09.03.2020
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Lebensmittel sind kein„Ramsch“

Vergangene Woche rief der Bauernbund zum Aktionstag. Vor der Handelskette Spar in Wörgl versammelten sich die Bauern, um einen höheren Milchpreis für die Erzeuger zu fordern. In den letzten fünf Jahren erfolgte kein Inflationsausgleich.

Wörgl, Bezirk | Mehr Geld für ihr Produkt fordern die Bauern. Seit fünf Jahren ist der Einstandspreis unverändert, es gab keinen Inflationsausgleich, obwohl sich die Kosten für die Produzenten erhöhten. Diese Fehlentwicklung zeigte der Bauernbund vergangene Woche mit dem Aktionstag auf. Die Demo fand vor der Spar Zentrale in Wörgl statt, einem der drei größten Lebensmittelhändler in Österreich. Gemeinsam mit Rewe und Hofer werden knapp 84 Prozent des Marktes beherrscht. „Während sich die beiden anderen Ketten bereits für eine höhere Zahlung bereit erklärten, zögert Spar noch und damit drohen nun auch die anderen beiden wieder abzuspringen“, erzählt LAbg. Josef Edenhauser, der auch Bezirksbauernbundobmann ist. Er betont aber auch, dass das Verhältnis zur Handelskette Spar generell ein gutes sei. Grundsätzlich wünscht sich der Landtagsabgeordnete eine größere Wertschätzung für die heimische Landwirtschaft.

Gegen Schleuderpreise bei Lebensmitteln
Der Bauernbund präsentierte bei seinem Aktionstag drei seiner Forderungen und tritt für den Stopp der „chronischen Aktionitis“ bei hochwertigen Lebensmitteln ein. „Rabattschlachten bei Lebensmitteln gehen auf Kosten unserer Bauernfamilien. Es gibt keinen Rabatt auf Umwelt-, Klima- und Tierschutz“, findet Edenhauser klare Worte.
Gefordert wird auch mehr Wertschätzung für Österreichs Vorreiterrolle beim Umwelt- und Tierschutz durch eine faire Preisgestaltung. Österreichs Bauern sind die ersten Betroffenen und gleichzeitig Teil der Lösung zur Bekämpfung des Klimawandels. Österreichische Standards zu Weltmarktpreisen sind nicht möglich. Ein Österreich-Bonus für in Österreich produzierte Lebensmittel wird gefordert.

Klare Kennzeichnung der Lebensmittel
Als Drittes fordern die Bauernvertreter ein Aus für das unsägliche Spielchen mit dem rot-weiß-roten Fähnchen auf den Lebensmitteln aus dem Ausland. „Wir brauchen eine praxistaugliche Umsetzung der Primärzutatendurchführungsverordnung in Österreich. Es darf nur Österreich draufstehen, wo Österreich drinnen ist – alles andere ist Konsumententäuschung“, bringt Edenhauser die Forderung auf den Punkt.

Entscheidung liegt beim Konsumenten
Am Ende liegt die Entscheidung aber immer beim Komsumenten, ob er zu Billigprodukten aus dem Ausland oder zu den hochwertigen heimischen Produkten greift. Ein Import von Fleisch oder Äpfeln wäre laut Josef Edenhauser nicht notwendig. „Wir produzieren in Österreich ausreichend davon und könnten die Versorgung sicherstellen“, ist Edenhauser überzeugt und rügt auch die heimische Gastronomie: „90 Prozent des Kalbfleisches wird in der Gastronomie verbraucht. Das heimische Kalbfleisch ist im Kilopreis zwar um einen Euro teurer, jedoch könnte man mit dem Griff zum heimischen Fleisch den Import- und Export von Tieren stark reduzieren.“ Eines ist jedoch auch klar: Es braucht noch eine bessere Vermarktungs- und Informationsstrategie für das heimische Kalbfleisch. Edenhauser spricht in diesem Zusammenhang auch die Co2-Bilanz der Transporte an, die mit dem Kauf von heimischen Produkten deutlich verbessert werden könnte. Eines ist für Edenhauser aber auch klar: „Der Tourismus verkauft unsere wunderbare Landschaft, die von den Bauern gepflegt wird. Es sollen daher auch die Tourismusbetriebe zu österreichischen Produkten greifen. Es braucht ein Bekenntnis des Tourismus zu den heimischen Produkten.“ Die Gastronomie muss das Produkt und den Mehrwert erklären, dann sind die Endverbraucher auch bereit, einen höheren Preis zu bezahlen. Als positives Beispiel führt Edenhauser „Bewusst Tirol“ an, das erfolgreich die Produkte der heimischen Bauern vermarktet. Elisabeth M. Pöll

700 Bauern versammelten sich beim Aktionstag vor der Spar-Zentrale in Wörgl. Foto: Roland Mühlanger

 
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