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Kitzbüheler Anzeiger
22.10.2021
News  
 

Herr Almberger, was ist los mit der Bergbahn?

Über die St. Johanner Bergbahnen kursieren zahlreiche Gerüchte und Spekulationen. Bürgermeister Hubert Almberger im Gespräch.

Seit dem Bekanntwerden, dass SkiStar seine Anteile an die Schultz Gruppe verkaufen möchte, kommt die Bergbahn St. Johann nicht aus den Schlagzeilen. Woran hakt es?
Tja, eigentlich möchte man meinen  so ein Verkauf sei ein ganz normaler Vorgang...
Fangen wir von vorne an: zu Beginn war es ein wenig ungewöhnlich von SkiStar, dass man uns als Partner von der Übernahme sehr, sehr spät informiert hat. Wären wir von Anfang an eingebunden gewesen, hätte es sich wahrscheinlich ganz anders entwickelt.  
Es gab und gibt viele Fehlinformationen und Stammtischgerüchte. SkiStar hat eine Unternehmensberatungsgruppe mit der Abwicklung betraut. Der Aufsichtsrat verweigerte die Übernahme der Anteile durch die Schultz Gruppe.

Warum stimmt der Aufsichtsrat dem Verkauf nicht zu?
Der Hauptgrund, warum der Aufsichtsrat mehrheitlich gegen die Übernahme stimmte, ist, dass Vertragsteile zwischen SkiStar und der Schultz-Gruppe, welche dem Aufsichtsrat vorgelegt wurden, geschwärzt sind.
Parallel dazu wurde eine Satzungsänderung angestrebt, die für uns als Standortgemeinde nicht tragbar ist. Wir hätten, gleich wie der TVB und die Gemeinde Oberndorf, wesentliches Mitspracherechte verloren.
Ich möchte aber grundsätzlich festhalten, dass jeder Investor bei uns willkommen ist – aber als Gemeinde, und da spreche ich auch für den TVB, tragen wir eine gewisse Verantwortung für die Bergbahn.

Welche Rolle spielt dabei der ehemalige Bürgermeister Stefan Seiwald, der als Aufsichtsratvorsitzender der Bergbahn abgesetzt wurde?
Stefan Seiwald kennt die Bergbahn, wie kein anderer. Er hat die Bergbahn saniert und auch SkiStar nach St. Johann geholt. Für die Gemeinde war klar, dass er – auch wenn er nicht mehr Bürgermeister ist - die Gemeinde in Bergbahn-Belangen vertreten soll.
Stefan Seiwald hat als Aufsichtsrat richtigerweise entschieden, dass man geschwärzte Vertragsinhalte nicht hinnehmen kann. Ich bedaure, dass er von SkiStar abgesetzt wurde.

Wer vertritt die Gemeinde nun im Aufsichtsrat?
Niemand. Unsere zwei bisherigen Nominierungen wurden abgelehnt. Bei den abgelehnten Nominierten handelte es sich um die Rechtsanwälte Dr. Robert  Heitzmann und Dr. Martina Waldstätten. Der TVB, die Gemeinde Oberndorf sowie drei Mitarbeitervertreter sind jedoch noch im Aufsichtsrat vertreten und bilden eine Mehrheit.

Gegen was und wen geht die Gemeinde gerichtlich vor?
Wir gehen rechtlich gegen SkiStar wegen der Absetzung von Stefan Seiwald als Aufsichtsrat, gegen die Ablehnung von Robert Heitzmann, gegen die Bestellung des zweiten Geschäftsführers sowie gegen die Vertretungsbefugnisse vor.

Man hört, die Gemeinde wäre  zusammen mit dem Tourismusverband daran interessiert, die Mehrheitsanteile zu kaufen?
Der Gedanke steht im Raum, zusammen mit dem TVB die Anteile der Bergbahn sozusagen heim zu holen – sofern sich eine Gelegenheit ergibt. Für einen Rückkauf benötigt es eine aufsichtsbehördliche Genehmigung. Wir loten derzeit Möglichkeiten aus. Beschlüsse gibt es dazu aber noch keine.
Es gibt zudem auch andere regionale Unternehmer, die Interesse an den Anteilen hätten.

Kann man daraus schließen, dass die Gemeinde St. Johann nicht möchte, dass die Schultz Gruppe die Mehrheitsanteile übernimmt?
Wir sind nicht per se gegen die Schultz-Gruppe. Uns geht es jedoch um eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Diese Voraussetzungen sind für uns aber leider nicht erfüllt.

Ist der Winterbetrieb der Bergbahn gefährdet?
Grundsätzlich gibt es eine gesetzliche Betriebspflicht. SkiStar ist an einem wirtschaftlichen Betrieb interessiert, bis sie den Verkauf über die Bühne gebracht haben.  SkiStar ist dabei, den Winterbetrieb vorzubereiten. Der Saisonkartenverkauf läuft sehr gut.
Ich möchte mich auch dagegen verwehren, SkiStar zu verteufeln. Dank SkiStar haben wir in St. Johann einen großen Aufschwung erlebt. Es wurde ein toller Lift gebaut, die Umsatz- und Frequenzzahlen sind seit ihrer Übernahme stetig gestiegen. Der letzte Sommer war einer der besten überhaupt. Wir haben in den letzten Jahren von SkiStar, unter der Geschäftsführung von Peter Grander, nur profitiert.

Was wäre ein mögliches Zukunftsszenario für die Bergbahn aus Gemeindesicht?
Die Bergbahn St. Johann ist ein Teil unserer Identität. Ich gehe davon aus, dass der Betrieb und künftige Entwicklungen im Sinne der Region fortgeführt werden können. Das wie und wer ist allerdings noch offen. Johanna Monitzer

 
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