23.04.2022
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Keine Abkürzung nach Salzburg

Trotz jahrzehntelanger Bemühungen konnte eine „schnelle“ Bahnverbindung, die von St. Johann in Tirol über das Saalachtal und  über bayrisches Gebiet direkt nach Salzburg führen sollte, nicht verwirklicht werden. Ein vergessenes Kapitel der lokalen Eisenbahngeschichte.

Die Streckenführung der ersten Eisenbahnlinie Salzburg – Innsbruck war 1842 zwischen Bayern und Österreich vereinbart worden. Die Salzburg–Tiroler Bahn über das  Salzachtal - Pass Grießen - St. Johann - Kitzbühel - Brixental - Wörgl war die zweite Wahl.
Politische Spannungen – die Niederlage Österreich-Ungarns bei Königgrätz, der Hinauswurf Österreichs aus dem Deutschen Bund durch Preußen und der Deutsch-Französische Krieg (1870/71) – hatten zu Änderungen geführt.

Die von 1872 bis 1875 errichtete eingleisige Salzburg–Tiroler Bahn wurde über Saalfelden und den Pass Grießen nach St. Johann gebaut, und ängstliche Militärstrategen sahen auch  die Fortsetzung über Ellmau und Söll nach Wörgl zu grenznah. Nutznießer der verkehrspolitisch ungünstigeren Trasse wurden Kitzbühel und das Brixental, die einen Zugang zum Unterinntal, nach Innsbruck und von und nach München erhielten.
Als die kurze politische Eiszeit zwischen Bayern und Österreich zu Ende war, stieg der Wunsch nach einer kürzeren Strecke von Tirol in die Stadt Salzburg und weiter nach Wien.

Die Bahnverbindung St. Johann i. T. - Kitzbühel - Brixental - Wörgl wurde akzeptiert, auch die Streckenführung St. Johann - Saalfelden - Stadt Salzburg sollte bleiben, aber ab St. Johann wünschte man eine Schnellzugsstrecke über Lofer und Bad Reichenhall nach Salzburg. Aus Innsbruck und Wien kam keine Unterstützung.

Für normalspurige Vollbahn
Bei der am 31. Dezember 1898 in Lofer stattgefundenen Sitzung des Salzburg-Tiroler Actions-Comitees zur Verwirklichung der Bahnverbindungen zwischen Lofer – Saalfelden - St. Johann - und Lofer - Bad Reichenhall wurde folgender Entschluss gefasst:
Die Versammlung der Interessenten erklärt und beschließt einstimmig, dass nach dem Ergebnisse der Audienz bei Sr. Exzellenz, dem Herrn k. k. Eisenbahn-Minister, mit allem Nachdruck die Herstellung der Eisenbahn Saalfelden - Lofer - St. Johann als normalspurige Vollbahn unbedingt anzustreben ist, dass ferner die Linie Lofer - Reichenhall als schmalspurige Bahn gleichfalls anzustreben ist, wenn diese als vollspurige Bahn nicht  erreichbar sein sollte. Doch soll in diesem Fall das Project Lofer - Reichenhall derart ausgearbeitet werden, dass die Schmalspurbahn ohne besondere Abweichungen in die Normalspur umgewandelt werden kann, wobei ganz besonders auf die Brücken, Durchlässe, Tunnels, Bögen und Steigungen Rücksicht genommen werden soll.

Über die Reaktion der Regierung informierte sieben Jahre später ein Beitrag aus Lofer im „Kitzbüheler Bote“ vom 29. April 1906: Die ganze Geschichte gibts in der aktuellen Printausgabe des Kitzbüheler Anzeiger bzw. auf der Homepage www.kitzanzeiger.at als Onlineausgabe.

Bild: Auf der um 1890 entstandenen Aufnahme zeigt der Innsbrucker Photograph Anton Gratl den Bahnhof und den Bahnhofsgasthof (links) und den Bauernhof Baumoos (im Vordergrund rechts).

 
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