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16.08.2022
News  
 

Abschied von einem großen Kämpfer

Die Kitzbüheler Welt der laut Regenbogenpresse „Reichen und Schönen“ hat auch noch Platz für Originale. So ließ sich der weißbärtige Senior noch jenseits des Neunzigers als Werbefigur für Speck und Würste, aber auch in Spots des Tourismusverbandes, einsetzen.

Kitzbühel | Die Chancen für Alois Vötter, das erste Kind einer landwirtschaftlichen Pächterfamilie in Aurach und dann auf dem Bockberg am Hahnenkamm, schienen gering. Da die Hebamme die Lebenserwartung  bei der Geburt nur mit drei Stunden einschätzte, wurde er sofort zur Taufe in die Kirche gebracht. Der Bub entwickelte sich, die ererbte geringe Körpergröße und das geringe Gewicht hinderte ihn später nicht an ungewöhnlichen Arbeitseinsätzen, war aber Anlass für einen sehr späten Einrückungstermin zur Deutschen Wehrmacht. Lois arbeitete zuerst auf „Stoa“, dann als Holzarbeiter.

Eine Jugendwallfahrt nach Maria Kirchenthal änderte sein Leben. Auf der Ladefläche des Lastkraftwagens, der die Pilger transportierte, fanden sich Siegfrieda Infeld und Lois. Der Kunstschmiedemeister Josef Infeld erwartete als Schwiegersohn einen Schmied, Lois machte die Lehre und arbeitete mit, bis er zur Bergbahn wechselte. Er arbeitete beim Bau von Liftanlagen und bei der Errichtung der Kitzbüheler Hornbahnen mit. Dort blieb er bis zum Übertritt in den Ruhestand. Als Fachmann bei Sprengungen war er bei zahlreichen Bauvorhaben der Bergbahn dabei. Er dachte für das Unternehmen mit und meldete bis ins hohe Alter Vorschläge zur Weiterentwicklung dem Vorstand.

Eigenheim und Zweitwohnsitz
Eine große Aufgabe sah Vötter darin, der Familie ein Eigenheim zu schaffen. Das gelang dem zähen Kämpfer, er erwarb ein Haus in der Knappengasse und gestaltete es aus. In der Familie Vötter stellten sich insgesamt neun Kinder ein, für die das fleißige Ehepaar umsichtig besorgt war. Der Vater entwickelte zum Thema „Urlaubsgestaltung“ eine ungewöhnliche Idee. Er kaufte die in der Zwischenkriegszeit für das Spateisenstein auf der Lahning errichtete, nicht genützte Unterkunftshütte an und übertrug sie in die Nähe der Mittelstation der Kitzbüheler Hornbahnen. Mit der Wilde-Hag-Hütte errichtete er einen Zweitwohnsitz für die Familie, wo sie, abseits des Trubels der Stadt, ihr aber nahe, in der Natur ein ungewöhnliches Refugium erhielt.

Später Start in den Sport
In der Jugend hatte Vötter wenig Gelegenheit zum Sport. Erst in einem Alter, da sich bei anderen die Altersbeschwerden einstellen, hatte er, inzwischen 75 Jahre alt, Zeit und Muße für die Disziplinen Skisport und Radfahren. Vötter war frühmorgens der erste Bergfahrer bei den Seilbahnen, der erste Busfahrer nach auswärts, aber auch der erste Heimkehrer, denn zum Mittagessen wollte er daheim sein. Auch mit dem Mountainebike war er frühmorgens unterwegs, er legte Tagesetappen von 120 km zurück. Der fleißigste Skifahrer in Kitzbühel brachte es auf Rekordzahlen, manchmal auf eine lückenlose Nutzung vom Betriebsbeginn im Dezember bis zum letzten Tag im Mai. Insgesamt verzeichnete er bis zu  150 Sportausflüge im Jahr.

Bis zuletzt kritischer Beobachter
Eine besondere Aufgabe war es für Vötter, die Gattin nach einem schweren Sturz mit tapferem Eigenbemühen  mit Hilfe der Kinder ins Leben zurückzuführen. Sie konnte an der späten Sportentfaltung des Gatten nicht Anteil nehmen, wusste sich aber bis zum Tod im Jahr 2018 betreut. In den letzten Jahren musste Vötter seine sportlichen Ziele zurückstecken, weil wegen der  nachlassenden Sehkraft das Risiko zu groß wurde. Aber er blieb aktiv,  fleißig unterwegs und ein geschätzter Gesprächspartner, der viel zu erzählen wusste und respektvolle Wertschätzung genoss. Für die jüngeren Generationen war er eine Gestalt aus einer fernen Zeit, aber ein kritischer Beobachter der Gegenwart.
Alois Vötter ist im 96. Lebensjahr verstorben. Sein Andenken wird gewahrt bleiben. H.W.

Bild: Alois Vötter, Steoa Lois, wurde 95 Jahre alt. Foto: Bestattung

 
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