13.04.2019
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Mahnmale unserer Wegwerfkultur

Sie polarisieren jetzt schon, die Kunstwerke, welche aus dem Müll der ehemaligen „Auwirtslacke“ entstanden sind. Der Skulpturenweg wird im Rahmen der ersten Kunst-, Kultur- und Umwelttage eröffnet.

Kössen | „Was soll das sein?“,  „beeindruckend“ oder „hässlich“ – die Skulpturen, welche in Kössen schon aufgestellt worden sind, polarisieren. 19 Künstler aus fünf Nationen kreierten aus dem Müll der ehemaligen Deponie „Auwirtslacke“ neue Objekte. „Man könnte sagen, es sind Mahnmale unserer Wegwerfkultur“, veranschaulicht Kulturreferent GR Emanuel Daxer. Die Reaktionen darauf sind sehr unterschiedlich, bestätigt Daxer: „Wenn man den Ursprung und den Hintergrund kennt, sind die meisten aber dann positiv gestimmt.“

77.690 t Müll lagen in der „Auwirtslacke“

Der Ursprung der Kunstaktion „Transformationen“ liegt im Jahr 2014. Aufgrund des Jahrhundert-
hochwassers von 2013 und den daraufhin notwendigen Maßnahmen, musste die ehemalige Mülldeponie „Auwirtslacke“ geräumt werden. Aus der Deponie, die von 1920 bis 1985 mit Haus- und Sperrmüll befüllt wurde, wurden insgesamt 77.690 Tonnen Müll geholt. Darunter sogar ein Postauto und ein Teil der alten Friedhofsmauer. „Man konnte in der Deponie sozusagen die Entwicklung von Kössen sehen“, schmunzelt der technische Entsorgungs-Leiter Martin Steiner (TBU).

19 Künstler und der Müll

Die Räumungsaktion rief ein Künstler-Kollektiv unter der Leitung von Leo de Romedis und Hartmuth Brinkmann (Kulturschmiede Kössen) auf den Plan. „Die Künstler durften sich beim Müll bedienen. Mit dem Hintergedanken, ein Werk zu schaffen, damit die Leute über das Wegwerfen nachdenken“, erklärt Brinkmann. So verarbeitete Leo de Romedis etwa Boiler und Heizungsöfen zu einer Skulptur, die mittlerweile am M-Preis Areal aufgestellt wurde. „Das Spannende ist ja, wie wirken die Kunstwerke auf die Bürger?“, so Romedis.

Die lange Suche nach Standorten

Spannend und vor allem langwierig war auch die Suche nach Standorten für die Skulpturen, denn der Ur-Gedanke, dass die Kunstwerke im Bereich der „Auwirtslacke“ aufgestellt werden, musste schnell wieder verworfen werden. „Das war aus Hochwasserschutz-Gründen nicht möglich. Auch die Retensionsflächen oder die Dammkronen wurden behördlich abgelehnt. Jetzt stehen sie auf privaten und Grundstücken der Großachengenossenschaft“, erklärt Daxer.  

Die „Transformationen“-Skulpturen werden für die Dauer von fünf Jahren aufgestellt sein. „Danach werden wir uns beraten, wie es weitergeht. Das hängt auch von der Resonanz der Bevölkerung ab“, so Daxer. Bürgermeister Reinhold Flörl ergänzt: „Wir wollen aus der Vergangenheit lernen – das ist ein wichtiger Aspekt in diesem Projekt und  Kunst liegt immer im Auge des Betrachters.“

Kössen hat übrigens eine Vorreiterrolle eingenommen: Sie war die erste Ortschaft, wo so eine große Deponie entsorgt wurde und für Gesprächsstoff sorgt nun auch der „Nachlass“ der Deponie. Johanna Monitzer

Bild: Heiß begehrtes Kunstwerk: Der „VW Käfer“ von Bernd Richter wurde in München ausgestellt. „Das Projekt hat Kreise gezogen“, veranschaulicht Hartmuth Brinkmann.

Bild: Martin Steiner, Hartmuth Brinkmann, Leo de Romedis, Josef Huber, Bgm. Reinhold Flörl, Kulturreferent Emanuel Daxer und GR Erwin Schweinester (v.li.) stellten das Projekt „Transformationen“ in einer Pressekonferenz vor. Foto: Monitzer

Angesagt
Kunst-, Kultur- & Umwelttage
Kössen | Das Kunstprojekt „Transformationen“ wird im Rahmen der ersten Kunst-, Kultur- und Umwelttage von 26. bis 27. April offiziell eröffnet.
Freitag, 26. April: 9.30 bis 12.30 Uhr: Fachseminar für Gemeindemandatare.
14 Uhr: Eröffnung der Umwelt-Ausstellung im VZK
15 Uhr: Eröffnung des Skulpturenweges an der Staffenbrücke mit Begehung.
18 Uhr: Erstausstrahlung des Doku-Films „Transformationen+“ im VZK.
19 Uhr: Podiumsdiskussion „Wie viel Mensch hält die Erde noch aus?“ mit anschließender Fragerunde.
Samstag, 27. April: 9 bis 12 Uhr: Umwelt-Ausstellung im VZK mit Filmvorführung „Transformationen+“ um 10 Uhr.

 
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