24.09.2018
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Der Mensch und die Medizin 4.0

„Medizin 2025 – Heiligt die Medizin die Mittel?“ Diese provokante Fragestellung setzte den Horizont für das diesjährigen Future Forum auf dem Jakobskreuz.

St. Jakob  | Anhand tagesaktueller Nachrichten lässt sich leicht nachvollziehen, dass die Medizin in den nächsten Jahren vor großen Umbrüchen steht – sowohl was die Finanzierung der Leistungen, als auch den Einsatz neuer Technologien betrifft. Beim Future Forum in St. Jakob wurden die Trends schon vorweggenommen und auf ihre Bedeutung für Medizin und Gesellschaft hin durchleuchtet.

Vergangenes Jahr fiel wie berichtet der Startschuss für das Future Forum – damals lag der Fokus auf den neurologischen Erkrankungen. Heuer wurde der Radius etwas breiter gefasst. Neben der Tatsache, dass die Gesellschaft in Summe immer älter wird und dadurch die Wahrscheinlichkeit für neurologische Erkrankungen steigt, ging es den anwesenden Experten auch um die Fragestellung: Was kann die Medizin von morgen für den Menschen leisten?

Im Mittelpunkt steht dabei der einzelne Patient. Moderne Krebstherapien sollen künftig beispielsweise personalisiert sein. Hier kommt zusätzlich die Digitalisierung ins Spiel: „Big data“ – in diesem Zusammenhang gesammelte, anonymisierte Krankheitsverläufe und Fallstudien – werden klinische Studien ersetzen, so die These von Heinz Zwierzina (Abteilung für Hämatologie und Onkologie, Univ.-Klinik für Innere Medizin, MedUni Innsbruck). Künstliche Intelligenz soll künftig außerdem dabei behilflich sein, Biomarker ausfindig zu machen, die einen Fingerzeig für die beste Therapiemaßnahme liefern. Die Blockchain-Technologie, die unter anderem bei Kryptowährungen zum Einsatz kommt, kann künftig dazu beitragen, Patientendaten dezentral und fälschungssicher zu speichern.

So viele Chancen die neuen Technologien bieten – es sind auch Risiken damit verbunden, Stichwort: Patientenautonomie und Oberhoheit über die eigenen Daten. Den Forumsteilnehmern ist es in diesem Zusammenhang ein Anliegen, dass sich die Kommunikation zwischen Arzt und Patient verbessert. So kann sicher gestellt werden, dass die Eigenverantwortung des Einzelnen gestärkt wird und jeder Mensch bestmögliche Entscheidungen über seine Gesundheit treffen kann.  

Pflege ist ein großer Wachstumsmarkt

Barbara Kolm, die Präsidentin des Friedrich August v. Hayek Institus, Direktorin des Austrian Economics Center und außerdem Vizepräsidentin der Österreichischen Nationalbank, stellte in ihrem Vortrag Überlegungen zum heimischen Gesundheitswesen an. Kolm hatte dazu drei Thesen im Gepäck, die zum Teil kontrovers diskutiert wurden. Erstens: „Die Kostenexplosion im Gesundheitssektor muss gestoppt werden. 41 Prozent höhere Realausgaben binnen 17 Jahren sind nicht tragbar.“ Österreich gebe für das Gesundheitswesen im Schnitt mehr als der Durchschnitt der OECD-Staaten aus. Kolm kritisiert dabei „mangelnden Wettbewerb im Gesundheitswesen“.  Daher solle der Wettbewerb den „Gesundheitsmarkt“ zukunftsfähig machen.  Die zweite These wirft einen Blick auf die Pflege: „Wie sieht die Pflege der Zukunft aus?“ Pflege stellt einen enormen Wachstumsmarkt dar. Daher gibt es naturgemäß auch einen enormen Bedarf an Personal, der nur schwer zu bedienen ist. Kolm sieht einen möglichen Lösungsansatz in neuen Technologien: „Der Einsatz von Robotern in der Pflege wird zunehmend an Bedeutung gewinnen.“ Alle Entwicklungen der Medizin 4.0 lassen sich heute aber schwer voraussehen. Dennoch müssen „auch hierfür Vorbereitungen getroffen werden, jeder Einzelne ist hier gefragt.“

Generell mahnte Barbara Kolm mehr Autonomie des Patienten ein. Claudia Paganini, die dem Future Forum noch einen philosophischen Denkanstoß zum Thema Solidarität beisteuerte, erläuterte dazu: „Die Entwicklung des Sozialstaates hat dazu geführt, dass die Verpflichtung zur Solidarität ganz dem Staat anvertraut worden ist.“

Der Einzelne fühle dadurch eine schwächere Verpflichtung zum solidarischen Handeln. In der aktuellen Konsumgesellschaft, in der die Starken und Erfolgreichen die Helden sind, gilt Selbstverantwortung als hohes Ideal. Dennoch solle eine Gesellschaft nicht jene zurücklassen, die nicht in dieses Bild passen. Dafür müssen aber Strukturen geschaffen werden, die nicht diejenigen bestrafen, die solidarisch handeln, so Paganini. Elisabeth Galehr

Bild: Die Arbeitsgemeinschaft Neurologie Salzburg InnerGebirg (ANSIG) lud heuer zum 2. Future Forum: Die Organisatoren Jörg Kraus (r.) und Anton Luchner konnten u.a. Nationalbank-Vizepräsidentin Barbara Kolm begrüßen. Foto: Galehr

 
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