08.11.2021
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Kitzbüheler Heimatblätter - Kein Bahnanschluss für Kössen

Die Salzburg-Tiroler Bahn (der ursprünglich vorgesehene Name Gisela-Bahn  wurde nie offiziell) fährt seit 1875 durch den Bezirk.
Von weiteren Projekten um 1900 liegen Aktenbündel in den Archiven der Gemeinden Kufstein und Kössen, weil einige Gesetzesentwürfe vom Eisenbahnministerium abgelehnt wurden. Die wichtigsten Vorhaben waren Eisenbahnverbindungen für Kössen und von St. Johann i. T. über Lofer – Bad Reichenhall nach Salzburg.

Die Eisenbahn wurde ein Wirtschaftsmotor des 19. Jahrhunderts. Die erste Bahnstrecke in Österreich von Floridsdorf nach Deutsch Wagram (1837) war 13,1 km lang. Die innerösterreichische Ost- Westverbindung (Bruck an der Mur – Salzburg)  wurde 1842  gestartet. Tirol wurde erst 1847 in das Verzeichnis der vom Staat zu errichtenden Bahnstrecken aufgenommen.

Probleme wegen bayrischer Strecke
Eine Bahnlinie von Innsbruck bis Rosenheim erschien Fachleuten unnötig, weil man den Inn aufstauen und besser schiffbar machen könnte. Ein Vertrag für die Bahnlinie München  - Salzburg – Wien wurde 1849 ausgehandelt. Die Abzweigung Rosenheim – Kufstein sollte aber so lange zurückgestellt werden, bis Österreich den Bau der Tiroler Bahn Kufstein – Innsbruck begann.

Drei Jahre später sah ein Staatsvertrag zwischen Bayern und Österreich den Ausbau der Linien München – Rosenheim – Grenze Kufstein bzw. Innsbruck – Grenze Kufstein vor. Mit dem Bau wurde 1853 in Innsbruck begonnen, bald danach auch auf der bayrischen Strecke. Ende 1858 gingen beide Linien in Betrieb. Mit der Bahn war man von Innsbruck bis München neun Stunden und zehn Minuten unterwegs. Die Stellwagenfahrt hatte zwei Tage erfordert. Nun kamen die Münchener Bergsteiger schnell nach Kufstein und eroberten den „Kaiser“ (Forcher).

Varianten über Gerlos oder Pass Turn
Während des Deutsch-Französischen Kriegs (1870/71) sperrte Bayern für einige Zeit die Durchfahrt in den Westen der Donaumonarchie. Um diese Unsicherheit auszuschließen, entschied man sich bei der Streckenführung  Salzburg - Innsbruck für die grenzferne Linie Salzachtal – Saalfelden - Pass Grießen - St. Johann i. T.,  führte sie auch nicht über das Söllland weiter, sondern über Kitzbühel und das Brixental nach Wörgl. Im Gespräch waren als Varianten Salzachtal  – Gerlospass – Jenbach und Salzachtal – Pass Thurn – Kitzbühel. Diese schied aus, weil man die Steilstrecke zwischen Pass Thurn und Mittersill fürchtete.

Schließlich ging es schnell: Im November 1872 erhielt  die Kaiserin Elisabeth Bahn die Konzession, schon im Sommer 1875 ging die Salzburg- Tiroler Bahn eingleisig in Betrieb (Mueller). Die Fahrt von Salzburg bis Innsbruck dauerte elf Stunden. Bei der Eröffnungsfahrt waren acht zahlende Passagiere. Wegen der geringen Auslastung wurde der Fahrplan bald ausgedünnt.

Lokalbahnprojekte ab 1895
Es gab einige weitere Bahnbaupläne, die von der Wirtschaft und einigen Gemeinden betrieben wurden.
Das Lokalbahnprojekt Kufstein – Kössen – Reit im Winkl wurde 1895 erstmals erörtert, es erhielt vom Handelsministerium eine Konzession für Vorarbeiten. Dann wurde auf Kufstein – Walchsee – Kössen eingeschränkt, von einer Kommission wärmstens empfohlen und vom Eisenbahnministerium als Schmalspurbahn genehmigt. Das Land stellte im Jahr 1903 sogar
300.000 Kronen in Aussicht. Das Projekt scheiterte schließlich, erstens an der Uneinigkeit der Interessenten, zweitens an den Kosten (Biasi).

Bahnbau Kufstein - Kössen. Eine Deputation, der kaiserliche Rat Dr. Kofler, unser Vizebürgermeister Dillersberger und viele Interessenten angehörten, sprachen kürzlich beim Eisenbahn- und Finanzminister vor, um die baldige Erledigung des Bahnprojektes Kufstein - Kössen zu erbitten. Das Projekt ist bereits unter Voraussetzung der erforderlichen Staatshilfe sichergestellt. Beide Minister sagten eine wohlwollende Behandlung zu (Zeitschrift für Bau- und Verkehrswesen, Technik und Gewerbe, Wien, 1905).

Das Vorhaben wurde über Jahre weiter betrieben, über die Lokalzeitungen in Kufstein und Kitzbühel erfolgte die Information an  die Bevölkerung.
Der Kitzbüheler Bote berichtete zu Jahresbeginn 1907 über die Tiroler Lokalbahnvorhaben. In die Gesetzesvorlage betreffend die Beteiligung des Staates an der Kapitalbeschaffung sind vier Tiroler Linien aufgenommen worden, die Linien Kufstein – Kössen und St. Johann – Kössen lagen für die Finanzierung spruchreif vor. Sie wurden aber bis zur nächsten Vorlage zurückgestellt. Hans Wirtenberger

Den gesamten Text und viele weitere Bilder findest du in der aktuellen Printausgabe (4. November, KW44-2021) des Kitzbüheler Anzeigers bzw. blätterbar als Online-Abo.

Grafik: Planung für die Bahnlinie Kössen (Ausschnitt). Grafik: Stadtarchiv Kufstein

 
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