21.03.2020
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Manfred Dag im Interview: „AMS mit Fokus auf der Existenzsicherung“

AMS-Leiter Manfred Dag hat derzeit naturgemäß sehr viel zu tun. Am Freitag erzählte er uns im Interview, wie der „Fahrplan“ füra die kommende Zeit ist.  

Wie haben sich die Kurzarbeitsanfragen bis jetzt entwickelt?
In der Anfangsphase war es einmal alles, was mit Reisen zu tun hat: Tourismusbranche, Veranstaltungsmanagement, vereinzelt Produktionsbetriebe, die wegen Corona schon Lieferschwierigkeiten hatten – das kann sich jetzt auch dramatisch verändern.

Wie schaut es mit dem Saisonende aus?
Die Betriebe müssen ja jetzt schließen. Das hängt auch ein wenig davon ab, ob die Kündigungen einvernehmlich sind – die Kündigungsfrist ist jedenfalls einzuhalten. Wir können davon ausgehen, dass es ab nächster Woche turbulent zugeht. In kurzen Abständen langen per Fax die Frühwarnmeldungen ein, wo die großen Häuser Leute zur Kündigung anmelden. Ein Teil wäre ohnehin jetzt eingelangt – es ist positiv, dass für viele die Saison jetzt nicht um sehr viel kürzer ist. Aber natürlich werden jetzt auch die Jahresbetriebe oder Betriebe, die im Frühjahr durchgehend geöffnet hätten und erst im Novemer schließen würden, nach der Reihe kommen.

Gibt es Prognosen, wie sich die Arbeitslosenzahlen erhöhen werden?
Im Tourismus haben wir im Bezirk im Winter rund 5.000 bis 5.500 Beschäftigte. Auch die Gastronomie wird mit Einbußen zu rechnen haben.Letztes Jahr waren es ungefähr 2.400 bis 2.500 Arbeitslose zum Saisonschluss, wobei das ein sehr gutes Jahr war – die wären ohnehin jetzt gekommen. Normalerweise verteilt sich das auf mehrere Wochen. Man kann jetzt davon ausgehen, dass es heuer mindestens 1.000 bis 1.500 Arbeitslose mehr sein werden – wobei man nicht weiß, was jetzt noch dazukommt.

Gibt es beim AMS ein Prozedere für extreme Situationen wie diese?
Wir haben natürlich Notfallpläne und sind gerade dabei für nächste Woche zu planen.  Es werden jedenfalls deutlich mehr Arbeitslose kommen, als üblicherweise und das in einem kürzeren Zeitraum. Das überfordert uns natürlich ein wenig.
Unsere Priorität ist, dass wirklich alles online erledigt wird. Das nehmen die Betriebe auch sehr ernst. Ähnlich wie bei Finanzonline gibt es ein eAMS-Konto: Alles was man bei uns vor Ort machen kann, kann man übers Internet genauso machen. Vor der Krise hatten immerhin schon 40 Prozent der Kunden ein eAMS-Konto. Das heißt es wurde auch bisher schon sehr gut angenommen. Jetzt ist der Wunsch von uns, alles was geht, online zu nutzen um möglichst viele Vorsprachen zu vermeiden. Wir werden Vorkehrungen treffen und an den starken Tagen die Zugänge limitieren und das so steuern, dass man untereinander wenig in Berührung kommt.
Existenzsicherung hat Vorrang vor allem anderen. Wir versuchen, unsere Ressourcen auf das komplett zu fokussieren. Viele Betriebe werden die Beschäftigungsverhältnisse einvernehmlich lösen wollen, das heißt nächste Woche werden sehr viele relativ schnell kommen.  

Wie sieht es mit den AMS-Schulungsmaßnahen aus?
Die Schulungsmaßnahmen sind ähnlich wie im Schulbetrieb voraussichtlich bis 14. April ausgesetzt. Zumindest der Gruppenunterricht, gewisse Dinge werden online gemacht. Was uns in Kitzbühel zugute kommt: Wir haben derzeit wenig laufende Kurse.  Wir schauen, dass wir alle Termine, die bisher vereinbart waren, verschoben werden. Wir fokussieren uns komplett auf die jetzige Situation und die Existenzsicherung. Unsere Servicehotline ist erreichbar und das eAMS besteht auch. Unabhängig von der Krise ist eAMS ohnehin schneller als Anträge in Papierform.

Merkt man die Verunsicherung bei den Klienten?
Man merkt es schon seit letzter Woche, dass sich die Menschen denken „Halt, da ist jetzt doch etwas“. Man muss bedenken, dass die Maßnahmen jetzt dazu dienen, das Gesundheitssystem zu erhalten. Aber natürlich haben sie zur Folge, dass sie sich auf Wirtschaft und Beschäftigte auswirken. Die Lage wird sich wieder normalisieren, aber wann das ist, kann man noch nicht sagen. Wenn aufgrund der Coronasituation Kündigungen erforderlich sind, akzeptieren wir auch aus Branchen außerhalb von Bau und Tourismus, wenn Menschen eine schriftliche fixe Wiedereinstellungszusage erhalten, bis zu drei Monate. Alles Arbeitsrechtliche muss natürlich eingehalten sein. Oberste Priorität hat, die Situation zu bewältigen.

Vermerkt - Möglichst viel online
Von Mitte März bis nach Ostern erfolgten im Vorjahr ca. 2.300 Arbeitslosmeldungen. Heuer rechnet das AMS naturgemäß mit deutlich mehr Arbeitslosmeldungen. Die Empfehlung an alle lautet daher, sich über das eAMS-Konto arbeitslos zu melden. Wer bereits ein eAMS-Konto hat, kann sich unter den „eServices“ arbeitslos melden (unter „Beim AMS an- und abmelden“). Einstieg ins eAMS Konto: https://www.e-ams.at/eams-sfa-account Elisabeth Galehr

Der Kitzbüheler Anzeiger erreichte Manfred Dag am Freitag für ein Interview. Foto: Galehr

 
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