Prüfung der Firmen an, ob die Mitarbeiter auch als Dienstnehmer in Österreich gemeldet sind.

Untergebracht sind die Betroffenen in drei Häusern, die 17 Infizierten haben sich im gleichen Haus aufgehalten, das von der Bezirkshauptmannschaft nach dem Anfangsverdacht unter Quarantäne gestellt wurde. Die Anhaltspunkte zu Non-Stop Partys haben sich bei den Einvernahmen der Landeskriminalpolizei nicht erhärtet.

Private Anbieter sind Dorn im Auge
Der private Anbieter, der in Jochberg agiert, hat seinen Firmensitz in Taxenbach, die Skilehrerprüfungen werden über den Wiener Skiverband abgewickelt, der auch Mitglied beim ÖSSV ist, ebenso wie der Tiroler Verband. Die Abhaltung der Ausbildungskurse im Jänner wird von den Wienern auf der Homepage bestätigt. Mit einem Update vom 28. Dezember (3. Lockdown seit 26. Dezember) wird hingewiesen, dass keine Quarantäne für Teilnehmer aus dem Ausland notwendig ist: „Aktuell gilt in Österreich, dass sich bis 10.01.2021 jeder Einreisende aus dem Ausland in Quarantäne begeben muss. Es gibt jedoch Sonderregeln für berufliche Reisende, worunter auch Teilnehmer von Ausbildungen fallen. Diese müssen nicht in Quarantäne, wenn sie bei der Einreise ein ärztliches Zeugnis vorweisen können, das einen negativen PCR oder Antigen Test bestätigt und die Testung nicht länger als 72 Stunden zurückliegt.“

Dem stimmte Montagabend auch Elmar Rizzoli, Einsatzleiter des COV-Krisenstabes, zu: „Es sei nicht unrechtmäßig, dass sich diese Personen in Tirol aufhalten.“

Ausbildung zum Skilehrer
Insgesamt ist das Skischulwesen reglementiert und fällt unter die Ägide vom Land. Seit 24. Dezember dürfen Skikurse angeboten werden. Erlaubt ist jedoch nur Privatunterricht, Menschen aus dem gleichen Haushalt dürfen eine Gruppe bilden. Grundsätzlich setzt sich die Ausbildung aus mehreren Modulen zusammen. Voraussetzung für den Start ist der Anwärterkurs, dann darf auch in einer Skischule gearbeitet werden. Übrigens: Die Bezeichnung Skilehrer gilt erst nach Abschluss der Landesskilehrerprüfung. Verena Mühlbacher

Bild: Nicht nur Jochberg stand im Mittelpunkt der Berichterstattung, sondern auch die Skilehrerausbildung. Foto: Monitzer

Chronologie - Virus-Mutation in Jochberg
3. Jänner: Es gab die ersten positiven Coronatests in einer Jochberger Skilehrerunterkunft.
9. Jänner: Die Bezirkshauptmannschaft ordnete Testungen in allen drei Skilehrerunterkünften an.
11. Jänner: 17 positive Fälle. Die AGES in Wien bestätigte die Auffälligkeiten hinsichtlich einer möglichen Virus-Mutation bei der Erstuntersuchung.
12. Jänner: Die Öffentichkeit wurde informiert. Um 11.22 Uhr gab es die erste Presseinformation des Landes bezüglich der  17 Verdachtsfälle aus Jochberg. Im Mittagsjournal im ORF war bereits Bürgermeister Günter Resch zugeschaltet. Alle Jochberger wurden zum Massentest aufgefordert.
13. Jänner: Massentests erfolgten im örtlichen Kultursaal, 1.058 Jochberger nahmen daran teil.
Nach Spekulationen gab es am Nachmittag die Bestätigung: die zwei Slalombewerbe werden aus Sicherheitsgründen von Kitzbühel nach Flachau verlegt.
14. Jänner: Erste Erleichterung gab es dann am Donnerstagfrüh als feststand, dass in Jochberg bei den Massentests vier positive Fälle herausgefiltert wurden, wobei sich der Mutationsverdacht nur bei einem Fall verhärtete. Es handelt sich um ein Mitglied der betroffenen Skigruppe.
Massentests im ganzen Bezirk wurden angeordnet.
15. Jänner: Das Abwasser des Bezirks Kitzbühel wird untersucht - Ergebnisse dauern. Die Massentests starten.
17. Jänner: In Jochberg starten für die über 80-Jährigen die ersten Impfungen.
Grünes Licht gab es für die Hahnenkammrennen am kommenden Wochenende.
18. Jänner: Am Abend gab es 17 bestätige Fälle von dem B.1.1.7-Virus, bei den Massentests hat sich der Verdacht des neuen Virus jedoch nicht bestätigt. veh

 
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