20.04.2017
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30 Jahre an der Spitze der AK

Nach genau 30 Jahren und einem Monat an der Spitze der Arbeiter-Bezirkskammer Kitzbühel verabschiedet sich Ludwig Brettbacher in den (Un-)Ruhestand. Dabei hat er den Wandel der Kammer im Laufe der Zeit in der ersten Reihe miterlebt.

Kitzbühel  | 1987 begann es bescheiden: „Ich war der Erste, der von der Kammer als sogenannter ‚Amtsstellenleiter‘ angestellt worden ist“, sagt Brettbacher. Er hatte in seiner Funktion keinen Vorgänger, die Agenden der AK waren früher im Aufgabengebiet der ÖGB-Bezirkssekretäre. Damals war die Arbeiterkammer in der Bevölkerung noch nicht so breit bekannt wie heute: „Die AK war das unbekannte Wesen. Wenn man etwas gebraucht hat, ging man eher zur Gewerkschaft“, so Brettbacher.  Arbeits- und Sozialrecht waren in den Anfängen das tägliche Brot von Ludwig Brettbacher. Im Laufe der Jahrzehnte erweiterte sich das Spektrum allerdings immer weiter und weiter – unverzichtbar z.B. der Bereich Konsumentenschutz: „Das war eine andere Welt, sukzessive wurden wir zu einer – man kann ja fast schon sagen – allumfassenden Serviceeinrichtung“, schildert der scheidende AK-Chef.

Mit der Ausweitung des Aufgabengebietes schnellten auch die Beratungszahlen in die Höhe. Derzeit werden rund 4.000 persönliche Beratungen und mehr als die doppelte Zahl an telefonischen Beratungen an der AK des Bezirkes durchgeführt. „Vor 15 Jahren war das maximal die Hälfte“, erinnert sich Brettbacher. Ein wichtiger Meilenstein in der AK-Arbeit war der Rechtsschutz. „Davor konnten wir nur mit den Ketten rasseln“, sagt Ludwig Brettbacher. „Der Rechtsschutz erleichtert die Arbeit enorm, weil ganz anders verhandelt werden kann.“ Das bedeutet aber natürlich nicht, dass alle Fälle automatisch vor dem Kadi landen.  „Wir haben eine hohe außergerichtliche Kompetenz“, unterstreicht der AK-Bezirksleiter. In 90 Prozent der Fälle geht es auch ohne diese Instanz. „Im Schnitt landen pro Jahr ca. 40 Rechtsschutzfälle im Arbeitsrecht vor Gericht“, schätzt Brettbacher.

Der technische Fortschritt erleichterte die Beratungstätigkeit ebenso: Anfangs waren die Kollektivverträge „in 30 Ordnern in meinem Regal und die waren fast nie aktuell. Jedes Mal, wenn einer gekommen ist, haben wir in den Ordnern nach dem Vertrag suchen müssen und gehofft, dass der richtige drin ist“, schmunzelt Brettbacher. Der erste Computer wurde in der AK-Bezirksstelle in den 90ern angeschafft. Zuvor mussten beispielsweise auch große Konkursfälle händisch abgewickelt werden, was große Massen an Papier erzeugte und benötigte.

„Heute müssen wir uns die Daten auch nicht mehr wie früher zusammen betteln.“

Drei AK-Präsidenten waren während Ludwig Brettbachers Ära am Ruder. „Der erste war Josef Kern, dann kam Fritz Dinkhauser und jetzt Erwin Zangerl.“ Unter Zangerls Führung wurden die Tiroler Arbeiterkammer noch stärker „föderalisiert“, wie Brettbacher erläutert. Die jeweiligen Standorte in den Bezirken wurden aufgewertet, zahlreiche Veranstaltungen tragen die Arbeit der AK in die Öffentlichkeit.

Der sukzessive Ausbau zeigt sich auch am Personalstand: Von anfangs zwei Mitarbeitern in Kitzbühel, wurde mittlerweile auf fünf aufgestockt – neben Brettbacher sind zwei Angestellte im Sekretariat und zwei Juristen in der AK Bezirksstelle Kitzbühel tätig. Beinahe unverändert ist aber das Wesentliche an der Tätigkeit: „Man muss den Klienten ein Ohr leihen und Zeit geben: Wo drückt der Schuh? Man muss Leute eben mögen. Sonst kannst du das gar nicht machen.“ Denn: „Das ist kein Job von 8-17 Uhr, AK-Arbeit im Bezirk machst du sieben Tage die Woche.“ Mit Ende April schließt Ludwig Brettbacher aber nun dieses Kapitel ab.  Elisabeth Galehr

 
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