03.04.2017
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Projekt Hagertal steht in den Sternen

Das Agrarverfahren für die geplanten Überflutungsflächen im Hagertal laufen weiter, überdies sollen von Seiten des Landes Tirol die Planungen noch heuer ausgeschrieben werden. Der Obmann der Groß­achengenossenschaft, Ernst Schwaiger, schließt eine rasche Realisierung des Projektes in den nächsten Jahren kategorisch aus.

Kirchdorf, Kössen | Die Diskussion rund um die geplanten Schutzmaßnahmen im Hagertal gehen nach wie vor weiter – wie berichtet, war das Hochwasser in Kössen vor vier Jahren der Auslöser für die Überlegungen zwischen den beiden Gemeinden Retentions­flächen zu schaffen. Vor fast drei Jahren wurde erstmals eine Studie erstellt. Geht es nach den Experten, sollten entlang des Hagertals die Dämme erhöht werden, damit im Falle einer Überflutung das Wasser an definierten Stellen überlaufen und auf die Retentionsflächen rinnen kann. Unter anderem müsse die Erpfendorfer Landesstraße jedoch auch in diesem Fall weiter befahrbar sein und betroffene Häuser in diesem Bereich durch Schutzmaßnahmen gesichert werden. Diese Pläne präsentierte der Obmann des Hagertal-Ausschusses vergangenen Herbst auch im Kirchdorfer Gemeinderat.

Einige Monate zuvor war bereits das Agrarverfahren eingeleitet worden. Vor allem im Erpfendorfer Ortsteil Wohlmuthing stoßen die Pläne auf Widerstand, da die Retentionsbecken weit in diesen Bereich hineinreichen würden. Die Besitzer der dortigen Immobilien fürchten einen Werteverlust ihrer Häuser. Sie stellten von vornherein klar, dass die Becken weiter nach unten Richtung Kössen verlegt werden sollen, da sich dort nur Felder und Wiesen befinden und eine Überflutung in diesem Bereich bei weitem nicht so viele Schäden anrichten würde. Auch Kirchdorfs Bürgermeister Gerhard Obermüller hat gegen die vorliegenden Ideen sein Veto eingelegt.

Kriterienkatalog erstellt

„Wir sind derzeit bei den Agrarverfahren und führen die Gespräche mit den Grundeigentümern“, erklärt Michael Brunschmid, Obmann des Ausschusses. Immerhin sind 152 Eigentümer unter einen Hut zu bringen. „Dazu muss man auch sagen, dass wir ja nur die Gespräche führen. Die Planungen selbst werden von Seiten der Abteilung Wasserbau beim Land Tirol beauftragt.“ Brunschmid hatte in der vergangenen Woche einen Gesprächstermin bei den zuständigen Beamten des Landes. „Die Planung soll noch heuer ausgeschrieben werden. Wir selbst haben inzwischen einen Kriterienkatalog erstellt“, informiert Brunschmid über das Gespräch. Im Laufe der nächsten vier Wochen ist eine Informations­veranstaltung für die betroffenen Grundeigentümer geplant.

65 Millionen Euro in 20 Jahren investiert

Auch wenn die Planungen vorliegen, steht noch lange nicht fest, ob und wann das Projekt überhaupt realisiert wird. Kirchdorfs Alt-Bürgermeister Ernst Schwaiger, Obmann der Großachengenossenschaft, die dafür in diesem Bereich zuständig ist, schließt eine baldige Realisierung kategorisch aus. „Die Genossenschaft hat in den nächsten 15 Jahren mit Sicherheit kein Geld, um ein solches Projekt zu bauen“, zeigt sich Schwaiger emotional. Seit 1996 seien in und um die Großache von der Genossenschaft rund 65 Millionen Euro in Schutzmaßnahmen investiert worden. Die Realisierungen der Hochwasserverbauungen in St. Johann und Kössen seien nach den Hochwasserereignissen vorgezogen und um Jahre früher als geplant umgesetzt worden.

„Wir haben daher dafür derzeit kein Geld mehr. Wenn das Land das Projekt finanziert, ist das etwas anderes“, erklärt Schwaiger und betont, „dass wir unseren Zwangsmitgliedern jetzt sicher nicht das Fünffache wie bisher an Beiträgen vorschreiben können, nur um das Hagertal umzusetzen.“ Das heißt im Klartext, dass der Zeitpunkt für den Bau der Retetionsflächen buchstäblich in den Sternen steht. Margret Klausner

Bild: Ausschussobmann Michael Brunschmid bei der Ideenpräsentation für das
Hagertal im Gemeinderat. Foto: Klausner

 
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