30.07.2019
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Der Mond und die Kunst

Nach zahlreichen Versuchen und enormen finanziellen Investitionen gelang schließlich der Start der Apollo 11 zum Mond. Am 20. Juli landete zum ersten Mal ein bemanntes Raumschiff auf dem Erdtrabanten, am 21. Juli setzte der erste Mensch einen Fuß auf die Mondoberfläche. Die Mondlandung jährt sich heuer zum 50. Mal und hat damit unser Leben in vielen Facetten verändert.

Salzburg | Der Mond übte schon immer eine unglaubliche Faszination auf den Menschen aus. Der Erdtrabant ist nicht nur für die Gezeiten der Meere verantwortlich, er beeinflusst auch den Rhythmus des Jahreskreises auf unserer Erde. Das faszinierende Himmelsgestirn beschäftigte Leonardo da Vinci, Galileo Galilei sowie die Seefahrer Marco Polo und Christoph Columbus. Er be- und verzaubert und erwächst damit zur Projektionsfläche für zahlreiche Sehnsüchte, aber auch Ängste der Menschen. Mit zunehmender Beobachtung und Beschäftigung wurde auch der damals noch utopische Wunsch genährt, von der Erde zum Mond zu gelangen und ihn zu erobern. Jules Verne´s Erzählung „Von der Erde zum Mond. Direkte Fahrt in 97 Stunden 20 Minuten“ (1865) und andere Abenteuer der Science-Fiction Literatur bekräftigte damit die Forschungsbestrebungen der Wissenschaftler und Ingenieure.
Nicht allzu selten wurden die Forschenden als geistesgestört, mondsüchtig und krankhafte Fantasten abgetan. Rückblickend betrachtet bewegten sich die Forscher häufig auf einem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn. Oftmals zeigte sich, dass sie mit ihren Annahmen nicht ganz falsch lagen, sodass die als verrückt erklärten Personen hinterher rehabilitiert werden mussten. Das berühmteste Beispiel dafür ist Galileo Galilei.

Dass vor 50 Jahren drei Astronauten, nämlich Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collin, mit der Mission Apollo 11 erfolgreich zum Mond gestartet und ebenso gesund wieder zur Erde zurückgekehrt sind, hatte eine lange Vorlaufzeit von vielen kleinen Erfolgen und größeren Misserfolgen in der Raumfahrtforschung. Als Ersatzkommandant wurde Jim Lovell nominiert, der in Kitzbühel skifahren lernte. Wäre Armstrong erkrankt, hätte Lovell als erster Mensch den Mond betreten. Ein Wettrüsten zwischen USA und der damaligen UdSSR setzte ein, beide wollten für sich diesen Triumph einnehmen. In den programmatischen Reden wurde der Wettstreit von den damals amtierenden Präsidenten vor allem durch die Herkunft der Astronauten für eine Nationalisierung missbraucht.

Künstlerische Auseinandersetzung
Heute, mit der zeitlichen Distanz, reagieren Kunstschaffende äußerst kritisch auf die damals aktive Propaganda. In der Reflexion über das Weltraumwettrennen thematisieren Künstler gezielt dieses Rassenbewusstsein. „Cosmonaut No. 1“ von Vladimir Dubossarsky und Alexander Vinogradov vermengen zwei Ikonen der ehemals verfeindeten Lager: Die 1959 am Weltmarkt erschienene Barbie-Puppe der USA und den russischen Astronauten Juri Gagarin, der als erster Mensch im Weltall die Erde umkreiste. Gleichzeitig nimmt das Werk auch Bezug auf das Ungleichgewicht unter den D24 Astronauten, die bis heute zum Mond gelangt sind: Sie alle waren weiß, männlich und US-Amerikaner. Dabei darf nicht vergessen werden, wie viele Menschen unterschiedlicher Nationen und Geschlechter im Hintergrund am Erfolg der zahlreichen Weltraummissionen beteiligt waren und wie viele Raumfahrer im Vorfeld bei missglückten Versuchen ihr Leben lassen mussten.

Raumfahrt war den Helden vorbehalten
Die unendlichen Weiten des Weltalls sind bis heute mit dem Bild des männlichen Pioniers verbunden. Die Raumfahrt war dem Helden vorbehalten, die Frau hatte hier keinen Platz. Erfolglos kämpften Pilotinnen um die Aufnahme in das Programm der NASA, die erst 1978 eine Chancengleichheit bei den Bewerbungen möglich machte. Die Schweizer Künstlerin Sylvie Fleury griff dieses Thema auf und kritisiert dieses männlich dominierte Bild des Raumfahrers mit einer Videoinstallation „High Heels on the Moon“ oder mit dem „First Spaceship on Venus“, eine phallisch anmutende Rakete in einer weich glitzernden und plüschigen Ummantelung.
Die geglückte Mondmission von 1969 hatte nicht nur in der Technik einen Quantensprung bewirkt. Das heute uns allen vertraute Internet, die Computerprozessoren, Datenübertragungsraten und Speichermedien wurden durch die intensiven Forschungen erst möglich. Vor allem aber veränderte der Sphärenwechsel das Verhältnis zwischen Menschen und Umwelt maßgeblich und äußerte sich in der Entstehung einer Umweltbewegung. Der Blick vom Mond zurück auf die Erde wirkte wie eine spirituelle Geburt eines ökologischen Bewusstseins, das sich dann in den USA und auch in Europa mit der Hippie-Bewegung vermischte. Der Blick auf unseren faszinierenden Erdball vom Mond aus hat ein neues Bewusstsein ausgelöst und die eigene Fragilität, das Ressourcenbewusstsein und den Wert unserer Erde gezielt vor Augen geführt. Der BLAUE PLANET wurde zum Sinnbild für das Leben überhaupt.

„Fly Me to the Moon“ im Museum Salzburg
Tipp: Das Museum der Moderne Salzburg zeigt die genreübergreifende Ausstellung „Fly Me to the Moon“ bis zum 3. November.

Vladimir Dubossarsky & Alexander Vinogradov „Cosmonaut No. 1“ ( 2006). Foto: MDM, Salzburg

 
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