26.03.2018
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Kritik an den Sozialen Diensten

Freiwilligenkoordinatorin Gertraud Rief übt Kritik an  den Tiroler Sozialen Diensten: „Hätte es uns nicht gegeben, es hätte sich niemand gekümmert.“

Kitzbühel | Zwar wurde schon länger darüber diskutiert, ob die Asylunterkunft im Seehof geschlossen werden soll, über das definitive Ende habe die Freiwilligeninitiative aber aus der Zeitung erfahren, sagt Gertraud Rief. Die ehemalige Stadträtin war federführend im Aufbau und bei der Organisation der Freiwilligeninitiative. An der Tiroler Sozialen Dienste GmbH (TSD), die vom Land Tirol für die Asylunterbringung und Integrationsmaßnahmen gegründet wurde, lässt Rief kein gutes Haar.  „Hätte es uns nicht gegeben, hätte sich niemand um die Asylwerber gekümmert“, sagt sie.

Eine Welle der Hilfsbereitschaft

Bereits im Herbst 2014 formierten sich unter der Federführung von Rief rund 50 Kitzbüheler. So war man in Kitzbühel auf den Einzug der Asylwerber vorbereitet, wie wohl kaum anderswo. Eine Welle der Hilfsbereitschaft schwappte durch die Gamsstadt. „Wir mussten keinerlei Bittgänge machen. Wir wurden angerufen, ob wir was brauchen“, erzählt Rief. Gewerbetreibende, Lehrer, Ärzte, Vereine  – Menschen aus allen erdenklichen Schichten engagierten sich oder spendeten. Veranstaltungen, Sprachkurse und Informationsabende zu diversen Themen wurden organisiert. „Zusammen haben wir die Integration vorangetrieben. Ein großes Lob gilt hier Bürgermeister Klaus Winkler und der Stadtgemeinde, die sehr viel geleistet haben“, veranschaulicht Rief. Durch das Netzwerk der Ehrenamtlichen wurde vieles möglich gemacht. Angefangen vom kurzfristigen Schulbesuch, über aus Spendengeldern bezahlte BFI-Kursen, bis hin zu 3-Euro-Arbeitsplätzen.

„Kompetenzen wurden einfach verschwendet“

Das Engagement der Kitzbüheler stieß aber nicht immer auf Gefallen. „Es ging uns nie um Wertschätzung, aber hier wurden kostenlose Kompetenzen einfach verschwendet “, berichtet Rief. Sie kritisiert die Gleichgültigkeit im Umgang mit den Asylwerbern sowie den sorglosen Umgang mit öffentlichen Mitteln: „Es wurde Geld ausgegeben, wo keine Notwendigkeit dazu bestand.“

Angesprochen auf die Erzählungen der Freiwilligeninitiative erklärt Georg Mackner, Pressesprecher der TSD, dass es auch für sie nicht immer leicht war, einen diplomatischen Weg zu finden. Er räumt diverse Anlaufschwierigkeiten ein. „Wir waren aber stets gesprächsbereit, haben uns bemüht, die Forderungen von Frau Rief zu erfüllen – soweit es im Kontext unseres budgetären Rahmens und Möglichkeitsbereich eben machbar war“, erklärt Mackner. Die TSD betreuten in Spitzenzeiten über 100 Immobilien. „Die Strukturen mussten sehr schnell wachsen, das war eine Herausforderung für alle Beteiligten. Wir waren über das Engagement und das aktive Netzwerk der Freiwilligen in Kitzbühel sehr froh. Es gilt allen ein großer Dank“, betont Mackner.

War das Haus baufällig?

In die Kritik bringt Gertraud Rief auch die Anmietung des Seehofes. „Das Haus an sich, mit seinen geschlossenen Einheiten und der Lage, eignet sich ideal, aber die baulichen Mängel wurden von der Vermieterin nie behoben. Eigentlich war es allein  schon ein Skandal, dass das Haus in diesem Zustand angemietet wurde“, erklärt Rief.

Dagegen wehren sich die TSD. „Jeder kann sich noch an die Lage erinnern, wo wir um jede Unterkunft froh waren. Zum Anmietungszeitpunkt waren alle Erfordernisse erfüllt“, betont Mackner. Das Verhältnis zur Vermieterin sei aber nicht immer einfach gewesen. „War haben in den Seehof auch einiges an Geld investiert, um den Betrieb am Laufen zu halten“, erklärt der TSD-Pressesprecher. Es sei aber auch immer klar gewesen, dass wenn die Vermieterin die baulichen Mängel nicht behebt, irgendwann das Aus kommen muss.  

Die ehemalige Stadträtin bezeichnet die Auslagerung der Asylunterbringung an eine eigenständig GmbH als den „Ur-Fehler“. Ob sich die Freiwilligeninitiative trotzdem wieder in diesem Ausmaß engagieren würde? „Ja, auf jeden Fall“, sagt Rief. Bis Ende Mai werden die Asylwerber aus dem Seehof ausgezogen sein.
Johanna Monitzer

Bild: Gertraud Rief mit Heimleiter Edwin Veldt kurz nach dem Einzug der Asylwerber im Seehof. Die Kitzbüheler zeigten eine unglaubliche Hilfsbereitschaft. Foto: Archiv

 
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