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28.12.2020
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Neues Konzept sicherte den Erfolg

Nach dem Zusammenbruch von Staat und Wirtschaft im Jahr 1945 und  Jahren der Not und Entbehrungen gewann die Hoffnung auf einen Wiederaufstieg der Wirtschaft langsam an Boden.

Kriegsbedingt mussten die „Kitzbüheler Nachrichten“ anfangs 1942 eingestellt werden. Ab Ende 1945 gab es als regionale Zeitung für das gesamte Unterland nur die „Sonntagspost“ mit den Verlagsorten Kufstein und Wörgl. Im Frühjahr 1950 wagten sich einige Kaufleute an die Gründung einer  Genossenschaft, die den Zweck hatte, durch Herausgabe eines periodischen Bezirksnachrichten- und Annoncenblattes unter Begünstigung ihrer Mitglieder den Gewerbebetrieb und die wirtschaftliche Lage ihrer Mitglieder zu fördern.

Wieder „Kitzbüheler Anzeiger“
Am 26. Mai 1950 wurde in der Veranda des Gasthofs Straßhofer die Zeitungsgründung beschlossen. Anwesend waren Karl Planer, Max Werner, Peter Sieberer, August Höbart und Toni Praxmair.                                 

Start mit zwei Seiten Lokalnachrichten
Am 23. Juni fand beim Straßhofer die Gründungsversammlung statt, bei der die Geschäftsordnung festgelegt wurde: Das Blatt soll zwei Seiten Lokalnachrichten – nur aus dem Bezirk – haben, zwei Seiten mit den Anzeigen wurden den Gesellschaftern zu ermäßigten Bedingungen und zwei weitere für Mitglieder und Nichtmitglieder zum Preis von S 40,- pro Sechzehntelseite eingeräumt. Allerdings war jedes Mitglied verpflichtet, ganzjährig in jeder Ausgabe ein „Pflichtinserat“ zu schalten und vierteljährlich im Voraus zu bezahlen.
Geschäftsführer wurde laut der ersten Geschäftsordnung vom 19. Juni 1950 Martin Wörgötter, dem gegen Spesenersatz folgende Aufgaben zufielen: Führung der Redaktion, Einteilung des Nachrichtendienstes, Buchhaltung, Annoncenwerbung, Vertrieb und Versand und Förderung des Ausbaues der Zeitung.
Eine fallweise Honorierung von Einsendungen fiele in den Aufgabenkreis des Vorstandes und wird von der Genossenschaft in diesem Falle bezahlt.

Schriftleiter Martin Wörgötter
Eine Kitzbüheler Zeitung ist wieder erstanden, der Heimat zum Nutzen, den Lesern zur Freud, der Geschäftswelt zur Hilfe, den Fremden als Wegweiser. Als Herausgeber zeichnet eine Genossenschaft m .b. H.,  die Gemeinschaftsarbeit ohne Gewinnabsichten leistet. Die Berichterstattung erfasst nur Geschehnisse unseres Bezirkes, wie auch nur die im Bezirke ansässige Geschäftswelt die Möglichkeit hat zu inserieren. Es soll ein Blatt werden, das den Zweck verfolgt, die Leute und Unternehmen aller Bezirksorte einander näher zu bringen, und den ganzen Bezirk dem Fremdenverkehr stärker zu erschließen.
Überraschend war, dass in der „Kitzbüheler Anzeiger Gen. m.b.H.“ auch Männer zusammenfanden, die auf Grund ihrer weltanschaulichen und damit parteipolitischen Festlegung früher nie auf den Gedanken gekommen wären, gemeinsame Sache zu machen.
Die Proponenten hatten aus den jeweils persönlichen bitteren Erfahrungen und denen der Zeitungsherausgeber Martin Ritzer und Kuny Beimpold gelernt.  
Wenn Sie einen Wunsch haben, den wir in unserem Blatt berücksichtigen können, bitte, sagen Sie ihn uns, wir werden das Mögliche tun, um sie zufrieden zu stellen. Was wir nicht können ist, dass wir uns an der Politik der Parteien beteiligen.

Gesellschafter überwiegend aus Kitzbühel
Die Insertionspflicht der maximal 32 Genossenschaftsmitglieder sicherte einen Grundstock an Dauerinserenten und veranlasste die örtliche Konkurrenz zu Inseraten. Die Mitgliederliste vom 14. Oktober 1950  umfasste 16 Namen aus Kitzbühel, vier aus St. Johann und je einen aus Kirchberg und Reith. Acht Firmen hatten zwei Anteile, zwei nur einen halben Anteil. Interessenten aus anderen Bezirksorten konnten nicht gewonnen werden. Obmann wurde Karl Planer, sein Stellvertreter Max Werner.

