25.01.2018
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Ein äußerst eigenwilliges Leben

Sie kümmerte sich nie um ihr Aussehen: „Frisur hat ich nie ein gescheite, Mode war mir egal.“ Auf der Bühne verschmolz Julia Gschnitzer jedoch geradezu mit ihren Figuren. Ein Freigeist mit einem äußerst eigenwilligem Leben.

Kitzbühel | Schon als Kind strawanzte sie nach der Schule gerne durch Innsbruck. „Ich kam oft erst am Nachmittag nach Hause, weil es so viel Interessantes zu sehen gab“, ist eine der prägenden Kindheitserinnerungen von Julia Gschnitzer. Obwohl die Wanderlust ihr beinahe einmal das Leben gekostet hätte, als Innsbruck im Zweiten Weltkrieg bombardiert wurde und sie anstelle sich den Luftschutzkeller zu begeben, lieber auf den Heimweg machte. „Ich war schon als Kind recht eigenwillig und das habe ich mein Leben beibehalten“, schmunzelt die 86-Jährige.

Im Gespräch mit Autor Alois Hotschnig

Julia Gschnitzer begeisterte am Volkstheater in Wien, am Landestheater in Innsbruck, in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen und auf diversen anderen Bühnen. Auch mit 86 Jahren umgibt sie noch eine faszinierende Aura.  Alois Hotschnig, Schriftsteller und seit Jahren auch ein Freund von Gschnitzer, entlockte der Schauspiellegende Anekdoten aus ihrem bewegten Leben.

Aufgewachsen mit fünf Geschwistern

Geboren am 21. Dezember 1931 als eines von sechs Kindern eines Juristen-Ehepaares in Innsbruck ging sie nie gerne in die Schule. Die Faszination des Theaters ereilte sie aber bald. „Als ich das erste Mal mit dem Kinderchor am Landestheater auftrat, war ich fasziniert“, erzählt Gschnitzer. Die Familie flüchtete im Zweiten Weltkrieg aufgrund der Bombardierung von Innsbruck nach Schwaz und dann weiter auf das Mieminger Plateau. „Als drittes Kind mit zwei älteren Brüdern, bin ich wie ein halber Bub aufgewachsen und hatte immer einen starken Willen“, erzählt die Schauspielerin.

30 Jahre am Volkstheater in Wien

Einem Zufall (oder darf man es Schicksal nennen?) hatte sie es zu verdanken, dass ihr Traum, Schauspielerin zu werden, wahr wurde: „Ich war als Zuschauerin Stammgast im Landestheater in Innsbruck, dann hat man mich plötzlich gefragt, ob ich eine kleine Rolle übernehmen möchte.“

1960 wechselte sie ans Volkstheater nach Wien, wo sie ihre erste große Rolle bekam. Der Erfolg stellte sich schnell ein. „Ich hab mir nie Gedanken über mein Aussehen gemacht, hatte nie eine gescheite Frisur, Mode war mir schon immer egal“, schmunzelt Gschnitzer. Ihre ganze Energie investierte sie in ihre Rollen: „Man muss die Rolle annehmen, bis man ein Teil von ihr wird. Das ist ein längerer Prozess, wie ein Pflanze, die man gießt – und plötzlich blüht sie.“

Die Schauspieler haben sich verändert

Ein wenig Wehmut kommt auf, wenn sie an die heutigen jungen Schauspieler denkt. „Es wird oft zu kopflastig gespielt. Die Schauspielschüler wirken oft, wie dressiert. Sie wollen gefallen. Das liegt sicher auch an dem Druck, der heute herrscht. Ich hatte immer Jahresverträge, konnte mich ausleben“, sagt die 86-Jährige. Von der großen Bühne hat sich die Schauspielerin offiziell zurückgezogen, lassen kann es die Gschnitzer aber dennoch noch nicht ganz. Sie übernimmt immer noch kleinere Rollen und steckt gerade wieder in den Proben.  

Trotz all dem Ruhm und vieler Auszeichnungen ist Julia Gschnitzer bescheiden geblieben. Wenn sie Leute auf der Straße ansprechen, wird sie  immer noch ein wenig verlegen: „Ich bin doch kein Star.“ Verehrte Frau Gschnitzer, Sie sind viel mehr.
Johanna Monitzer

 
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