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20.05.2020
News  
 

Georg Foidl: Kapellmeister und Musikant mit Leib und Seele

Eigentlich wollte Georg Foidl heuer den Taktstock der Fieberbrunner Knappenmusik in jüngere Hände übergeben. Das Coronavirus mitsamt Veranstaltungsverbot hat die Rücktrittspläne aber ordentlich durcheinander gewirbelt.

Fieberbrunn |  Er ist weitum bekannt für seine Vorliebe des „feinen Musizierens“: Georg Foidl, seit einem Vierteljahrhundert  musikalischer Leiter der Knappenmusikkapelle Fieberbrunn, wollte noch in diesem Herbst vom Dirigentenpult abtreten. Es sei dies genau der richtige Zeitpunkt, erklärte er noch Anfang März im Gespräch mit  dem Kitzbüheler Anzeiger. „Ich will kein Kapellmeister sein, der es nicht lassen kann. Jetzt soll ein Jüngerer frischen Wind in unsere ‚Musig‘ bringen.“
Seit diesem Gespräch sind mehr als zwei Monate vergangen, die Pandemie hat die Welt in den vergangenen Monaten auf den Kopf gestellt, auch jene der Knappenmusik Fieberbrunn. Die beiden für 13. und 14. März geplanten Frühjahrskonzerte, bei denen Georg Foidl mit einem „Best of“ der vergangenen 25 Jahre seinen Abschied von der Kapellmeisterlaufbahn einleiten wollte, mussten bekanntlich kurzfristig abgesagt werden.

„Möchte die ‚Musi‘ jetzt nicht im Stich lassen.“
Es folgte notgedrungen eine musikalische Auszeit, die vermutlich auch in den nächsten Wochen noch nicht beendet sein wird. „Wann wir wieder miteinander proben und musizieren können, steht derzeit noch in den Sternen“, schildert Kapellmeister Foidl. „Wir wissen nicht, wie die Zukunft sein wird. Alle Konzerte und Veranstaltungen der nächsten Wochen und Monate sind abgesagt. Gerade in dieser Situation möchte ich die Knappenmusikkapelle nicht im Stich lassen.“
Georg Foidl, Jahrgang 1964, wurde das Musikantendasein praktisch in die Wiege gelegt. Vater Kaspar Foidl, ein begnadeter Musikant, langjähriger Fieberbrunner Kapellmeister (1945 - 1965) und ein Pillerseetaler Original, war schon zu Lebzeiten eine Legende und für seinen Sohn stets ein großes Vorbild. Schon als Siebenjähriger wurde Georg vom Vater auf dem Tenorhorn unterrichtet; im Alter von neun Jahren durfte er erstmals beim Cäcilienkonzert mitwirken.
Ab 1976 nahm er Zugposaunen-Unterricht bei Josef Foidl vulgo Müllner Sepp, 1983 absolvierte er die HAK-Matura in Kitzbühel und rückte anschließend zur Militärmusik Tirol ein.
Die gesamte Freizeit des Fieberbrunner Buchhalters und Vaters zweier Töchter, die ebenfalls in der Knappenmusik aktiv sind, ist der Musik gewidmet.

Muss: „Spielereien“ in wechselnden Ensembles
Schon in jungen Jahren war er neben der Blasmusikkapelle in verschiedenen Ensembles aktiv und hatte auch keine Scheu vor wechselnden Musikrichtungen:  Böhmische Blasmusik, Rock, Tanzmusik, Diexieland, Jazz  sowie traditionelles Weisenblasen - Georg Foidl war in der Blaskapelle „TIROLANKA“, dem „Berggeister Quartett“, bei den „Pillerseer Musikanten“ und bei der „Constable Putzers Rythm `and Brass Band“ aktiv.
Mit Übernahme der musikalischen Leitung der örtlichen Blasmusikkapelle im Dezember 1995  besuchte er Fortbildungskurse sowie Seminare und fand trotzdem noch Zeit, in weiteren Ensembles mitzuwirken, die zum Teil auf seine Initiative gegründet wurden. Zahlreiche Auftritte mit „Blechsalat & Co“,  der „Wildseeloder Blos“ und den „Black River Dixielanders“ zeugen davon.
Wie bei seinen Musikantinnen und Musikanten legt er auch selbst großen Wert auf das musikalische Zusammenspiel außerhalb der Musikkapelle. „Ich war immer voll im Training“, erzählt der Kapellmeister. Gerade in dieser Funktion sei die Vermittlung von theoretischem Wissen allein zu wenig, wie er befindet. „Man muss auch herzeigen, was man kann.“
Durch Foidls Engagement ist der Fieberbrunner Klangkörper mit den Jahren auf mehr als 50 aktive Mitglieder angewachsen.

