14.11.2020
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Ein Tubist mit Leib und Seele

Mit 13 Jahren ist Blasius Hechenberger das erste Mal zur Musikprobe gegangen. 60 Jahre später vermisst der Kirchdorfer nun die Proben und Ausrückungen: „So wie jetzt ist es nicht mehr lustig“, erklärt der gesellige Musikant. Ein Blick zurück auf all die Jahre.

Kirchdorf | Im Jänner 1961 startete eine unvergleichliche Musikantenlaufbahn in Kirchdorf. Mit der Posaune kam Blasius Hechenberger zur Probe, zwei Jahre später wechselte er auf das Es-Horn, und seit 1965 spielt er den Bass. Wie es dazu gekommen ist? „Damals als 16, 17 Jähriger haben zwei alte Loder Bass gespielt und Verstärkung gebraucht. Ich hab mich gemeldet“, erinnert sich Hechenberger zurück und muss schmunzeln, da er inzwischen selbst der „alte Loder“ ist. Seit nunmehr 55 Jahren ist er im tiefen Blech-Register nicht mehr wegzudenken.

Vier verschiedene Spielstätten
Proben, Ausrückungen und zahlreiche Feste - der Jahresplan ist gleichgeblieben. Verändert haben sich im Laufe der Zeit die Musikkapelle und die Spielstätten. An vier verschiedenen Orten hat der nunmehrig 73-Jährige aufgespielt. „Am Anfang haben wir vor dem Gemeindehaus die Bühne jedes Mal auf- und abgebaut“, schildert Hechenberger, solange bis im Wintersteller-Park ein eigenens Pavillon errichtet wurde. Angepackt haben er und seine Kollegen. „Wir jungen Buam haben da oftmals a bissl länger gearbeitet“, erzählt Hechenberger eine Anekdote von früher und lässt das „bissl länger“ einfach mal im Raum stehen. Jahre später wurde ein neuer Pavillion errichtet und vor drei Jahren erneut beim Dorfplatz eine moderne Bühne gebaut.

Größere Kapelle mit vielen Diandln
Anfangs zählte die Kapelle 23 Mitglieder, alles Männer. Mittlerweile sind bei der Musig mehr als 60 Musikanten, davon 2/3 Frauen. „Wir sind sauber in der Minderheit“, lacht Hechenberger.Heutzutage ein normales Bild, der Weg dorthin kein leichter. „Es haben sich einige dagegen gesträubt, dass Diandln zur Musig kommen. Wir waren eine der letzten Kapellen, die sie aufgenommen haben“, erzählt er. „Ein paar Musikanten sind daraufhin auch ausgetreten“, erinnert sich Hechenberger zurück. Heutzutage ist eine Musig ohne Diandln für ihn nicht mehr vorstellbar. Was ihm an der Musig besonders gefällt? „Die Kameradschaft“. Unzählige Proben, Ausrückungen und Musikfeste hat „Blasi“, wie er von den Kollegen genannt wird, mitgemacht – genaue Zahl unbekannt.
Das heurige Jahr ist beispielslos für den Musikanten mit Leib und Seele. „A bissl scheiße, jetz` ist es nicht mehr lustig“, sind seine Aussagen zu dem erneuten Lockdown, der bei den Musikkapellen schon zwei Wochen vorher stattgefunden hat. Denn auch nach 60 Jahren ist der Musikant noch nicht müde. Einige Sommerkonzerte und ein paar Proben sind ihm zu wenig.

Lange Musikantenkarriere
Dienstälteste Musikant in Kirchdorf ist er schon lange, mittlerweile auch in Lebensjahren. „A bissl zacher wird`s, aber noch bin ich fit“, sagt der Bassist und erzählt, dass man nun mehr  üben muss. „Jetzt in der Pension hab` ich Zeit dafür“.
Dass es nicht immer nett ist, am Abend seine Sachen zur Probe zusammenzupacken gibt Hechenberger zu, besonders in der dunklen Jahreszeit lockt der warme Kachelofen.

Geschenke zum besonderen Jubiläum
Da die Generalversammlung nicht stattfinden konnte, hat ihn vor Kurzem eine Abordnung besucht und ihm zum einzigartigen Jubiläum gratuliert: „Für uns Musikanten ist der eingefleischte Tubist nicht mehr wegzudenken. Immer gut drauf, pünktlich und hilfsbereit“. Seit Jahren ist er auch Ehrenmitglied der Kapelle. Damit ist klar, dass man auch in Zukunft nicht auf ihn verzichten möchte. So musste er gleich noch ein Versprechen abgeben: „Ich muss noch dabeibleiben.“
Derweil wird auf die neue Saison im Jänner gehofft, dass dann wieder gemeinsam aufgespielt werden kann. Denn eines ist in Kirchdorf klar: „Die Musig braucht ihren Blasi.“ Verena Mühlbacher

Bild: Über die vielen Auszeichnungen freut sich Blasius Hechenberger, der nun dienstältester Musikant ist. Die offizielle Ehrung bei der Generalversammlung konnte nicht stattfinden, eine Abordnung seiner Kollegen gratulierte. Foto: BMK Kirchdorf

 
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