Nach zwei Jahren zufrieden
Am 16. Mai 1952 wurde bei der Hauptversammlung eine Rückschau geboten:
Die erste Nummer wurde mit dem Datum 15. Juli 1950 gedruckt und in einer Probeauflagenzahl von 2000 Stück durch Post und Verschleißstellen in allen Bezirksorten verteilt. Der Erfolg war recht gering. 60 bis 90 Prozent der Zeitungen wurden mit dem Vermerk „Nicht angenommen“ zurückgesandt. Die Verschleißstellen verkauften ebenfalls nur wenige Exemplare.
Die Auflagenzahl wurde trotzdem beibehalten und systematisch jeder Ort des Bezirks bearbeitet. Es wurden auch Flugzettel gedruckt und verteilt. Die beste Werbung war jedoch die Zeitung selbst und allmählich festigte sich die Abonnentenzahl und die Verschleißstellen verkauften die gelieferten Exemplare bis auf zehn bis fünf Prozent.
Anfang des Jahres 1951 wurde die Auflagenzahl auf 2100 erhöht, im Herbst auf 2200 und im Februar 1952 auf 2300.
Im Herbst 1950 fand in Kitzbühel eine gut besuchte Landwirtschaftsausstellung statt. Die Werbeaktion (5000 Exemplare) war durch Inserate vollauf gedeckt. Kein Bauer verließ die Stadt, ohne dass ihm der Anzeiger in die Hand gedrückt wurde.

Heimatforscher und Bergsteigerlegende
Recht vorteilhaft wirkten sich die Berichte der Heimatforscher Dr. Mathias Mayer, Pfarrer in Going, und Dr. Eduard Widmoser in St. Johann i.T. aus. Die Beiträge der Gesellschafter, des Bürgermeisters Dr. Camillo von Buschman, von Pfarrer Joseph Schmid, Hotelier Dr. Ekkehard Kofler, Kurdirektor Baron Carl Menshengen, der Bergbahn Kitzbühel AG, von Bergsteigerlegende Much Wieser und von gelegentlichen Mitarbeitern aus dem Bezirk, belebten das Blatt.
Die geforderte  leidenschaftslose Berichterstattung sage den Lesern am besten zu.
Es kann gesagt werden, dass der Anzeiger, wenn die Postboten ihn am Samstag zustellen, zu einem Teil des Tagesgesprächs im ganzen Bezirk wird. Schon monatelang erfolgte keine Abbestellung mehr, im Gegenteil, jede Woche kommen zwei, drei Bezieher aus eigenem Antrieb dazu; niemand will die Zeitung missen.

Besonders bedankt wurden die Mitgesellschafter Rudolf Grobstimm und Leo Heininger, die einige rasch aufeinander folgende Papierpreiserhöhungen abfingen.
Die Abonnentenzahl belief sich 1952 auf 2184,  der Vorstand nahm eine wöchentliche Leserzahl von ca. 10000 Personen an.
In schriftlicher Wahl wurden Karl Planer (bisher Vorsitzender) als Obmann, Max Werner als Obmannstellvertreter und Dkfm. Fritz Tscholl als Vorstandsmitglied bestellt. In offener Wahl wurden in den Aufsichtsrat gewählt: Peter Sieberer als Obmann, Toni Praxmair als Obmannstellvertreter, August Höbart (Ersatz Rudolf Fischer, der einzige Nicht-Kitzbüheler), als Mitglied. Zu Rechnungsprüfern wurden bestellt: Josef Schwarz, Willi Kruetschnigg (Ersatz Jakob Lackner).
Zwei Jahre nach dem Start stellte Peter Sieberer fest: Die Zeitung ist zu einem Faktor im wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und auch wirtschaftspolitischen Leben des Bezirks geworden. Obmann Planer meinte, dass Druckerei und Geschäftsführer (zugleich Schriftleiter) sich ordentlich bemühten und sprach diesen die Anerkennung aus.

Überlegungen nach Reingewinn
Mitte Juni 1953 hatte die Vollversammlung erstmals über die Verwendung eines Reingewinnes zu befinden. Man entschied sich einhellig für die Aufstockung der Rücklagen.
Der Start war gelungen, die einsetzende wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung konnte vom Kitzbüheler Anzeiger in der Folge voll genutzt werden.

Bilder: Vorstand Karl Planer, Aufsichtsratsvorsitzender Peter Sieberer und Aufsichtsrat August Höbart (v.l.) waren Gründungsfunktionäre. Foto: Stadtarchiv Kitzbüel

Nur kurz war das Büro im Haus Karl Planer. Foto: Archiv Anzeiger

Martin Wörgötter organisierte große Feiern für den Kitzbüheler Künstler Franz Christoph Erler (1830-1911).

 
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