16.02.2022
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Eine Oma auf dem Wunschzettel

Kathrin Finger spielt im Leben von zwei jungen Menschen eine ganz besondere Rolle: Seit vier Jahren ist sie eine von 12 Wunschomas bzw. -opas im Bezirk.

Bezirk | Wer sich an seine Kindheit erinnert, denkt oft gerne an die schönen Momente zurück, die man mit Oma oder Opa verbracht hat. Doch nicht jedes Kind hat das Glück, unter der Obhut der Großeltern aufwachsen zu können. Bei den beiden „Enkeln“ von Kathrin Finger ist das der Fall: Eine Oma ist bereits verstorben, die andere wohnt mehrere Autostunden entfernt. Dennoch müssen sie nicht auf die wertvollen Stunden mit der Großmutter verzichten. Seit über vier Jahren kommt Kathrin Finger nämlich regelmäßig als Wunschoma vorbei. Sie schenkt ihnen Aufmerksamkeit und Zeit. Mittlerweile sind die Kinder zehn bzw. sieben Jahre alt. Ihnen ist die 59-Jährige in den letzten Jahren tatsächlich als „Ersatz-Oma“ ans Herz gewachsen.

Durch Zufall Oma geworden
Über eine Freundin aus dem Turnkurs ist Finger zufällig zum Wunschoma-Projekt des Freiwilligenzentrums Pillerseetal-Leukental gekommen. Als ehemalige Inhaberin eines Spielwaren-Geschäfts hatte die zweifache Mutter schon immer ein Gespür für Kinder, daher auch ihr Engagement: „Ich wollte einfach das zurückgeben, was mir als junger Mama gefehlt hat. Meine Mutter hat viel gearbeitet, die andere Großmutter war in Wien.“ Oft hätte sie sich damals eine Oma für ihre Kinder gewünscht, wenn auch nur für ein paar Stunden.
Heute übernimmt sie genau diese Rolle in einer Familie, die ihr zugewiesen wurde. „Wir haben uns einmal beschnuppert und gleich gemerkt, dass es passt.“ Als Wunschoma hat Finger einen Erste-Hilfe-Kurs speziell für Kinder und Babys gemacht und ist über das Freiwilligenzentrum versichert. Das sei ihr auch wichtig, denn Unfälle können immer passieren.

Mehr Aufmerksamkeit, weniger Spielzeug
„Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Spielsachen für Kinder gar nicht so wichtig sind. Sie brauchen viel mehr das Gefühl, dass jemand da ist, der sie so nimmt, wie sie sind“, erzählt Finger. Dabei sei es egal, ob blutsverwandt oder nicht, es gehe um das Miteinander. Vor allem alte Geschichten aus ihrer Kindheit oder Rollenspiele in Fantasiewelten gefallen „ihren“ Enkeln. „Da kommt es dann schon einmal vor, dass man stundenlang auf dem Boden herumrobbt. Irgendwie wird man auch selbst wieder zum Kind. Es ist eine Win-Win-Situation.“

Einmal Oma, immer Oma
Während sich die Ersatz-Oma anfangs noch mindestens einmal wöchentlich um die Kinder gekümmert hat, wird sie mittlerweile nicht mehr so oft gebraucht. Dennoch will Finger auch in Zukunft für sie da sein: „Wenn es zum Beispiel Themen gibt, über die man nicht mit den Eltern sprechen will, werde ich immer ein offenes Ohr für die beiden haben.“
Eine neue Familie übernimmt die Wunschoma vorerst nicht, hat sie doch selbst eine einjährige Stief-Enkelin zu Hause. „Bis jetzt habe ich nur Geliehenes“, meint sie schmunzelnd. Wichtig ist für Finger, dass das Angebot der Wunschomas- und opas aufrecht erhalten bleibt: „Man kann viel geben und bekommt noch mehr zurück. Deshalb nehme ich mir gerne die Zeit und hoffe, andere tun das auch.“ Florian Pirnbacher

Bild: Als Wunschoma und -opa kann man wertvolle Zeit schenken, wenn die leiblichen Großeltern keine Möglichkeit haben, regelmäßig für ihre Enkel da zu sein. Symbolfoto: Adobe Stock

Ehrenamt - Wunschoma/-opa werden
Das Freiwilligenzentrum Pillerseetal-Leukental ist dringend auf der Suche nach Menschen, die sich ehrenamtlich als Wunschoma oder -opa engagieren wollen. Auf diesem Weg kann Kindern gemeinsame Zeit geschenkt und Familien unter die Arme gegriffen werden. Mindestalter gibt es keines, auch Paare sind herzlich willkommen. Weitere Informationen zum Projekt gibt es online oder direkt bei Ansprechpartnerin Melanie Hutter unter Tel. 05359/90501-1300. Eine Aufnahme in die Freiwilligen-Kartei ist unverbindlich.

 
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