27.09.2022
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Extremsituation am Arbeitsmarkt

Vom Jahr 2019 abgesehen, arbeiten im Bezirk derzeit mehr Menschen als je zuvor, das AMS spricht von Vollbeschäftigung. Die Wirtschaft klagt hingegen ungebrochen über einen eklatanten Arbeitskräftemangel, der sich durch alle Branchen zieht. Wie ist das erklärbar?

Kitzbühel | Die Zahlen der Arbeitsmarktstatistik für den Monat August sprechen für sich: Die Arbeitslosenquote ist so niedrig wie schon lange nicht mehr. Vor allem im Bezirk Kitzbühel, der in diesem Zeitraum mit nur 1,7 Prozent die zweitniedrigste Arbeitslosenqote in Österrreich erzielt hat. „Nur in Tamsweg sind noch weniger Menschen ohne Arbeit“, schildert Kitzbühels AMS-Geschäftsstellenleiter Manfred Dag. „Dort liegt die Quote bei 1,5 Prozent.“ Im heurigen August waren beim AMS Kitzbühel hingegen 1.117 offene Stellen mit einem sofortigen Arbeitsbeginn gemeldet.

Konkret waren 27.761 Personen (Stand 31. August) im Bezirk unselbständig beschäftigt. Das ist die zweithöchste Anzahl nach dem August 2019, präzisiert der Kitzbüheler AMS-Chef.

Trotz dieser erfreulichen Nachricht will kein rechter Jubel aufkommen. Seit Corona durchlebe der Arbeitsmarkt eine regelrechte Achterbahnfahrt, erklärt Manfred Dag. Lockdowns mit Rekordarbeitslosigkeit sowie der Ausfall der Wintersaison haben sich abgewechselt mit Hochkonjunktur, vollen Auftragsbüchern und erfolgreichen Sommersaisonen.

Dag: „Ist in dieser Form noch nie dagewesen“
Es ist eine Art Ausnahmezustand, in dem sich der Arbeitsmarkt seit zwei Jahren befindet, so der AMS-Chef. Aus seiner Sicht treffen jetzt mehrere Faktoren zusammen. Und zwar mit einer Wucht, wie sie in der Vergangenheit noch nie dagewesen sei. Dag macht dafür einerseits die demografische Entwicklung - die sogenannten „Babyboomer“ (geburtenstarken Jahrgänge) gehen in Pension - verantwortlich, aber auch den hohen Ausbildungsstand der Jungen, die später in das Erwerbsleben eintreten und bis zu diesem Zeitpunkt am Arbeitsmarkt fehlen. „Es gehen mehr in Pension als nachrücken“, bestätigt Dag. Das wiederum stelle die Wirtschaft vor große Probleme, die – gerade nach den Lockdowns – massiven Aufholbedarf habe und stärker als prognostiziert gewachsen sei. Seit den Corona-Lockdowns fehle außerdem der Zuzug von Arbeitskräften aus der EU.

Work-Life-Balance und die 25-Stunden-Jobs
Einen Boom  auf Teilzeitarbeit - sogenannte 25-Stunden-Jobs - unter den Arbeitnehmern kann Manfred Dag nicht nachvollziehen bzw. auch nicht mit Zahlen belegen. Die Nachfrage sei leicht angestiegen, dieser Trend werde aber rasch wieder abflauen, ist der AMS-Leiter überzeugt. „Eine ausgewogene Work-Life-Balance muss man sich auf Dauer auch leisten können“. Mit Blick auf Preissteigerungen, hohe Energiekosten und Unsicherheiten in der Energieversorgung bleibe die Situation für Wirtschaft und Erwerbstätige jedenfalls angespannt. Alexandra Fusser

Bild: Der Bezirk Kitzbühel hatte im August den größten Rückgang an Arbeitslosen von ganz Tirol:  minus 30,7 Prozent im Vergleich zum August 2021.

 
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