12.12.2016
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Auf Schutzzonen hinweisen

Freeriden liegt im Trend und erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Da sich aber diese Skifahrer nicht im organisierten Skiraum bewegen, birgt sich hier ein großes Konfliktpotential.

Bevor es zu Spannungen zwischen den einzelnen Interessensgruppen kommt, wurde im Rahmen von „Bergwelt Tirol - Miteinander erleben“ das Projekt „Freeride Kitzbühel“ gestartet.

Kitzbühel | Immer größerer Beliebtheit erfreut sich das Freeriden. Eigentlich keine neue Sportart, einfach nur ein neues Wort für Tiefschneefahren, das dank neuer, breiter Skier großen Anklang findet. Die Zahl jener, die nicht mehr nur auf den perfekt präparierten Pisten fahren wollen, ist stetig im Wachsen und umso mehr Menschen in den Raum abseits der Pisten drängen, umso wichtiger ist es, dass dafür gewisse Verhaltensregeln erstellt werden.

Oftmals ist es einfach nur Unwissenheit, weshalb in schützenswerte Gebiete eingefahren wird. Und genau auf diese Zonen will man bei dem Projekt „Freeride Kitzbühel“ im Rahmen von „Bergwelt Tirol - Miteinander erleben“ aufmerksam machen. Kitzbühel Tourismus Präsidentin Signe Reisch brachte es bei der Projektpräsentation vergangene Woche auf den Punkt: „Es ist den Menschen das Bewusstsein und der Respekt für die Natur verloren gegangen.“ Mit gezielter Lenkung sollte dies nun wieder geschärft und auch gegenseitiges Verständnis bei allen Parteien geschaffen werden.

„Bergwelten Tirol - Miteinander erleben“

Bei „Bergwelten Tirol - Miteinander erleben“ handelt es sich um ein Projekt des Landes Tirol, das bei allen Berg­sportarten eine naturnahe und konfliktfreie Nutzung der Natur aufzeigt. Während man bei den Mountainbikeprojekten gezielt auf die möglichen Routen hinweist, geht man in Sachen Freeriden einen anderen Weg und zeichnet nur die schützenswerten Bereiche aus.  

Lösungen, bevor Probleme entstehen

Mit dem verstärkten Befahren des freien Skiraums holte man in Kitzbühel alle Parteien an einen Tisch. Vertreter des Tourismus, der Bergbahn, der Grundbesitzer, der Jäger, der Forstwirt- und Landwirtschaft, die Skilehrer und Bergführer sowie Vertreter des Landes erarbeiteten gemeinsam das Konzept. Fünf Gattungen an Schutzgüter wurden ausgearbeitet: Rauhfußhuhn, Hirsch, Objektschutzwald, Gams-/Steinwild und auch die bäuerliche Hof­fläche wird mit eigenen Schildern ausgewiesen.

Auf der bäuerlichen Seite gab es viele Diskussionen und auch Bedenken, die sich auf die Haftung bezogen. „Es ist für uns Bauern wichtig, dass keine Rechte und Haftungen entstehen“, erklärte Josef Heim, Bezirksobmann der Landwirtschaftskammer. Im Bereich der Forstwirtschaft ist vor allem der Schutzwald von Bedeutung, der Siedlungen vor Katas­trophen bewahrt. „Der Wald gilt als lawinensicher und wird daher unwissentlich der Schäden, die an den Bäumen durch die Skikanten entstehen, befahren“, weiß Michael Neuwirth von der Bezirksforstinspektion, dem es besonders wichtig ist, dass Verjüngungsflächen freigehalten werden.

In dieser Arbeitsgruppe sah sich Bezirksjägermeister Martin Antretter als Anwalt der Tiere. „Wir haben einen hohen Wildstand mit einer großen Artenvielfalt. Bis jetzt hat die Tierwelt abseits des organisierten Skiraums noch naturnahe Überwinterungsplätze gefunden. Ich hoffe, dass trotz des Trends immer noch genügend Lebensraum für das Wild übrig bleibt“, erklärte Antretter.

Wie verheerend sich eine Tiefschneefahrt auf die Wildtiere auswirken kann, erklärte  Dieter Stöhr, Projektleiter seitens des Landes, bei der Projektvorstellung.

Gebote anstelle von Verboten ist die Devise

Im Gegensatz zu dem österreichweiten Naturschutzprojekt spricht man in Tirol keine Verbote aus, sondern will mit Geboten und einem Leitsystem das Bewusstsein für die Natur wieder schärfen. Die ausgewiesenen Schutzzonen sind im Kartenmaterial verankert, zudem sind die Informationen auch als OGD-Datensatz auf Freerideportalen zugänglich. Im Gelände wird auf die schützenswerten Bereiche mit Wimpelleinen (Hinweis auf die Schutzzone am Wimpel), Hinweisschilder und Zäunen hingewiesen. Zudem wird auf den Multimedialscreens im Skigebiet sowie im Internet mit Videos auf die Problematik aufmerksam gemacht.

Vorbilder und die erste Spur entscheiden

Eine wichtige Rolle bei diesem Projekt spielen auch die Skilehrer und Bergführer, die eine große Vorbildwirkung haben. „Es werden intern von den Skischulen auch Schulungen zu diesem Thema durchgeführt“, erzählt Skischulleiter Manfred Hofer von Element3. Wichtig für Hofer ist auch, die Einheimischen für das Projekt zu gewinnen, denn oft reicht schon die erste Spur, die Unwissende zur falschen Abfahrt verlockt.  „Wir wollen ganz klar lenken, das ganze Jahr über“, versichert Hofer. Elisabeth M. Pöll

 
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