04.05.2020
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„Antikörper sind wie Gewehrkugeln des menschlichen Immunsystems“

Habe ich mich schon mit dem Coronavirus infiziert und es vielleicht nicht bemerkt? Das fragen sich viele Menschen. Dr. med. Johannes Albrecht Moslehner ist einer der Ärzte im Bezirk, der Antikörper Tests anbietet. „Antikörper sind wie menschliche Gewehrkugeln, der Schuss wird auf das Virus ausgerichtet“, erklärt der in Going ansässige Internist
 
Was wird mit einem COVID-19 Antikörper Test festgestellt?
Mittels einer Blutabnahme werden in kurzer Zeit auf einem vorgefertigten Reagenzträger vorhandene Antikörper „sichtbar“ gemacht. Dabei wird unterschieden zwischen den sogenannten IGG und den IGM Antikörpern.
Antikörper sind wie Gewehrkugeln des menschlichen Immunsystems, der Schuss wird zielgerichtet auf das Virus ausgerichtet. In einem ersten (akuten) Stadium produziert der Körper das IGM, es zeigt somit eine frische Infektion an. Ist dieser erste Kampf überwunden, dann kommen aus der zweiten Reihe weitere Antikörper (Klasse IGG), die damit den weiteren (erfolgreichen) Kampf gegen die Infektion anzeigen.
Mit Auftreten von IGG Antikörpern ist der Organismus in der Regel immun, d.h. die Viren haben keine Chance mehr, sich zu vermehren. IGG Antikörper können auch noch nach Jahren in einem Organismus nachgewiesen werden. Sie sind das Produkt eines gut funktionierenden Immunsystems.

Ab wann sind Antikörper nachweisbar?
Innerhalb von wenigen Tagen bildet der Körper nach Kontakt mit dem Virus die IGM Antikörper. Bei einer frischen Infektion sind diese noch nicht nachweisbar, d.h. der Körper muss zunächst die Viren erkennen und seine Maschinerie in Gang setzen.
Der Höhepunkt der IGM Antikörperproduktion wird dann am 7. bis 10. Tag erreicht. Parallel dazu werden zeitverzögert die IGG Antikörper produziert.
Während die IGM Antikörper nach getaner Arbeit nicht weiter gebildet werden, steigt die Konzentration der IGG Antikörper an. Sie schützen in der Regel nachhaltig vor erneuten Infektionen, d.h. diese Antikörper können mit sofortiger Wirkung bei erneutem Virusbefall aktiv werden und wirken dann zerstörerisch.

Ist man, wenn man Antikörper in sich trägt, automatisch immun gegen einen Ansteckung mit COVID-19?
Sobald der Organismus in ausreichender Menge die Antikörper von Typ IGG gebildet hat, ist er immun.
Leider haben Viren die Eigenschaft, sich im Laufe der Zeit genetisch zu verändern, man nennt dies Mutation. Die ist völlig normal und gehört zu der typischen Eigenschaft eines Virus.
Veränderungen benötigen jedoch neue Gegenreaktionen des Körpers und so kann es sein, dass die anfängliche Immunität aufgehoben wird. Dann kann es zu einer erneuten Krankheitssymptomatik kommen.
Das Coronavirus ist, soweit man derzeit weiß, recht „faul“, d.h. es verändert sich glücklicherweise nicht so schnell. Damit können wir davon ausgehen, dass nach einer Infektion mit Bildung dieser IGG Antikörper eine längerfristige Immunität besteht.
Gut wäre das auch für eventuelle Impfstoffe, die derzeit entwickelt werden. Dieser würde, einmal verabreicht, dann für längere Zeit einen wirksamen Schutz aufbauen. Wir kennen ähnliche Phänomene von den Grippeviren.

Jedes Jahr werden die Viren „typisiert“. Diese Viren verändern sich beispielsweise relativ rasch, d.h. hier müssen immer wieder veränderte Impfstoffe hergestellt werden.
Ich habe gelesen, die Tests seien zu 90 Prozent sicher, was heißt das genau?
Das Testergebnis halten wir für sehr zuverlässig. Bei den bisher nachweislich erkrankten Patienten konnten wir auch tatsächlich den IGG Antikörper nachweisen.
Nach derzeitigem Kenntnisstand besteht damit nach Aussage führender Virologen eine zumindest längerfristige Immunität. Genauere Aussagen sind erst nach Abschluss größerer Reihenuntersuchungen an bereits erkrankten Patienten möglich.

