21.07.2017
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Läuft Kitzbühel bald heiß?

Kitzbühel | War die Juni-Hitzewelle auf den Klimawandel zurückzuführen? Was sind die Auswirkungen des Klimawandels für Tirol? Manfred Bauer, Leiter der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, gibt Antworten.

Herr Bauer, wie ungewöhnlich war die Juni-Hitzewelle?
Der Juni 2017 war der zweitwärmste in der 251-jährigen österreichischen Messgeschichte. In Nordtirol war es meist um 3,4 bis 3,8 Grad zu warm. Nur im Extremsommer 2003 war es noch etwas wärmer.
Ist weiter mit einem außergewöhnlich heißen Sommer zu rechnen?
Saisonale Prognosen sind in unseren Breitengraden mit Vorsicht zu genießen. Laut den aktuellen Berechnungen der ZAMG ist die Wahrscheinlichkeit aber hoch, dass sowohl Juli als auch August wärmer als normal ausfallen werden. Wenn man bedenkt, dass inzwischen zehn (!) von zwölf Monaten des Jahres wärmer sind, als im langjährigen Durchschnitt, riskiert man keine dicke Lippe, wenn man einen weiterhin sehr warmen Sommer voraussagt.
Hat das etwas mit dem Klimawandel zu tun?
Der Trend zu immer heißeren Sommern ist ganz klar dem Klimawandel zuzusprechen. Im Inn-
tal beispielsweise hatten wir im Klimamittel 1961 bis 1990 sechs Tage mit über 30 Grad – sogenannte „heiße Tage“. Im Mittel von 1981 bis 2010 waren es schon knapp elf. Und heuer hatten wir diese 11 Tage schon Ende Juni erreicht und es kommen wohl noch einige dazu. Je nach Klimaszenario – das stark von unserer weiteren Lebensweise abhängt – wird die Zahl der heißen Tage pro Jahr im Laufe dieses Jahrhunderts auf 19 bis 27 ansteigen. Das entspricht unseren derzeitigen Extremsommern. Das, was wir heute also als ungewöhnliche Hitzewelle empfinden, wird dann normal sein. Und das ist nur der Mittelwert. Es wird dann wohl auch Jahre geben, wo wir nur noch wenige Sommertage unter 30 Grad haben werden. Die Klimazonen verschieben sich also nach Norden.
Wie hoch ist der Anstieg der Durchschnittstemperaturen speziell in Tirol?
Seit Beginn der Industrialisierung ist die Durchschnitts-Temperatur in Tirol um ca. 1,8 °C gestiegen, hauptsächlich seit etwa 1980. Dieser Erwärmungstrend wird sich fortsetzen. Nach dem derzeit als wahrscheinlichsten angesehenen Szenario – Schwenk zu erneuerbaren Energien etc., aber nicht radikal – sind im Alpenraum bis Mitte des Jahrhunderts im Vergleich zum Zeitraum zwischen 1981 bis 2010 weitere 1,5 bis 2 Grad Erwärmung zu erwarten.
Welche sichtbaren/messbaren Auswirkungen hat das konkret für die Tiroler Alpen?
Die Auswirkungen sind sehr vielfältig. Negative Folgen sind beispielsweise:
- Zusätzliche Naturgefahren, z.B. Auftauen von Permafrostgebieten
- mehr Hochwasserereignisse (Regen, wo früher Schnee)
- Zunehmende Probleme in Landwirtschaft durch Erosion und Schädlinge
- Negative Effekte für Wintertourismus
- Zunehmender Hitzestress im Sommer
- Veränderter Wasserhaushalt: weniger Abfluss im Sommer, mehr im Winter
Alteingesessene erzählen von einer grundlegenden Veränderung bei lokalen Wetterereignissen, wie z.B.  Änderung der Haupt-, Wetter- und Windrichtungen, Sturmereignisse, die früher so nicht vorkamen, Wolken, die „anders“ sind etc. Können Sie das bestätigen oder ergänzen?
Ja und nein. Lokale Ereignisse und deren Veränderungen sind teilweise nur unzureichend dokumentiert, erfasst und erforscht. Veränderung bezüglich der auftretenden großräumigen Wetterlagen wurden hingegen ausführlich untersucht. Am auffälligsten ist eine Ausdehnung des subtropischen Hochdruckgürtels Richtung Norden und somit ein Trend zu mehr Hochdrucklagen in Tirol. Ereignisse, wie Sturm und schwere Gewitter wurden und werden zwar wahrscheinlich nicht häufiger, aber intensiver. Das hängt mit der verfügbaren Energie in der Atmosphäre zusammen, die mit höheren Temperaturen steigt. Bei einem weiteren Temperaturanstieg ist davon auszugehen, dass wir immer öfter mit Wettersituationen konfrontiert sind, die wir bisher kaum kannten.
Weitere Erkenntnisse zum Klimawandel bietet die ZAMG unter www.zamg.ac.at.
Klaus Heinz Dörre - Foto: ZAMG

 
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