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07.10.2019
News  
 

Gegen den Ausverkauf der Heimat

Christine und Niki Freysinger wollen die immer mehr werdenden leerstehenden Häuser in ihrer Heimat nicht mehr hinnehmen. Sie nehmen die Gemeinden und das Land in die Pflicht.

Going | Es sind meist wunderschöne Häuser, die in den besten Lagen der Gemeinden anzufinden sind. Nur die Jalousien sind oftmals monatelang heruntergelassen. Christine und Niki Freysinger wurmt das schon lange, wie sie dem Kitzbüheler Anzeiger erzählen. Auch in ihrer Nachbarschaft wird emsig gebaut, nur ganzjährige Nachbarn sind immer seltener anzutreffen. „Ich habe schon einen Brief an Felix Mitterer geschrieben, dass wir mittlerweile eine zweite Piefke-Saga brauchen – dieses Mal kommen sie allerdings nicht als Touristen, sondern kaufen uns auf“, schmunzelt Christine Freysinger.

Adressen an Gemeinde gemeldet
Das Paar aus Going will den Villen-Wildwuchs allerorts nicht mehr stumm hinnehmen und startete eine Unterschriftenaktion gegen den Ausverkauf der Heimat. „Die Rückmeldungen haben uns bestärkt, dass es viele ärgert, wie sorglos mit offensichtlich illegalen Freizeitwohnsitzen umgegangen wird“, so die Freysingers.
Sie gingen noch einen Schritt weiter und haben 66 Adressen von Häusern, die vermeintlich als Freizeitwohnsitz genutzt werden könnten, an die Gemeinde Going zur Überprüfung gemeldet. „Ich finde diese Aktion richtig, weil sich jeder an die Gesetze halten muss“, erklärt Bürgermeister Alexander Hochfilzer (VP).

Gemeinde überprüft die Nutzungs-Situation
Die Gemeinde überprüft derzeit die genannten Adressen. „Wir schicken über mehrere Monate Mitarbeiter dorthin und schauen, ob jemand da ist“, veranschaulicht Hochfilzer. Sollte sich der Verdacht erhärten, wird Meldung an die zuständige Behörde, die Bezirkshauptmannschaft Kitzbühel, gemacht. Bislang erfolgte noch keine Meldung, wie Hochfilzer erklärt: „Wir sind noch bei den Erhebungen. Die protokollierten Kontrollen bringen einen enormen Verwaltungsaufwand mit sich.“ Ein Verfahren wegen eines vermeintlich illegalen Freizeitwohnsitzes wurde auch in früheren Zeiten in Going bisher noch nie eingeleitet.

Großes Ziel: Gesetzliche Maßnahmen
Das soll sich ändern. Die Freysingers fordern die Politik zum Handeln auf: „Die Gemeinde muss den Hinweisen gewissenhaft nachgehen und die BH muss bei einem illegalen Freizeitwohnsitz die Nutzung untersagen. Geldstrafen nützen da nichts.“ Das große Ziel wäre jedoch, dass eine Umgehung der Gesetze in Zukunft gar nicht mehr möglich ist. „Wenn man seine Arbeitsstelle in Frankfurt hat oder die Kinder dort in den Kindergarten gehen, wird man ja nicht in Going seinen Lebensmittelpunkt haben. Die Beweispflicht gehört verschärft“, so die Freysingers. Seit Monaten versuchen sie diesbezüglich auch einen Termin bei LH Günther Platter zu bekommen. Ohne Erfolg. Unterstützung erhielten sie bislang nur von der Liste Fritz.
Betroffen macht sie auch die Dreistigkeit mancher Immobilienmakler. „Ich habe vorgegeben Interessentin für ein Haus zu sein, da hat man mir gleich gesagt, dass das mit dem Hauptwohnsitz kein Problem sei – auch wenn ich nicht dauerhaft dort wohne“, ärgert sich Freysinger.  

Verständnis für Verkäufer
Den einheimischen Grundstücksverkäufern geben sie  keine Schuld: „Der Verkäufer macht nichts Verbotenes. Wir können es vollkommen nachvollziehen, wenn Einheimische an den Höchstbieter verkaufen. Der Käufer, der einen Hauptwohnsitz vortäuscht bricht das Gesetz.“

Aktion wird ausgedehnt
Nach Going wollen die Freysingers die Bürgeraktion auf Ellmau ausdehnen: „Unser Wunsch wäre es, dass alle Bürger im Bezirk nicht mehr wegschauen und Adressen von vermeintlichen versteckten Freizeitwohnsitzen an die Gemeinden melden.“ Wer sich engagieren möchte, kann sich bei den Freysingers melden (Tel.: 0676 82 56 4435). „Auch wenn man die Adressen nicht selbst an die Gemeinde melden möchte, übernehmen wir das“, so das Paar.
Bürgermeister Hochfilzer glaubt, dass die Bürgeraktion eine Dynamik in Bewegung setzen könnte: „Dass sich etwas ändern muss, ist glaube ich jedem klar.“ Johanna Monitzer

Daten & Fakten - Wann ist es ein Hauptwohnsitz?
Den Hauptwohnsitz hat jemand in einer Unterkunft, die er zum Mittelpunkt seiner Lebensbeziehungen macht.
Für den Mittelpunkt der Lebensbeziehungen sind folgende Kriterien ausschlaggebend: Aufenthaltsdauer, Wohnsitz von Familienangehörigen (insbesondere von Kindern) und Ort der Erwerbstätigkeit/Ausbildung sowie Funktionen in öffentlichen und privaten Körperschaften.
Quelle: help.gv.at

„Unsere Heimat ist zu klein und wertvoll, um sie mit überwiegend leerstehenden Villen zuzupflastern. Es wird zwar allerorts gebaut, aber die Ortschaften sterben aus“, Christine und Niki Freysinger starteten eine Bürgeraktion, um auf illegale Freizeitwohnsitze aufmerksam zu machen. Der Kitzbüheler Anzeiger hat sie in Going besucht. Foto: Monitzer

 
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