26.09.2022
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Infrastruktur hat „Luft nach oben“

Technisch auf- und umrüsten oder doch lieber neu bauen? Bergbahn-Geschäftsführer Robert Horntrich hat auf Wunsch der neuen Eigentümer über die St. Johanner Bergbahnen eine Bestandsanalyse gemacht. Sie fällt ernüchternd aus.

St. Johann | Am 14. Jänner dieses Jahres begann bei den Bergbahnen St. Johann ein neues Zeitalter: Toni Pletzer, Jürgen Marbach und Nico Schönecker übernahmen das Zepter von der SkiStar, stiegen in die zuvor mit Heinz Schultz verhandelten Verträge ein und starteten durch. Robert Horntrich, der in die Abwicklung der Verkaufsverhandlungen eingebunden war und seit der Neuübernahme auch zum Geschäftsführer bestellt wurde, hat das Seilbahnunternehmen auf Wunsch der Eigentümer auf Herz und Nieren geprüft. Über die Ergebnisse seiner Bestandsanalyse informierte der aus dem Ötztal stammende Seilbahner im Rahmen des gut besuchten Unternehmerfrühstücks - und zwar schonungslos und offen.

„Drei Bahnen werden in fünf Jahren fällig“
Fakt ist: 1987 wurde kräftig investiert. Neue Bahnen wurden damals gebaut und über die Jahre auch gut gewartet. Darüber hinaus sei aber nicht viel passiert, wie Horntrich feststellte. „Die Harschbichl-, die Penzing- und Hochfeldbahnen sind jetzt 35 Jahre alt und müssen dringend erneuert werden.“ Das Seilbahngesetz schreibe alle 40 Jahre eine Generalrevision vor, was bedeute, dass die drei veralteten Beförderungsanlagen bis 2025/26 entweder umfassend aufgerüstet oder ersetzt werden müssen, beschrieb der Seilbahner. Ein Neubau lasse sich nicht vermeiden: Sowohl bei der Penzing- als auch bei der Harschbichlbahn müssten mit einem Millionenaufwand Elektrik und Steuerung dringend erneuert werden, erklärte der Bergbahn-Chef, die Bahnen blieben aber trotzdem alt.

Prekär sei die Situation bei der Harschbichlbahn vor allem im Sommer: Die Mechanik der Kabinen ist für den Transport der schweren E-Bikes nicht ausgelegt. In den fünf Betriebsmonaten des Sommers müsse die Bahn außerdem mehr leisten als an den rund 100 Betriebstagen im Winter. Nicht zeitgemäß seien außerdem die Garagen und die Werkstatt. „Das stammt alles aus dem Jahr 1987. Moderne Pistenmaschinen haben sich seither beträchtlich vergrößert.“ Der Neubau der Sektionen I und II der Harschbichlbahn sei ein Muss, sagt Horntrich. Kostenpunkt: 30 Millionen Euro. Das Sommerangebot am Berg sei insgesamt verbesserungswürdig: „Da ist noch viel Luft nach oben“.  

„Jodelalmbahn kann fit gemacht werden“
Anders hingegen beurteilt der Experte die Jodelalmbahn. „Eine alte Anlage, die aber technisch passt.“ Man könne sie fit machen und die Steuerung tauschen, „dann fährt sie noch in den nächsten zehn oder zwölf Jahren“. Die gleichzeitige Erneuerung von Harschbichl- und Jodelalmbahn sei finanziell aber nicht machbar. Horntrich: „Warum beim Einstieg des Jodelalmliftes nicht einen Glühweinautomaten aufstellen? Das würde den Nutzern dieser Nostalgiebahn sicherlich gefallen.“

Gute Noten erhalten die Eichenhoflifte - die Sechser-Sesselbahn wird heuer um 330.000 Euro mit mehr Gondeln auf Endleistung ausgebaut - sowie die Schneeanlagen, mit denen das St. Johanner Skigebiet „top ausgestattet“ ist. Alte Schneekanonen werden Schritt für Schritt durch moderne, energieeffiziente Geräte ausgetauscht, schilderte Horntrich, doch in Betrieb genommen werden sie heuer erst dann, „wenn die Temperatur auf mindestens minus 4 Grad Celsius absinkt. Alles andere würde nur Kosten verursachen, aber keinen Nutzen bringen.“ Nachtskilauf sei aus wirtschaftlichen Gründen heuer kein Thema und auch der Hochfeldlift bleibe geschlossen, „da er für die meisten Gäste nicht befahrbar ist“.

Man müsse bestehende Lücken des Skigebietes schließen, etwa durch die Schaffung einer zusätzlichen Abfahrt von der Müllneralm, führte Horntrich abschließend aus. Das würde nicht nur eine direkte Anbindung schaffen, sondern auch Oberndorf mehr Frequenz bringen. „Es braucht insgesamt mehr Tagesgäste, sowohl im Sommer als auch im Winter. Ist am Wochenende das Wetter schlecht, gehen uns die Einnahmen ab.“ Alexandra Fusser; Foto: Klausner

 
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