„Weniger, aber dafür effizientere Proben“
Beachtliche und schöne Erfolge  bei Wertungsspielen zeugen von einem qualitativ sehr hohen Niveau.  Beim Proben haben die Fieberbrunner unter seiner Leitung allerdings „nicht zu den Fleißigsten“ gehört, wie er schmunzelnd erzählt. „Es gab weniger, dafür aber sehr effiziente Proben.“

Musikkapelle vereinigt mehrere Generationen
Stolz ist der Kapellmeister, dass die Knappenmusik Fieberbrunn unter seiner Führung Jung und Alt vereint. „Zusammenhalt und Kameradschaft machen das Wesen einer Musikkapelle aus. Musik soll im Ort über mehrere Generationen gelebt werden.“ Da gehöre die sogenannte „dritte Halbzeit“ natürlich auch dazu, schmunzelt Foidl. „Bei einem Bier klingen unsere Proben und Auftritte aus. Das ist Teil der Kameradschaft.“
Die Bereitschaft, die Freizeit zu opfern, verbunden mit Gemeinschaftssinn, Pflichtbewusstsein aber vor allem die Freude zur Musik wird jedem aktiven Musikanten abverlangt. Der Chef der Kapelle hat dazu auch noch organisatorische Aufgaben zu bewältigen. Neben der richtigen Auswahl der Programme für Konzerte und Ausrückungen aller Art, gilt es, die Kapelle auch bei Ausfällen  während der Urlaubszeit am Laufen zu halten. Es brauche eine „Riesenportion Mut zum nicht-idealen Zustand“. Diese Worte des Komponisten, Musikprofessors und ehemaligen Landeskapellmeisters Hermann Pallhuber, waren für Georg Foidl in der Bewältigung seiner Aufgaben stets wegweisend, wie er betont.
Eigentlich wollte der scheidende Kapellmeister schon  im Vorjahr sein Amt übergeben, mangels Bewerbern aus den eigenen Reihen hat man aber begonnen, extern nach einem Nachfolger zu suchen. Die Sommersaison, inklusive den Platzkonzerten und dem alljährlich umjubelten Auftritt beim Bourbon Street Festival, wollte Georg Foidl noch als Kapellmeister absolvieren  und erst im Herbst vom Dirigentenpult ab- und in die zweite Reihe zurücktreten.
Doch dann kam das Coronavirus und machte diese Pläne zunichte. Während der tirolweiten Quarantäne und der spielfreien Zeit habe er überlegt, seinen Rücktritt vorerst auf Eis zu legen.

„Das Musizieren geht mir richtig ab“
 „Faktum ist, dass wir nicht wissen, wann wir das erste Konzert wieder spielen können. Ist dies Ende des Jahres, oder vielleicht auch erst 2021 der Fall - wir wissen es derzeit nicht“, erklärt Foidl. „Es wäre nicht sinnvoll, ausgerechnet jetzt einen Wechsel anzustreben.“
Georg Foidl vermisst das gemeinsame Musizieren. Dass er der Knappenmusik als aktiver Musikant auch künftig erhalten bleiben wolle, war allerdings schon vor der Pandemie sein Ziel. Und auch eine Kapellmeistertätigkeit bei anderen Formationen hatte er zur Gänze ausgeschlossen. Der Ausflug in die musikalische Leitung sei für ihn insgesamt eine schöne Erfahrung gewesen, betont Georg Foidl vor der Corona-Krise. Auch wenn er sein Amt jetzt notgedrungen verlängere, freue er sich vor allem wieder auf‘s Spielen.
„Im Herzen bin ich immer ein Musikant geblieben. Alexandra Fusser

Seit 25 Jahren dirigiert Georg Foidl die Knappenmusikkapelle Fieberbrunn. Seine Funktion als Kapellmeister wollte er im Herbst übergeben, aufgrund der Corona-Krise überlegt er eine Verlängerung. Foto: Schwaiger

Georg Foidl mit Schwester Annemarie und Vater Kaspar Foidl. Georg Foidl schätzt seit jeher das Musizieren auch außerhalb der Musikkapelle. Bild links: Böhmische Klänge mit dem Blasmusikensemble TIROLANKA,  im Bild Helmut Opperer  (links) und Georg Foidl, 1992 auf Winklmoos. Rechts: „Fußakrobatik“ bei einem Musik-Frühschoppen im Alpenhaus 1995. Fotos: Archiv Foidl

 
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