10.05.2020
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Corona verbessert Alpinbilanz

Das abrupte  Ende der Wintersaison durch Corona am 15. März hat auch Auswirkungen auf die Bilanz von Alpinpolizei und Bergrettung. Die Unfallzahlen sind gesunken.

Kitzbühel | Vergangene Woche präsentierten die Verantwortlichen des Kuratoriums für Alpine Sicherheit sowie die Alpinpolzei die Unfallstatistik des abgelaufenen Winters. Obwohl seit Mitte März 2020 der Bergsport in Österreich drastisch eingeschränkt bzw. zum Teil verboten war, gab es im gesamten Winter 2019/2020 etwa genauso viele Alpintote wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres, informiert Karl Gabl vom Kuratorium: „Der Corona-Effekt schlägt sich aber wie erwartet eindeutig in der Statistik nieder. Sehr deutlich sind die Auswirkungen der Ausgangssperren zu sehen. Wir verzeichnen im Zeitraum 15. März bis zum 19. April insgesamt acht Unfälle in diesem Bereich. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 458 Pisten- oder Skitourenunfälle“.

Tirolweit ereigneten sich zwischen Anfang November und Ende April laut Kuratorium insgesamt 2.091 Alpinunfälle mit 3.336 Verunfallten. 46 Menschen ließen in den Tiroler Bergen ihr Leben. Insgesamt ereigneten sich österreichweit rund 7.535 Alpinunfälle. Im Bezirk Kitzbühel verunfallten bei insgesamt 262 Vorfällen 440 Menschen.
Mit dem abrupten Ende der Wintersaison aufgrund der Corona-Krise änderte sich das Bild auch im Bezirk Kitzbühel deutlich – so verunfallten zwischen 15. März und 19. April vier Menschen, im Vorjahr waren es in diesem Zeitraum noch 22 Unfälle. „Das Verhalten und die Disziplin der Berg­sportler, wegen der intensiveren Beschränkungsmaßnahmen, war während der Quarantäne 2020 vorbildlich“, erklärt Tirols oberster Alpinpolizist Viktor Horvath.

In der Gondel einem Herzinfarkt erlegen
Im Bezirk Kitzbühel gab es im vergangenen Winter fünf Alpintote zu beklagen. In einem Fall war es im Talstationsbereich der Bergbahn in Kössen ein dramatischer Unfall, bei dem nach einer Kollision eine Skifahrer so schwer verletzt wurde, dass dieser seinen Verletzungen erlag. „Auf einem Platz wie diesem hätten wir nie mit einem solchen Unfall gerechnet“, erklärt Kitzbühels oberster Alpinpolizist, Martin Hautz. Der tödliche Unfall eines Bergbahnmitarbeiters mit einem Quad im Skigebiet St. Johann schockierte ebenfalls. In drei Fällen erlagen Wintersportler einem Herzinfarkt. In einem Fall besonders dramatisch starb ein Mann auf dem Weg nach oben in einer Gondel, ein weiterer Mann wurde tot auf der Piste gefunden.
„Aufgrund des schneearmen Winters hatten wir ein mulmiges Gefühl, da wir einen massiven Anstieg an Pistenrandunfällen befürchteten“, erklärt Hautz. Das habe sich glücklicherweise nicht bewahrheitet. Wenn es jedoch zu Unfällen gekommen sei, seien diese dafür sehr schwer gewesen. Besonders Kollisionen, die mit schwersten Verletzungen einhergegangen seien, wurden registriert.

Um die Jahreswende warteten die Bergbahnen im gesamten Bezirk mit Rekordzahlen auf. „Am stärksten Tag des Winters waren über 90.000 Leute auf den Pisten“, weiß Hautz. Trotz dieses enormen Aufkommens an manchen Tagen, hätten sich die Unfallzahlen im Rahmen gehalten.
Auch im Bereich der Tourengeher hielten sich die Unfallzahlen in Grenzen. Es habe überdies kaum Suchaktionen oder Ähnliches gegeben. Mit Beginn der Corona-Krise sei dann ja sowieso alles von einem Tag auf den anderen anders gewesen – Probleme mit den Verboten habe es übrigens kaum gegeben. Aufgefallen sei eine Gruppe aus Bayern, die von bayerischer Seite über Reit im Winkl auf die Steinplatte gegangen und dann auf Tiroler Seite beobachtet worden ist. Eine schwierige Situation insofern, da ja in Bayern das Tourengehen im Gegensatz zu Tirol nicht verboten war.

Bergretter kritisiert Social-Media-Kritik
Von einem ruhigen Winter spricht auch Peter Haidacher, Obmann der Bergrettung im Bezirk. Obwohl wenig Schnee war – schneearme Winter sind meist Lawinenwinter – gab es kaum Lawinenabgänge. Nur jener am Großen Rettenstein forderte die Bergretter. Er kritisiert Meldungen in den sozialen Medien im Rahmen der Corona-Krise, wenn Leute vielleicht doch Richtung Berg marschiert sind. Das werde hier zum Teil kriminalisiert, ärgert sich Haidacher. Dass zum Beispiel jemand, der sich beim Spazierengehen verletzt, sich auch nicht mehr getraut hat, die Bergrettung zu alarmieren, wäre vorgekommen. Da fehle ihm jedes Verständnis. Margret Klausner

Die Alpinpolizei aber auch die Bergrettung hatte während des Winters auf den Pisten auch im Bezirk Kitzbühel wieder alle Hände voll zu tun – mit dem Start der Corona-Krise war aber von einem auf den anderen Tag Ruhe. Foto: Alpinpolizei

 
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