10.04.2018
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„Man ist auf sich allein gestellt“

Die zwei Höhenbergsteiger Leo Hofer und Rüdiger Gerhardt machten sich 2016 auf nach China, um den Muztagh Ata zu besteigen. Leo Hofer erreichte den Gipfel und wurde zum Lebensretter.

Oberndorf | Zu ihrem 50sten Geburtstag wollten sich Leo Hofer und Rüdiger Gerhardt einen Traum erfüllen – mit Tourenski auf den Vater der Eisberge, den Muztagh Ata (7.546 Meter), im Westen von China.

-> Trailer zum Film!

Ein Jahr lang bereiteten sich die beiden Freunde akribisch auf die Tourenskiexpedition vor. Sie sprachen mit erfahrenen Bergfexen, lernten, wie man Zelte aufstellt, Essen kocht und übernachteten in den Bergen. „In Summe haben wir circa 130.000 Höhenmeter als Training absolviert“, erzählt Hofer.

120 Kilogramm Gepäck

Am 1. Juli 2016 war es dann soweit, mit einer internationalen Gruppe brachen sie für einen Monat nach West China auf. Im Gepäck rund 120 Kilogramm an Ausrüstung. „Weil beim österreichischen Reiseveranstalter keine Gruppe zustande kam, mussten wir mit einem russischen Bergführer vorlieb nehmen, der uns beratend zur Seite stand, zum Gipfel kam er aber nicht mit, da war jeder auf sich selbst gestellt“, erzählt der Oberndorfer.

Rüdiger wird krank

Nach ersten Touren zur Akklimatisierung ereilte die Tiroler der erste Rückschlag. Rüdiger Gerhardt geht es immer schlechter und er muss aufgrund eines Lungeödems am 12. Tag die Heimreise antreten. „Das war schon ein kleiner Schock, denn wir waren ein eingespieltes Team“, schildert Hofer. Aufgeben wollte der Oberndorfer jedoch auch nicht. So schloss er sich mit zwei Salzburgern zusammen und fokussierte sich weiter auf das Ziel, den Gipfel auf 7.546 Metern ohne Sherpas und ohne künstlichen Sauerstoff zu erreichen.

Ein stetiges Auf und Ab zwischen den Basecamps, um den Körper an die Höhe zu gewönnen, gehörten zu seinem Alltag. Fehler können tödlich enden. „Ab 7.000 Metern beginnt die Todeszone, bei 5.000 Metern ist nur noch die Hälfte des Sauerstoffes vorhanden. Im Extremfall bekommt man ein Lungen- oder Hirnödem, wobei zahlreiche Fälle tödlich enden“, erklärt Hofer.

Zwei Spaniern das Leben gerettet

Fast tödlich endete die Expedition auch für zwei Spanier. Hofer war zusammen mit seinen zwei Begleitern aus Salzburg auf dem Weg ins Basecamp, als sie auf die beiden Bergsteiger trafen. „Einer war aufgrund der Höhenkrankheit erblindet, der andere befand sich im Delirium und war nicht mehr ansprechbar“, erinnert sich Hofer. Er seilte den verwirrten Spanier an und schleppte ihn sechs Stunden lang ins Basecamp. Die Salzburger kümmerten sich um seinen erblindeten Freund. Beide überlebten dank der Hilfe der Österreicher.

Die Tour nicht überlebt hat ein Slowene, er stürzte tags darauf in eine Gletscherspalte und wurde bisher nicht gefunden. Seine Bergfreunde markierten die ungefähre Absturzstelle mit einem Skistock. „Solche Vorfälle muss man als Bergsteiger ausblenden können“, erklärt Hofer.

Zweifel am Gipfelsieg

Ob er selbst den Gipfel noch erreichen würde, darüber war er sich am Ende aber auch nicht mehr sicher, denn seine zwei Bergfreunde aus Salzburg mussten ebenfalls umkehren. „Ich hab mir gesagt, wenn alles passt, dann versuche ich es.“ Und es hat alles gepasst. Am 20. Juli wacht Hofer morgens im Basecamp zwei bei strahlendem Sonnenschein und Minus 30 Grad auf. Er entschließt sich, in Richtung Gipfel aufzubrechen. Alleine. „Ich habe mir zuerst das Ziel gesetzt auf 7.000 Meter zu kommen.“ Dann zieht er es aber durch und besteigt in zehn Stunden den 7.546 Meter Gipfel. Er überwindet über 1.300 Höhenmeter bei rund 30 Zentimeter Neuschnee. „Die Glücksgefühle am Gipfel waren überwältigend“, beschreibt Hofer. Kurz vor Anbruch der Dunkelheit schafft er es dank der Ski wieder ins Basecamp.

Die Erlebnisse am Muztagh Ata haben die Faszination der Berge für ihn noch verstärkt. „Es gibt nichts Schöneres.“  Hofer träumt davon, nun einen 8.000er zu besteigen. „Schön wäre es, wenn Rüdiger dann auch dabei sein könnte.“
Johanna Monitzer, Foto: Leo Hofer

Angesagt
Film-Doku „Muztagh Ata“
Oberndorf |  Am Donnerstag, 12. April, laden Gerhardt Rüdiger und Leo Hofer zur Filmvorführung ihrer Dokumentation „Muztagh Ata“ in den Gasthof Neuwirt nach Oberndorf ein. Der Eintritt ist frei.

 
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