28.06.2016
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Diskussion um Flüchtlinge

Volles Haus bei der Erpfendorfer Gemeindeversammlung: Vor allem die geplante Aufnahme einer Flüchtlingsfamilie sorgt bei den Erpfendorfern für Aufregung. Bürgermeister Gerhard Obermüller und dessen Vize Gerald Embacher konnten die aufgebrachten Gemüter jedoch beruhigen und betonten einmal mehr, dass auch Kirchdorf seine Quote erfüllen muss.

Kirchdorf, Erpfendorf | Dieser Andrang war sogar für die Erpfendorfer Gemeinderäte überraschend – über 200 Erpfendorfer folgten vergangene Woche der Einladung zur Gemeindeversammlung in das Feuerwehrhaus. Doch nicht das geplante Projekt Erpfendorf-Mitte oder die anstehende Hochwasser­verbauung des Grießbaches war Grund für das große Interesse, sondern die geplante Ansiedlung einer Flüchtlingsfamilie im alten Feuerwehrhaus, das direkt neben der Volksschule liegt.

Private Unterkunft abgelehnt

„Mich macht das Thema traurig, aber es ist ein weltpolitisches Problem. Wenn ich könnte, würde ich mit dem Finger schnipsen, dann wäre weltweit Frieden“, erklärte Bürgermeister Gerhard Obermüller in seiner Ansprache, betonte aber klar, dass auch Kirchdorf gezwungen ist, die Quote zu erfüllen. „Wir haben ja schon ein bisschen Erfahrung mit Flüchtlingen, die wir in Gasteig untergebracht haben“, erklärte der Dorfchef.

Es habe auch das Angebot eines privaten Immobilienbesitzers gegeben, der 20 Flüchtlinge aufgenommen hätte, das aber sei aus sicherheitstechnischen Gründen hinsichtlich Strom usw. problematisch gewesen. Daher habe sich die Gemeinde entschieden, die leerstehende Wohnung im alten Feuerwehrhaus in Erpfendorf anzubieten. Diese sei inzwischen auch adaptiert worden.

Familie zugesagt

Viele der anwesenden Erpfendorfer allerdings sehen den Einzug der Flüchtlinge in diese Wohnung kritisch, da sie sich direkt neben der Volksschule befindet. Wenn hier sechs alleinstehende Männer kommen, habe man Angst um die Kinder, so die Meinung vieler. Hier konnte Obermüller und Vizebürgermeister Gerald Embacher – er vertritt ja die Erpfendorfer im Gemeinderat – beruhigen: „Wir haben von den Tiroler Sozialen Diensten (TSD) die Zusage, dass in jedem Fall eine Familie dort einziehen wird.“

Durchgriffsrecht verhindern

Fest stehe aber auch, so die beiden Lokalpolitiker, dass Kirchdorf Unterkünfte anbieten müsse, um zu verhindern, dass der Bund vom Durchgriffsrecht Gebrauch macht und dann mehr Flüchtlinge irgendwo in Kirchdorf untergebracht werden. Im derzeit leerstehenden Altenheim etwa. So habe man etwas Kleines angeboten, um zu zeigen, dass man gewillt ist, die Quote zu erfüllen. In der Gasteiger Volksschule sind bereits 15 junge Männer untergebracht – und das völlig problemlos. Dies konnte auch Kramerwirt und TVB-Vertreter Josef Lackner bestätigen. Auch in Gasteig habe es anfänglich Vorbehalte gegeben, doch das habe sich gelegt. „Wir lassen sie in Ruhe und sie lassen uns in Ruhe,“ brachte es Lackner auf den Punkt und betonte: „Es braucht Solidarität.“

Für viele Erpfendorfer ist die Unterbringung von Flüchtlingen in der Gemeinde übrigens kein Problem, für einige sind jedoch Konflikte vor allem aufgrund der Nähe zur Volksschule bereits vorgezeichnet. Hier allerdings beruhigten Obermüller und Embacher: „Während der Schulzeit sind die Kinder ja beaufsichtigt.“ Dass jetzt Erpfendorfer Eltern aufgrund der Flüchtlingsunterbringung direkt neben der Schule darauf bestehen, dass ihre Kinder in die Kirchdorfer Volksschule wechseln, glaubt Obermüller nicht. Außerdem so die beiden Dorfchefs, seien ja noch keine Flüchtlinge da und vor allem sei auch nicht klar, ob überhaupt welche nach Erpfendorf kommen. Anvisiert seien derzeit jedenfalls noch keine. Margret Klausner

Bild: Bürgermeister Gerhard Obermüller und VBM Gerald Embacher informierten die Erpfendorfer über die Unterbringung von Flüchtlingen. Foto: Klausner

 
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