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30.06.2019
News  
 

Eine Welt der menschlichen Körper

St. Johann | Vernissage der Ausstellung „Körperlandschaften“ von Annemarie Dreibholz-Humele am 4. Juli in der Galerie im Museum St. Johann in Tirol. Die Ausstellung ist bis zur Langen Nacht der Museen am 5. Oktober zu den Öffnungszeiten des Museums zu sehen.

Auf den ersten Blick wirken die Akte der Künstlerin Annemarie Dreibholz-Humele wie eine Gruppe von Aktmodellen, zufällig für einen Augenblick arrangiert, die nach einem Moment eines kurzen Innehaltens, sich wieder weiterbewegen, um in einer anderen Position wieder zu erstarren. Sie wirken wie Momentaufnahmen während einer Bewegung. Ihre Studien des menschlichen Körpers sind tatsächlich stetig veränderte Positionen eines Aktmodells, die in einem Blatt festgehalten werden. Überlappende, in sich fließende Stellungen gekonnt versetzte, farblich verschieden getönte Körper und klare konturierte Linien in einem kontrastreichen Helldunkel lassen den Eindruck einer kinetischen Studie einer einzigen Figur entstehen.

Meisterklasse für Architektur
Dass der Körper für die Malerin ein zentrales Element ihrer künstlerischen Arbeit bedeutet, entwickelte sich eindeutig aus ihrer beruflichen Laufbahn. Dreibholz-Humele studierte anfänglich nicht Malerei. Sie wählte zur Beruhigung ihrer Eltern die Meisterklasse für Architektur an der Technischen Universität in Graz, die sie 1974 auch mit der Staatsprüfung abschloss.

Giselbert Hoke förderte die Künstlerin
Danach begegnete sie dem österreichischen Künstler und Maler Giselbert Hoke, der als Professor für künstlerische Gestaltung an der TU Graz tätig war und dessen Werk sich zwischen Bildmalerei und Architektur verorten lässt. Für ihn stand die Künstlerin mehrmals Modell. Hoke war auch jene treibende Kraft, der die Künstlerin Dreibholz-Humele im Bereich der Malerei förderte und sie zu seiner Assistentin machte.
Ihre Mitarbeit war maßgeblich für den Aufbau des Instituts für Künstlerische Gestaltung, sie unterstützte Hoke in der Lehre und begleitete ihn auf Reisen nach Asien, Nord- und Südamerika, Australien, Neuseeland und Indonesien auf der Suche nach den Spuren der Kunst der Naturvölker. Sie selbst war schließlich bis 2013 als Assistenzprofessorin am Institut für Zeitgenössische Kunst an der TU Graz tätig und brachte Architekturstudierenden die Möglichkeiten der bildlichen Darstellung des menschlichen Körpers und der Objekte zueinander näher.

Grafische Aufgliederung der Linien
Während ihrer Lehrtätigkeit gehörte räumliches Denken, das Arrangieren der einzelnen Körper sowie ihre Beziehung zueinander und vor allem ihre Wirkung im Raum zum beruflichen Alltag. Daher ist es keineswegs verwunderlich, dass Dreibholz-Humeles Zugang bei ihrem Werkzyklus „Körperwelten“ stark von der Architektur beeinflusst wird. Die grafische Aufgliederung der Linien wirkt vor allem als Kons-
truktionselement, als kunst- und beziehungsvolle Struktur der Zeichnung. Als ein vielleicht überraschendes Element scheint das Moment der Bewegung einzufließen, mit dem die Künstlerin ihre Arbeiten ergänzt.

Figurale Kompositionen
In ihren figuralen Kompositionen gelingt es ihr, die Zusammenhänge der Körper zu bannen, Beziehungen von Linien und Sichtachsen aufzuzeigen, Form und Fläche gegeneinander abzuwägen, ein Vorne und Hinten entstehen zu lassen, das sogleich wieder aufgehoben wird. Dabei wirkt es so, als ob die Malerin ihre Bilder während eines impulsiven, künstlerischen Akts entstehen lässt. Sie erscheinen als flotte Momentaufnahmen, getrieben von einer nicht offensichtlich wahrnehmbaren Energie, die ausschließlich vom Modell auszugehen scheint.

Sie braucht die Beziehung zu Menschen
Die Künstlerin verwendet – nicht wie andere Künstler – Fotografien als Vorlage, sie braucht die Beziehung zum Menschen. Sie lässt sich bei ihren Aktstudien ausschließlich vom „lebenden Modell“ inspirieren. Diese künstlerische Arbeit zeichnet sich als ein energiegeladener Prozess zwischen Künstler und Modell ab, bei der der Funke zwischen ihnen einfach überspringen muss, um höchst ästhetische Kompositionen entstehen zu lassen. Als Künstlerin bewegt sie sich damit gekonnt zwischen Tradition und Moderne.

Körperlandschaften von Annemarie Dreibholz-Humele.  Foto: Paul Ott

 
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