Wie läuft so ein Test ab?
Es wird eine kleine Menge Blut abgenommen, aus dem Finger oder aus der Vene. Ein Tröpfchen Blut reicht aus, um den Test zu aktivieren. Nach Hinzusetzen einer Pufferlösung fließt das Blut in die Testscheibe ein.
Sind Antikörper vorhanden, dann bildet der Test an der jeweiligen Stelle eine rote Linie aus. Diese Region ist beschriftet und man kann ablesen, ob es sich um IGM oder IGG Antikörper handelt. Im Grunde genommen eine ganz einfache Sache.
Gesundheitsminister Rudolf Anschober sagte im ORF-Interview, dass Antikörper-Tests ab Ende April flächendeckend angewandt werden könnten - wäre das aus ihrer Sicht sinnvoll?
Der Test ist die optimale Ergänzung zu dem bekannten Nasen- oder Rachenabstrich. Dieser ist jedoch nur in der akuten Krankheitsphase verwertbar. Der hier beschriebene Antikörpertest zeigt auf: ob noch eine akute Infektion besteht (ab dem 3./4. Tage der Ansteckung) oder ob der Patient bereits eine ausgeheilte Infektion durchlebt hat.
Würde man jeden Menschen bei uns testen, dann könnte man also diejenigen identifizieren, die möglicherweise nicht mehr gefährdet sind. Oder aber diejenigen bestimmen, die weiter sehr vorsichtig sein müssen. Infektionsketten könnten damit unterbunden werden.
Leider hat dieser Test aber bei den negativen getesteten Menschen keine anhaltende Bedeutung, denn bereits kurze Zeit später könnte eine Infektion auftreten, so dass dieser Test in gewissen Zeitabständen wiederholt werden müsste.
Insgesamt bietet der Antikörpertest jedoch einen enormen Fortschritt. Man weiß damit, wer noch gefährdet ist und wer nicht. Insofern wäre dies sehr sinnvoll.

Mittlerweile gibt es auch im Internet Antikörper-Schnelltests zu kaufen - was ist von denen zu halten?
Dies erscheint extrem problematisch und sollte verhindert werden. Es hat sich nämlich herausgestellt, dass hier Test-Kits angeboten werden, die den Qualitätsstandards nicht entsprechen und damit sogar zu einer Gefahr werden können. Falsche positive oder negative Ergebnisse wären die Folge.
Darüberhinaus gibt es immer wieder Tests, die nicht eindeutig interpretierbar sind. Auch wir mussten lernen, mit solchen Grenzbefunden umzugehen.
Der Test gehört damit nach meiner Auffassung eindeutig in den Kompetenzbereich des Arztes. Dieser kann dann auch direkt unterscheiden, ob eventuell weitere Laborparameter bestimmt werden müssen oder aber sogar apparative Diagnostiken erforderlich werden. Wir halten dafür u.a. auch immer die Ultraschalltechnik bereit, denn es gibt klassische Befunde, die sich an Leber, Milz oder Lunge ergeben können. Die Diagnostik eines potenziell erkrankten Menschen ist manchmal nämlich nur aus der Summe einzelner unterschiedlicher Parameter verlässlich bestimmbar. Zudem sollte dem Test immer auch eine fundierte ärztliche Beratung angeschlossen werden.
Bei uns in Österreich laufen derzeit Bestrebungen, sogar den Verkauf von Corona-Schnelltests über Apotheken zu verhindern. Die ÖÄK führt ebenso an, dass medizinische Tests dieser Art nur in die Hand des Arztes gehören.

Haben sich in Ihrer Praxis schon viele Menschen testen lassen und was sind Ihre Erkenntnisse daraus?
Wir testen täglich bis zu 30 Patienten. Um eigene Erfahrungen gewinnen zu können, haben wir auch solche Menschen getestet, bei denen wir wussten, dass sie eine Corona-Infektion bereits durchlebt haben. In diesen Fällen musste ja der IGG Antikörper positiv sein. Bei diesen Patienten hat das Testergebnis zuverlässig angezeigt. Das hat uns beruhigt, auch wenn der Hersteller dieser Tests die Verlässlichkeit schriftlich bestätigt. Wir sind da kritisch und möchten eigene Erfahrungen machen.
Die meisten Patienten, die zu uns kommen, wollen wissen, ob ein rückliegender Infekt nun eine Grippe oder auch Corona-Infekt war. Mit dem Ergebnis haben sie eine wichtige Information erhalten. Wir klären auf und erläutern das weitere Verhalten.
Viele sind aber auch enttäuscht, dass es kein Corona-Infekt war, denn dann könnten diese Menschen sich ja wieder viel freier bewegen.
Zusammenfassend habe ich den Eindruck, dass der Test dem Bedürfnis der Menschen gerecht wird und es im Wissen um die eigene Gesundheit das notwendige verhalten stärkt. Johanna Monitzer

„Um Erfahrungen zu gewinnen, haben wir auch Menschen getestet, bei denen wir wussten, dass ie eine Corona-Infektion hatten. Bei diesen Patienten hat das Testergebnis zuverlässig angezeigt“, erklärt Dr. med. Johannes Albrecht Moslehner.

 
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