Hier geht es zu den aktuellen Ausgaben
 
 
08.06.2019
News  
 

Fischotter entwickeln sich zur Plage

Kitzbühel |  Kürzlich zogen die Fischer des Bezirkes Bilanz über das abgelaufene Jahr. Reiher, Gänsesäger und vor allem Fischotter machen den Fischern zu schaffen.

Vor kurzem zogen die Fischer des Bezirkes Bilanz über das abgelaufene Fischereijahr, die zum Großteil auch positiv ausfällt, wie der Chef der Fischer im Bezirk, Hans Obernauer, betont. Doch es sind doch einige Wermutstropfen, die die Bilanz trüben. „Wir haben im Bezirk rund 40 Fischereireviere“, informiert Hans Obernauer. Rund 200 Fischer sind im Besitz einer Jahreskarte, dazu kommen noch zahlreiche Angler, die mit Tageskarten ihrer Leidenschaft frönen.
Nach wie vor ist die Schneeentsorgung in die Achen ein großes Thema, doch im heurigen Winter war es trotz der Schneemassen nicht so schlimm wie befürchtet, betont Obernauer. Doch dafür gibt es andere Probleme, die den Petrijüngern Sorgen bereiten. „Die nach wie vor fehlende Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie, die die Durchgängigkeit der Gewässer vorschreibt, wird zwischen dem Chiemsee und Jochberg nicht eingehalten“, betont der Kitzbüheler. Demnach fehlen an zwei Stellen noch die notwendigen Fischereiaufstiege, zum einen im bayerischen Marquartstein, die ist jedoch derzeit im Bau, zum anderen betrifft es das Kapser Wehr. „Wir verstehen nicht, warum die Stadt diesem Bau nicht zustimmt“, sagt der Fischer.
Bereits vor zwei Jahren hat sich der Gemeinderat mit 18 Stimmen gegen die Umsetzung ausgesprochen. Damals hieß es, dass es  zwar eine Verordnung des Landes gibt, wonach man verpflichtet ist, derartige Fischaufstiegshilfen zu errichten. Doch mit Sanktionen sei nicht zu rechnen, wenn man diese nicht einhält. „Ich kann das einfach nicht verstehen, dass das nicht umgesetzt wird“, ärgert sich Obernauer, „das war ja alles auf Schiene, ein großer Teil des Fischaufstieges wäre ja von der EU finanziert worden. Immerhin beträgt das Auftragsvolumen für die heimische Wirtschaft eine halbe Million Euro.“ Der Anteil der Stadt hätte rund zehn Prozent der Gesamtsumme betragen. Bürgermeister Klaus Winkler bleibt aber bei seiner Ablehnung: „Für mich ist das eine Steuergeldverschwendung auf höchstem Niveau. Hier gibt es andere, bessere Maßnahmen als einen so teuren Fischaufstieg.“

Fischaufstieg ist total verklaust
Doch Sorgen bereitet Obernauer auch der bereits gebaute Fischaufstieg am Wieshofer Wehr in St. Johann – der Kitzbüheler Anzeiger berichtete. „Der Fischaufstieg hat einige hunderttausend Euro gekostet, funktioniert aber nicht. Er ist seit Monaten verklaust und nicht fischpassierbar. Speziell zur Bachforellen- und
Äschenlaichzeit ist er funktionsunfähig. Die Fische kommen nicht in die Laichgebiete, nur weil sich niemand für die Anlage zuständig fühlt“, ist Obernauer sauer. Er setzt jetzt seine ganze Hoffnung auf die Referatsleiterin der Abteilung Umwelt in der Bezirkshauptmannschaft Kitzbühel und hofft, dass diese durch entsprechende Verordnungen die Durchgängigkeit und Wartung sicherstellt bzw.  darauf schaut, dass die „hunderttausenden Euro nicht für die Fisch’ sind“.

Reiher und Gänsesäger fressen die Bäche leer
Doch die Fische im Bezirk haben nicht nur menschliche, sondern vor allem auch tierische Feinde. So sei die Anzahl der Graureiher und Gänsesäger in den vergangenen Jahren massiv angestiegen – und deren Appetit auf die heimischen Fische ist fast unstillbar. Jeder Reiher frisst im Durchschnitt zwischen Oktober und März jeden Jahres zwischen 400 und 500 Fische.
Doch seit einiger Zeit ist ein neuer tierischer Feind auf der Bildfläche erschienen, der sich auch noch explosionsartig vermehrt – der Fischotter. „Es gibt bei uns im Bezirk bereits zahlreiche Anzeichen, dass der Fischotter stark präsent ist“, sagt Obernauer. So hätten die Fischer immer wieder angefressene Fische gefunden, auch ein überfahrenes Tier deutet auf seine Anwesenheit hin. Pro Tag frisst der Fischotter einen Kilo Fisch, also insgesamt rund 350 Kilo im Jahr. Darüber hinaus hat der Otter die Unart, nur den Kopf des Fisches abzubeißen und den Rest liegen zu lassen. Er sei ein „Bachplünderer“ und fresse alles von Fröschen über Krebse bis hin zu Salamandern. „Der Fischbestand ist in vielen Gewässern bereits drastisch zurückgegangen“, klagt Obernauer, „es gibt aber derzeit keine Möglichkeit, den Bestand zu regulieren. Daher ist hier das Land gefordert. Wenn nötig, muss es eine Regulierung im Sinne einer intakten, umfassenden Gewässerökologie geben“, fordert Kitzbühels oberster Fischer.
Margret Klausner

Der Obmann des Bezirks-Fischereiverbandes, Hans Obernauer, zog Bilanz über das abgelaufene Jahr. Er beklagt u.a. die  in Kitzbühel nicht eingehaltene EU-Wasserrichtlinie. Foto: Klausner

 
Kontakt
Tel.: +43 (0) 5356 6976
Fax: +43 (0) 5356 6976 22
E-Mail: info@kitzanzeiger.at
Virtuelle Tour
Rundblick - Virtual Reality
Werbung
 
Zurück Aktuelle Gemeinde Archiv Suchen