18.11.2020
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Der „Holzwurm“ auf dem Waldhof

Er war ein besonders tüchtiger  Bauer und ein geachteter Mitbürger.

Kitzbühel | Die Säge im Wald und die Hacke im Holzschuppen waren über Jahrzehnte seine wichtigsten Werkzeuge. Als „Waldbauer“ genoss er einen besonderen Ruf und erreichte sogar österreichweit Anerkennung. Bei einer Waldbauerntagung in der Steiermark wurde ihm und seinem Sohn Jakob vor zehn Jahren der „Staatspreis für beispielhafte Waldbewirtschaftung“ verliehen. Damals wurde festgehalten, dass der Wald dem „Woidhof Jagg“ wie ein zweites Wohnzimmer war, allerdings eines, das viel Fleiß und Einsatz erforderte.
Bekannt und geschätzt sind „Zaunstempen“, Schindeln, Zäune (speziell Pinzgauer Zäune) und Christbäume vom Waldhof. Viel Material liefert der Betrieb für die Absicherung der Pisten des Hahnenkammrennens.

Schwerpunkt Waldwirtschaft
Jakob Filzer bezeichnete sich selbst als „Holzwurm“. Von Kindheit an harte Bauernarbeit gewöhnt und als ältestes von sechs Kindern einer geachteten Bauernfamilie der „logische“ Hoferbe, musste der talentierte Bub auf eine  weiterführende Ausbildung verzichten. Zeitlebens waren Bücher sein wichtigstes Hobby. Sechs Winter arbeitete er in Forstbetrieben in der Schweiz und in Deutschland.
Gemeinsam mit seiner Frau Resi übernahm er 1980 die Verantwortung für Haus und Hof.
Eine erste große Aufgabe war die Erneuerung und Modernisierung, dabei bewährte sich wieder das reiche Talent in der Familie. Der erst nach dem Bahnbau im 19. Jahrhundert von einem Großonkel errichtete Hof war von dessen Bruder, dem Zimmermeister und „Bauernphilosophen“ Hans Filzer, Besitzer des Housenhofes in der Griesenau, geplant und gebaut worden. Jakob Filzer war stolz darauf, dass er die großen Investitionen schultern konnte, ohne zum probaten Mittel eines Grundverkaufs zu greifen.

Lebensmut auch nach Schicksalsschlägen
Einen schweren Unfall im Wald im Jahr 1996 überstand er mit eiserner Disziplin und durch die Betreuung durch die Gattin. Ihr Spruch „Vota, es wird schon wieder!“ bewährte sich auch, als bald eine Herztransplantation notwendig wurde. „Jagg“ konnte nur mehr eingeschränkt arbeiten, aber er behielt seinen Lebensmut. Freizeit war früher ein Fremdwort gewesen, nun nützte das Ehepaar viel Zeit für Reisen in Europa, um fremde Länder und Kulturen kennen zu lernen. Die letzte Reise führte in die Schweiz, es war beschwerlich, aber ein Wiedersehen mit Freunden aus der Zeit seiner  Akkordantentätigkeit.
Viel Freude bereiteten dem Ehepaar die drei Kinder, die sechs Enkel und schließlich noch zwei Urenkel, aber auch der Zusammenhalt der Geschwister. Der Tod des Bruders Wolfgang vor einigen Monaten traf ihn hart. Die Zeit der eigenen Krankheit konnte er zu Hause verbringen.

Wegweisend in der Jungbauernschaft
Der bäuerliche Betrieb war und blieb die Hauptaufgabe Filzers. Nur einige Jahre schien es, der fähige Mann würde auch als Vertreter seines Berufsstandes „Karriere“ machen. Er war mit 16 Jahren Mitglied der Jungbauernschaft geworden und stieg bald zum Ortsobmann auf, durch sechs Jahre führte er die Jungbauernschaft im Bezirk und gehörte dem Landesvorstand an. Er bemühte sich um die Erfassung und Aktivierung sämtlicher interessierten Jugendlichen im ländlichen Raum und wies dadurch den Weg für  die stärkste Jugendorganisation im Land und leitete eine umfassende Zusammenarbeit in den Gemeinden ein. Bekannt war „Jogg“ für seinen hintergründigen Humor und seine kritische Einstellung zu vielen Ideen, aber sein Wort war nie verletzend. Schier selbstverständlich war seine oftmalige Berufung in den Ortsbauernrat.

Ein angenehmer Zeitgenosse
Durch drei Jahrzehnte war der Waldhofbauer Obmann einer Jagdgenossenschaft und bemühte sich erfolgreich dort und im sensiblen Bereich des intensiven Wintersports am Fuß des Hahnenkamms um den Interessensausgleich. Dem Landwirtschaftsministerium lieferte er durch Jahrzehnte Daten für statistische Erhebungen.
 Mit 17 Jahren trat Jakob Filzer bei der Wiedergründung in die Schützenkompanie  ein.  Der Ehrenoberjäger war zuletzt einer der letzten und begeisterten Aktiven aus der Gründerzeit.
Als ein „ehrlicher, angenehmer Zeitgenosse“ und als tüchtiger Bauer wurde Jakob Filzer eine Kitzbüheler Persönlichkeit. Wer ihn kennen lernen durfte, wird ihm das Gedenken bewahren.Hans Wirtenberger

Bild: Jakob Filzer war ein vorbildlicher Waldbauer und ein überlegter Bauernfunktionär. Foto: privat

 
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