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23.05.2019
News  
 

Es bleibt ja in der Familie ... oder?

Betriebsnachfolge ist bei der Wirtschaftskammer und den Banken ein Dauerbrenner. Nichts liegt also näher, als es einmal groß zu thematisieren. Mit Erfolg: Der Infoabend von Sparkasse und Kammer wurde regelrecht gestürmt.

Going  | Im Bezirk Kitzbühel gibt es jährlich rund 70 Betriebsübergaben, in Tirol etwa 600.  „An die 60.000 Arbeitsplätze werden in Tirol durch die Übernahmen gesichert“, erläutert Wirtschaftskammer-Obmann Klaus Lackner. Für Familienbetriebe ist es oft die Idealvorstellung, dass die Firma auch an den Stammbaum gebunden ist. Doch wie erfolgreich ist die Strategie eigentlich? Diese Frage beantworteten die beiden Referenten des Abends, Thomas Hechenberger und Bernhard Baumgartner.

„Ursache in der Familie, nicht im Unternehmen“

Hechenberger präsentierte seine Masterarbeit über die wichtigsten Faktoren, die über Erfolg oder Misserfolg bei Betriebsübergaben entscheiden. „Bis sechs Jahre nach der Übergabe sind solche Unternehmen stärker schließungsgefährdet“, zeigte er auf, und: „Familienunternehmen scheitern häufiger in der Übergabe.“ Der menschliche Faktor ist dabei der kritischste: Denn zu einem Zeitpunkt, da rationales Handeln gefragt ist, spielt hochgradige Emotion mit hinein. Der häufigste Grund, warum die Übergabe scheitert, ist, weil der Übergeber weiterhin an der Macht festhält. Anderweitige Konflikte in der Familie, Mangel an Eigenmitteln, mangelnde Vorbereitung aber auch ein zum Zeitpunkt der Übergabe veraltetes Geschäftsmodell sind weitere Ursachen, warum der Wechsel in der Praxis oft schief läuft. „82 Prozent der Ursachen des Scheiterns liegen in der Familie, nicht im Unternehmen“, zeigte Hechenberger auf, „es sind nie Einzelursachen, sondern Ursachenbündel.“ Besonders „gefährdet“ sind übrigens Gastronomiebetriebe, gefolgt von Hotellerie und Handwerk.

Gute Vorbereitung entscheidend

Eine Betriebsübergabe will übrigens gut vorbereitet sein. Es ist keine Sache von wenigen Monaten und es reicht schon gar nicht, einfach am Tag X die Schlüssel zu übergeben. „Wichtig ist, innerfamiliäre Konflikte frühzeitig anzusprechen“, rät Hechenberger.  Eine Grundfrage, die aber oft erst gar nicht gestellt wird, ist übrigens diese: „Ist mein erhoffter Nachfolger auch wirklich interessiert?“
Denn immerhin, und das bestätigt auch die Wirtschaftskammer, gibt es Möglichkeiten der Betriebsübergabe abseits der eigenen Familie. So gibt es unter anderem eine österreichweite Nachfolgebörse (www.nachfolgeboerse.at). In der Praxis benötigt eine gut geplante Betriebsübergabe etwa drei Jahre, bei Gastronomiebetrieben sind es eher fünf Jahre. „Planen Sie genug Ressourcen ein“, ist ein weiterer, wichtiger Ratschlag Hechenbergers für die Übergabe.

Jeder, der den zweiten Referenten des Abends, Bernhard Baumgartner, schon einmal live erleben durfte, weiß, dass er sich nicht scheut, Klartext zu reden. Man könne durchaus lernen, wie eine gute Firmenübergabe läuft, sagt er und verweist auf das von ihm mitinitiierte Zentrum Familienunternehmen am MCI Innsbruck.  „Loslassen ist ein Riesenthema, das ist keine g‘mahde Wiesn“, schickte Baumgartner voraus. 

Er skizzierte einen gewissen Generationenkonflikt, der aus unterschiedlichen Anschauungen resultiert: „Ab einer gewissen Routine betreibt der Chef gerne Denkmalpflege und alle fühlen sich im lauwarmen Wasser wohl.“ Der Übergabeprozess ist ein heikler und muss zuvor von klaren Überlegungen begleitet sein: „Was will ich? Woher kommen wir? Wofür stehen wir? Wohin wollen wir? – Das sind Schlüsselfragen. Wenn wir uns die nicht stellen, passiert Chaos und alle sind sauer“, so Baumgartner. Die drei K‘s (Kommunikation, aber auch Konflikt im geschützten Raum sowie Konzept) sind unerlässliche Wegmarken auf dem Pfad der Betriebsübergabe. Und: „Alles aufschreiben.“ Gerade in Zeiten des digitalen Umbruchs kommt noch eine weitere Komponente hinzu. Geordnetes Vorgehen und Transparenz in jeder Hinsicht sichert bessere Erfolgschancen.

„Es ist nicht einfach – es gibt keine Abkürzung und keine Generalprobe“, erinnerte Baumgartner. Wer sich alle wichtigen Fragen stellt und deren Antworten aufschreibt, hat schon das Erfolgskonzept in der Hand. Nachsatz: „Erst alles intern klären, Rechtsanwälte und Steuerberater sind die letzten in der Zeitfolge.“ Elisabeth Galehr

Konnten sich über volles Haus freuen: Franz Stöckl (Sparkasse-KB), die Referenten Thomas Hechenberger und Bernhard Baumgartner, WK-Obmann Klaus Lackner und Klaus Felderer (Sparkasse-KU). Foto: Galehr

 
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