27.12.2018
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Ein malerischer Exzess in Grün

Die Bilder von Daniel Lergon erwecken den Anschein, als ob die Malerei im Zeitalter der Neuen Medien andersartige Wege beschreitet. Die Zeitkunstgalerie Kitzbühel widmet dem Künstler eine Ausstellung und präsentiert erstmals den eben erschienenen Werkkatalog „Unter Grün“.

Kitzbühel | Die Entwicklung der Kunst verläuft nicht linear. Sie ist ein Wechselspiel von Actio und Re-Actio, von Wandel und Entwicklung. Die Moderne in der Malerei begann vor mehr als 100 Jahren mit dem Tod der Malerei. Für Marcel Duchamp gehörte die klassische Malerei 1912/13 der Vergangenheit an. Auch nach dem Vormarsch der Fotokunst, Digitalen Kunst und Konzept-Art drohte die klassische Malerei in den Hintergrund zu verschwinden. Doch gerade im Zeitalter der „Neuen Medien“ erhält die Malerei wieder einen besonderen Stellenwert – sie zeigt sich in ihrer Unmittelbarkeit und avanciert zum künstlerischen Phänomen.

Maler und Forscher

Daniel Lergon (*1978 in Bonn) stellt sich der Herausforderung der Malerei. Entgegen des ersten Eindrucks, den Lergon mit seinem neuen grünen Werkzyklus vermittelt, ist seine Motivation in erster Linie nicht die Farbe. Es ist die Materialität, die ihn fesselt sowie das Experiment mit Stofflichkeiten, Malmitteln und Untergründen. Transparente Lacke auf reflektierende oder samtig schwarze Malgründe erzeugen besondere Licht- und Farbeffekte. Angesäuertes Wasser auf mit Metallpulver vorbehandelte Leinwände treten als chemische Reaktion in Erscheinung.
In zahlreichen Experimenten erforscht der Künstler seine Malmittel, tastet sich an ihre Wirkung förmlich heran. Seine früheren Arbeiten malte er ohne Pigment. Glatte, glänzende Oberflächen in Verbindung mit wohldosiertem Licht erscheinen in einer anderen Qualität als rauhe, matte Flächen.

Die Position des Betrachters wird zum wichtigen Element in der Bilderfahrung. Die Bilder arbeiten sowohl mit dem Raum als auch mit dem Rezipienten und unterliegen einem stetigen Wandel. Dabei erweckt es den Anschein, als ob der Künstler Bildträger und Bildmotiv gleichwertig behandelt.

Wechselwirkung von Licht und Oberfläche

Vor knapp drei Jahren zog es Lergon wieder zur Farbigkeit.Er begann mit Pigmenten zu experimentieren. Der Künstler definiert für sich Farbe als eine Wechselwirkung von Licht und Oberfläche. Ein glücklicher Zufall während seiner Materialstudien führte ihn zum Pigment „Phthalogrün“ – ein Grün, das ein besonders breites Spektrum an Farbnuancen aufweist. Dünn und lasierend aufgetragen erscheint es in einem lichten, fremdartigen Giftgrün, im pastosen Auftrag erscheint es in einem samtigen Schwarzgrün.

Unbändige Natur oder exotische Pflanzen?

Auch in diesem aktuellen Zyklus, dem nun auch ein Werkkatalog gewidmet ist, erhält der Bildträger eine besondere Bedeutung. Lergon setzt das kupferhaltige Pigment des Phthalogrün entweder auf einen weißen oder neongelben Malgrund. Dabei dienen Spachtel, Rakel, Schwamm oder Pinsel als Werkzeuge für den Farbauftrag, um diese vielfältigen Modulationen einer Licht- und Tiefenwirkung in den Bildern zu erzeugen.

Das bewusst gestaltete Motiv erscheint fast als Nebensache. Seine Motive lassen Assoziationen mit einer unbändigen Natur, exotischen Pflanzen und grotesken Landschaftsformationen zu. Die Leseart bleibt jedoch dem Betrachter alleine überlassen, eine Qualität, die die Bilder des Künstlers so faszinierend machen.

Eine malerische Revolte?

Daniel Lergons künstlerische Motivation ist die Materialität und ihre Resonanz mit dem Raum und dem Umfeld. Sie ist ein Spiel zwischen Oberfläche und Lichtqualität. Und vielleicht ist sie auch eine malerische Revolte gegen eine lärmende und digital dominierte Bilderwelt unserer Zeit. Prädikat: Besonders sehenswert.

KUNSTBLICKE: Mag. Martina Dorner-Bauer ist Kunsthistorikerin, Ausstellungskuratorin, Autorin, Betreuerin div. Kunstsammlungen und Gründerin der Agentur DieKunstagenten.
martina@diekunstagenten.at

Angesagt
Daniel Lergon in Kitzbühel
Kitzbühel | Am Freitag, 21. Dezember, wird um 19 Uhr in der Zeitkunstgalerie Kitzbühel die Ausstellung von Daniel Lergon eröffnet. Auch der neue Katalog „Unter Grün“ (Hatje Cantz Verlag) wird erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.
Die Ausstellung ist im Anschluss bis 26. Jänner (Do und Fr von 15 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 12 Uhr) in der Zeitkunstgalerie zu sehen.     

 
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