29.11.2017
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„Keine Angst haben, aber Respekt“

Wer hat Angst vorm Krampus? Jetzt haben Krampusläufe wieder Saison. Wolfgang Mittermayr, Obmann und Gründungsmitglied der Seinihonsa Koasapass, spricht über das Brauchtum und  warum man vorm Krampus keine Angst haben muss, jedoch Respekt.

Worin liegt die Faszination, in ein Krampuskostüm zu schlüpfen?
Im Grunde ist es die Freude an der aufwendigen Verkleidung und der Kitzel, in eine andere Rolle zu schlüpfen. Wenn man zu Freunden oder Bekannten hingeht und die nicht wissen, wer unter dem Kostüm steckt, das ist der Reiz.

Auf welches Brauchtum gehen die Krampusläufe zurück?
Seinen Ursprung fand der Brauch Mitte des 17. Jahrhunderts in den Klosterschulen. Beim Einkehrbrauch ist der Nikolaus von Haus zu Haus gegangen, um die braven Kinder zu beschenken und irgendwann wollte man eine Art Gegenpart für die nicht so braven Kinder. Die Kirche hat dann das Böse in der Gestalt vom Teufel oder Krampus ins Leben gerufen. Mit Perchten, die in den Rauhnächten unterwegs sind, hat das jedoch nichts zu tun. Das ist ein anderer Brauch. Bei uns im Bezirk gibt es diese Perchtentradition aber nicht, bei uns gibt es den Krampus.

Oft wird kritisiert, dass die Läufe und Shows nichts mehr mit dem ursprünglichen Brauchtum zu tun haben…
Das ist leider in manchen Orten so. Viele Veranstaltungen haben auch keinen Nikolaus dabei. Ursache dafür sind sicher auch Fernsehen, Kino und Internet. Die Jugend steht auf Horrormasken und meint, je grauslicher umso besser kommen sie beim Publikum an. Die Frage ist auch – was ist traditionell? Da spalten sich die Geister. Für uns bei der Seinihonsa Koasapass ist ein Krampus klassisch schwarz-rot. Bei uns gibt es auch keine Monster oder so.

Muss man vorm Krampus Angst haben?
Nein, Angst sollte man keine haben, es steckt nur ein Mensch unter der Maske. Gesunden Respekt sollte man jedoch schon haben. Wir sind kein winkender Faschingsverein. Ein Krampus schlägt aber auch nicht wahllos zu, das Schlagen soll nur ein Zeichen sein. Wir wollen keine blauen Flecken oder mehr – das darf nicht sein. Ein Profiläufer lässt sich nicht provozieren und hat sich unter Kontrolle. Bei uns dürfen auch keine alkoholisierten Krampusse mitlaufen.  
Um den Kleinen die Angst zu nehmen, machen wir jedes Jahr kostenlos Kindergartenbesuche, damit sie sehen, dass da ganz normale Menschen unter der Maskierung stecken.

Wie bereitet ihr euch auf die Krampusläufe vor?
Wir sind als Verein das ganze Jahr über aktiv und auf diversen Festen vertreten sowie bei Sportevents dabei.
Die intensive Vorbereitungszeit auf die Läufe beginnt dann ab September. Wir besprechen die Choreographie und schauen, wie wir die Läufe attraktiv gestalten können – denn auch das Brauchtum entwickelt sich weiter.

Dürfen auch Mädels bei euch mitmachen?
Ja, natürlich! Mädchen verkleiden sich gemäß dem Brauchtum jedoch nicht als Krampusse. Sie sind Helfer oder laufen als Hexen mit.

Vielerorts, wie z.B. in Kitzbühel, gibt es keine Krampusläufe mehr – wie seht ihr diese Entwicklung?
Das ist sehr schade. Es liegt wahrscheinlich oft an der Finanzierung, denn die Auflagen von Seiten der Gemeinden sind sehr hoch. Zudem schrecken Medienberichte über Ausschreitungen bei den Läufen die Veranstalter ab.

Die Vereine müssen sich aber auch selbst an der Nase nehmen. Ausschreitungen z.B. unter Alkoholeinfluss dürfen nicht geduldet werden. Die Vereinsführungen sind hier gefordert. Viele machen es sich zu einfach. Krampusvereine werden wahllos gegründet und verschwinden dann nach kurzer Zeit wieder – so kann das Brauchtum nicht gepflegt werden.
Johanna Monitzer, Foto: Foto: Seinihonsa Koasapass

 
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