01.02.2018
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„Ein Interview ist kein Gespräch“

Er ist das Gesicht der ZIB2, seine Interviewführung polarisiert.  Armin Wolf sprach in der Alten Gerberei über guten und schlechten Journalismus und erklärte, warum man ein Interview nicht mit einem normalen Gespräch verwechseln sollte.

St. Johann | Kein anderer ORF-Journalist polarisiert wohl mehr als Armin Wolf. Der gebürtige Innsbrucker erhielt für seine Arbeit zahlreiche Auszeichnungen, das Magazin Politico bezeichnete ihn unlängst als „einen der fähigsten und gefürchtetsten politischen Journalisten Europas“. Gefürchtet haben sich die Besucher in der Alten Gerberei aber keineswegs. Der Absolventenverein „Alumni“ des Gymnasiums St. Johann lud die Journalisten-Ikone am Sonntagvormittag zu einer Matinee ein. Ohne einen Cent an Honorar zu verlangen, gab er Obfrau Aloisia Wörgetter und Schulsprecher Felix Jöchl Einblicke in seinen Beruf und stand im vollbesetzten Saal den Zuhörern Rede und Antwort.

Warum unterbricht Armin Wolf so oft?

Besonders für seinen Interviewstil wird Armin Wolf geschätzt, aber auch öfters kritisiert. Es heißt er „verhöre“ seine Interviewpartner oder sei zu aggressiv. „Eines muss Ihnen klar sein, Politiker kommen nicht in die ZIB 2, um meine Fragen zu beantworten“, sagt Wolf. Die Medien geschulten Politiker wollen ihre Botschaft unterbringen. Wolf muss als Journalist dagegen steuern und unterbrechen. Ein Interview ist eben kein normales Gespräch. „Touch-Turn-Talk  – das heißt, der Interviewpartner geht kurz auf meine Frage ein, dann lenkt er vom Thema ab und geht zu dem über, was er gerne sagen würde. Das hat aber dann meist nichts mit meiner Frage zu tun“, veranschaulicht Wolf. Den Politikern sei auch durchaus bewusst, dass wenn sie unterbrochen werden, der Journalist als unhöflich gilt. „Was wiederum Sympathie-Punkte für den Politiker bringt. Mein Job ist es aber, die Zuschauer zu informieren. Innerhalb eines sechsminütigen ZIB 2 Interviews ist kein Platz für Wahlwerbung.“

Ärgert es ihn, wenn man ihn als nicht objektiv bezeichnet? „Ich finde ein Journalist sollte überparteilich und ausgewogen berichten.“ Auch er sei ein Mensch, der eine Meinung habe, diese könne er aber, wie jeder andere, im Beruf abstrahieren. „Ein Arzt lässt ja auch nicht jemanden auf dem Operationstisch sterben, weil er ihn nicht mag. Ein Kellner bedient professionell freundlich, auch wenn der Gast unsympathisch ist.“

Hassmails und Beschimpfungen, wie sie Journalisten weltweit erleben, gehören genauso zu seinem Alltag.  „Guter Journalismus unterscheidet wahr von unwahr, Sinn von Unsinn und filtert relevante Themen von den Millionen Dingen, die jeden Tag passieren, heraus“, erklärt Wolf.

Wen er nicht gerne interviewt

Seit mehr als 30 Jahren arbeitet er für den ORF und hat über 2.000 Interviews geführt. Er bereitet sich penibel auf seine Interviewpartner vor. „Meistens weiß ich schon vorher, was sie sagen werden“, schmunzelt Wolf. Aber auch ein Armin Wolf hat seine Schwachstellen. „Sportler zu interviewen ist für mich schwer. Ich interessiere mich überhaupt nicht für Sport.“ Unter Gelächter gestand er, dass er als Tiroler nicht einmal skifahren könne.

„Kurz nachdenken, ob es plausibel ist“

Die Herausforderungen in der Medienbranche werden größer. Falschmeldungen und Populismus in den sozialen Netzwerken, der durch die Boulevardmedien noch befeuert wird, scheinen immer mehr Raum einzunehmen. Verschwörungstheorien sind in Mode, während seriöse Medien verunglimpft werden. „Wenn Sie etwas lesen oder hören, was besonders absurd ist, kurz nachdenken, ob es plausibel ist. Googeln Sie es bitte! Haben etablierte seriöse Medien auch darüber berichtet? Wenn Sie sonst nichts dazu finden, ist es Unsinn“, rät Wolf.

„Guter Journalismus kostet Geld“

Um sich ein Bild vom Geschehen in der Welt machen zu können, rät er, auf seriöse Medien zu setzen: „Abonnieren Sie eine gute Tageszeitung.“ Die Flut an Gratis-Zeitungen und Berichten im Internet sieht Wolf skeptisch: „Guter Journalismus kostet, wie jede andere Dienstleistung, Geld – wenn keiner mehr dafür Geld ausgeben möchte, dann wird seriöser Journalismus irgendwann verschwinden.“
Johanna Monitzer

 
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