04.02.2020
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Sechs Menschen starben am Berg

Im vergangenen Jahr starben 102 Menschen bei Unfällen in den Tiroler Bergen, davon sechs Personen im Bezirk Kitzbühel.  Die Zahl der Bergsport­unfälle ist in etwa gleich geblieben.

Bezirk | Sport in den Bergen boomt – Wandern, Klettern und Mountainbiken locken nicht nur viele Gäste nach Tirol, auch die Einheimischen selbst zieht es immer öfter in die Berge. Winter wie Sommer. Und da kommt es auch immer wieder zu Unfällen. In Tirol passiert ein Drittel aller tödlichen Unfälle und Zwischenfälle in alpinem Geländ­e. 102 Menschen starben im vergangenen Jahr tirolweit in den Bergen, bundesweit waren es 304. Diese Statistik veröffentlichte dieser Tage das Kuratorium für Alpine Sicherheit.
Im Bezirk Kitzbühel waren es sechs Menschen, die in den Bergen zu Tode kamen. Eine Person verstarb bei einer Skitour, ein Mensch kam beim Klettern ums Leben. Ein weiterer Todesfall war auf der Piste zu beklagen, ein Mensch starb bei einem Bergunfall mit einem Fahrzeug. Zwei Menschen starben beim Wandern. Im Jahr zuvor waren es noch zehn Menschen, die aus den Bergen nicht mehr heimkamen.

387 Personen zogen sich Verletzungen zu
Auch mit insgesamt 3.664 Unfällen und dabei 3.476 verletzten Personen liegt Tirol in der Statistik bundesweit mit Abstand an erster Stelle. In Tirol waren 3.380 Verletzte zu beklagen, im Jahr 2017 noch 3.515. Tirolweit ist besonders die Zahl derjenigen, die nach einem Sturz mit einem Mountainbike behandelt werden mussten dramatisch: Lag diese im Jahr 2015 noch bei 105 Patienten, waren es im vergangenen Jahr schon 292.
Im Bezirk Kitzbühel, so zeigt es die Statistik, verletzten sich 387 Menschen – um 15 mehr als noch im Vorjahr – bei Berg­unfällen. 632 Menschen verletzten im Jahr 2019 in den Bergen, um 78 mehr als noch im Vorjahr.
Die Bergsportdisziplin mit den meisten Unfalltoten im Jahr 2019 war tirolweit übrigens Wandern bzw. Bergsteigen. Und über ein Viertel aller tödlich verunglückten Personen, so die langjährige Statistik, stirbt nicht beim Bergsport, sondern bei der Jagd bzw. bei Forst­arbeiten. Fast alle Todesopfer stammten übrigens aus dem europäischen Raum, der Großteil stammt aus Österreich.

Dunkelziffer ist bei Unfällen weit höher  
Hinter dem Chef der Alpin­polizei im Bezirk Kitzbühel, Martin Hautz, liegt hinsichtlich der Unfälle ein „durchschnittliches Jahr“ wie er sagt. Das bestätigt auch der Obmann der Bergrettung im Bezirk, Peter Haidacher. Die vorliegende Statistik beinhalte überdies auch nur jene Unfälle, so Hautz, die von der Polizei registriert wurden. Die Dunkelziffer bei den Unfällen am Berg sei noch um einiges höher, so Hautz.

Prognosen der Radunfälle lagen falsch
Überrascht zeigt er sich, wenn es um die Radunfälle geht. Die zunehmende Beliebtheit von E-Bikes, also mit Motoren angetriebenen Fahrrädern, die es auch weniger fitten und älteren Menschen ermöglichen, auf die Berge zu radeln, sorgt auch für einen Anstieg an Unfällen. Vor allem die Fahrt ins Tal ist nicht ungefährlich. Doch die Unfallzahlen sind doch um einiges unter jenen gelegen, die von Experten ursprünglich prognostiziert wurden, zeigt sich Hautz überrascht.
Für den Alpinpolizisten sind im Übrigen auch jene Einsätze ein wichtiger Teil seiner Arbeit, bei denen es keine Verletzten zu beklagen gibt. Aufgrund der Tatsache, dass mit dem Wilden Kaiser eine der beliebtesten Regionen der Kletterszene überhaupt, im Bezirk Kitzbühel liegt, sind die Bergretter aber auch die Alpinpolizisten dort in den Sommer- und Herbstmonaten massiv gefordert.

Herrausforderung für die Retter
Auch im Vorjahr kam es zu einigen spektakulären Bergungen aus dem Bergmassiv. So musste Mitte September eine Seilschaft aus der Tour „Des Kaisers neue Kleider“ geborgen werden. Eine große Herausforderung auch deshalb, weil die Tour extrem überhängend ist. Zwei Bergretter mussten sich mit einem 400 Meter langen Seil abseilen lassen, um die Kletterer zu retten. Diese überstanden das Abenteuer unversehrt.
Bereits einige Wochen vorher musste eine verletzte Person am Ellmauer Tor am Tau hängend vom Hubschrauber geborgen werden.
Martin Hautz beklagt die falsche Tourenplanung vieler Kletterer. „In die Kletterhalle kann ich um fünf Uhr nachmittags auch noch gehen, das geht am Berg aber nicht. Da muss ich einfach früh genug einsteigen.“ Das werde öfter unterschätzt. Da fehle das notwendige Gespür für Natur und Wetter. Oft wird auch viel zu spät gemeldet, dass man in Bergnot geraten ist. In der Dunkelheit dann noch Kletterer zu bergen, ist auch für die Einsatzkräfte riskant, daher appelliert Hautz an Bergsteiger und Kletterer, früh genug Alarm zu schlagen, wenn sie in Not geraten sind. Margret Klausner

Die Bergrettung St. Johann musste Mitte September bei Dunkelheit eine Seilschaft aus der Tour „Des Kaisers neue Kleider“ bergen. Foto: Bergrettung St. Johann

 
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