19.10.2021
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Federpiloten – eine Ehrensache

Wo seit Jahren Wildvögel in Not liebevoll aufgepäppelt werden und wo Gipsy landete, um sein neues Nest und seine Lebensgefährtin zu finden.

Kössen | Vor einigen Monaten berichteten wir über den zugeflogenen Rosellasittich Gipsy und seine erfolgreiche Partnersuche. Wegen der beiden glücklich vereinten Sittiche sind wir jedoch nicht in das Kleinod von Iris Kattrin und Toni Raum­auf nach Kössen zurückgekehrt. Heute berichten wir in einer echten Herzensangelegenheit und Ehrensache von dem Paar, das sich seit vielen Jahren mit Engelsgeduld und viel Aufwand um in Not geratene Wildvögel kümmert
Die Wahlkössnerin und den Ehrenbürger verbindet nicht nur die große Liebe zur Luft, zum Paragleiten und Drachenfliegen, sondern auch die Mission, erkrankte Wildvögel wieder flugtauglich zu machen. Dabei scheuen sie beide weder Zeit noch Kosten und Mühen, um unsere fliegenden Mitbewohner wieder fit zu bekommen.

Iris erzählt, wie ihre Passion zu den Wildvögeln 2013 in Frankreich am Campingplatz unverhofft begann, als eine junge Rabenkrähe auf ihr Campingbusdach fiel. „Ich hatte ja keine Ahnung – weder was die Fütterung, den Aufwand noch die artgerechte Aufzucht dieser erstaunlich klugen Tiere bedeutet“. Vielleicht war es ihr Mutterinstinkt der sie dazu brachte, sich gleich des Jungtieres anzunehmen und es bestmöglich warm und sicher zu halten. So blieb die Krähe Jakob fast ein ganzes Jahr bei ihnen wohnen.

Von Frankreich zurück nach Kössen
Zuerst ging es aus Frankreich mit im Bus zurück nach Tirol und dann wohnte er erst einmal mit ihnen in ihrer Wohnung, bis es ihr gelang, ihn mit viel Liebe und Sorgfalt, Zug um Zug wieder auszuwildern. So einen Jungvogel aufzuziehen und zu begleiten ist bei Gott nicht einfach.
Die ersten drei Monate bedeutete das, jeden Tag, sieben Tage die Woche, um fünf Uhr morgens aufzustehen, die Krähe jede Stunde zu füttern, ihr fliegen zu lernen und ihr ihre Artgenossen zu zeigen mit der Hoffnung, dass sie es eines Tages schafft, sich in einer Krähenherde einzugliedern.

„Dabei war ja 2013 das große Hochwasser und wir hatten im Erdgeschoss und auf den Feldern ringsherum 1,60 Meter hoch das Wasser stehen. Also war ich mit Jakob viel auf dem Balkon – unten waren ja überall Bagger, Wasser, Matsch und Chaos ohne Ende.“ Sie lernte ihm dann erst später auf der Wiese langsam das Fliegen nachdem sie sich mit vielen fachkundigen Quellen ausgetauscht und unendlich viel gelesen hatte.
Später hatte sie einen Wildvogel-Workshop besucht und einen Falknerei Kurs besucht und wurde aktiv in der Facebook Wildvogelnothilfe Gruppe. Sie stand im engen Austausch mit Ornithologen und vogelkundigen Tierärzten aus Brixlegg, Salzburg und Starnberg.

Wer noch fressen will, will noch leben
Absoluter Hochbetrieb herrscht bei uns von Frühjahr bis Sommer, wenn gebrütet und aufgezogen wird. „Wir machen keinen Unterschied, welche Vogelart es ist, überschätzen uns dabei auch nicht und möchten vor allem, dass das Tier weniger Stress und Schmerzen erleidet und währenddessen ruhig und in Sicherheit ist. Dabei geben wir unser Bestes.“
Klassische Verletzungen geschehen durch Fensterscheiben, Autokollisionen und durch Katzen und Greifvögel.

Über die Jahre ist auch Toni sehr fachkundig geworden und wird, so wie Iris auch, vor allem von Frühjahr bis Sommer gerufen, wenn es um in Not geratene, gefiederte Wildtiere geht. Die beiden leisten unter anderem auch tolle erste Vogelnothilfe übers Telefon, wo mit WhatsApp, per Video und Bildern zusätzlich kommuniziert wird. Natürlich auch bei ihnen zu Hause, wo Käfige und Behausungen gebaut oder umfunktioniert werden, endlose Kilometer quer durch Österreich und Deutschland gefahren werden – und das alles aus Liebe zum Tier, vollkommen ehrenamtlich.

Über die Jahre hat das Paar auch eine bunte Selektion an Hühnern angesammelt, die ebenfalls durch spannende und berührende Ereignisse zu ihnen kamen. Unglaublich, was die beiden berichten können und wie viel Zeit und Geld sie über die Jahre aus der Privatkasse investiert haben, um den Federpiloten bestmöglich unter die Schwingen zu greifen.
Zu ihren etlichen Ex-Schützlingen, die sie wieder in die Luft gebracht haben, gehören unter anderem Bachstelze, Kohl- und Blaumeise, Spatz, Buntspecht und Baumfalke.

Vogel oder Wildtierfund erstmal nur beobachten
Generell lohnt es sich, sich selbst und dem Tier ein wenig Zeit zu lassen und es aus der Entfernung zu beobachten. Nach all den Jahren und der Erfahrung meint Iris dennoch, dass es wesentlich besser sei, die Tiere in der Natur zu belassen, sofern es möglich ist. Einige Vogelarten füttern ihre Jungen auch am Boden weiter, wenn sie zum Beispiel aus dem Nest gefallen sind. „Nicht gleich angreifen und kidnappen, sondern erst einmal schauen, ob Elterntiere kommen und währenddessen googeln und die nächste Wildtierstation bzw. den zuständigen Förster anrufen. Katharina von Quadt

Bild: Iris Kattrein hat eine Passion für das Vogelvieh. Da wird auch Hahn Elvis gerne mal in den Arm genommen und gekuschelt. Foto: Katharina v. Quadt

 
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