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Kitzbüheler Anzeiger
Maria Buck_Bianca Riegel_Esther Jennings_(c)BBK

Von links: Maria Buch, Bianca Riegel und Esther Jennings.

Wenn Kunst leere Räume belebt

Leerstehende Geschäfte, ungenutzte Gebäude und verwaiste Ortskerne stellen viele Gemeinden vor Herausforderungen. Dass darin auch Chancen liegen, wurde am Dienstagabend im Bürgersaal des Kufsteiner Rathauses deutlich. Unter dem Titel „Leerstand, Ortskernbelebung und Kunst“ luden der Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Landesverband Bayern (BBK Bayern), die Euregio Inntal und die Regionalentwicklungsgesellschaft Regio-Tech Bezirk Kitzbühel zum grenzüberschreitenden Austausch.

Nach einführenden Worten von Esther Jennings von der Euregio Inntal eröffnete Maria Buck vom BBK Bayern mit einem Impulsvortrag, der einen Perspektivenwechsel anregte: Leerstand muss nicht zwangsläufig Stillstand bedeuten. Gerade ungenutzte Räume bieten Möglichkeiten für künstlerische Experimente, neue Begegnungen und eine zeitgemäße Ortsentwicklung.

Ungewöhnliche Orte werden Kunsträume
Wie aus ungewöhnlichen Räumlichkeiten ein lebendiger Kulturort werden kann, zeigten Matthias und Maximilian Bernhard am Beispiel von Kunstbühel+. Am Kitzbüheler Maurachhof hat sich ein ehemaliger Kuhstall, der später zur Squashhalle umgebaut wurde, über die vergangenen Jahre zu einem Ort für zeitgenössische Kunst entwickelt. Wo früher Landwirtschaft und Sport den Alltag bestimmten, finden heute Ausstellungen, Konzerte, Lesungen und künstlerische Begegnungen statt. Mit viel Eigeninitiative wurden die Räumlichkeiten schrittweise adaptiert und für neue Nutzungen geöffnet.

Einen Einblick in die künstlerische Praxis auf bayerischer Seite gab Anton Gotzel vom Künstlerduo TonAn. Er berichtete vom Projekt „Das Mobile Atelier“, das unter anderem in einer ehemaligen Aussegnungshalle in Lindenberg im Allgäu Station machte. Gemeinsam mit Paula Dischinger entwickelte er einen temporären Kunst- und Begegnungsort, an dem auch die Bevölkerung aktiv eingebunden wurde. Dabei ging es nicht nur darum, einen leerstehenden Raum zu bespielen, sondern auch seine Geschichte aufzugreifen und neue Beziehungen zwischen Menschen und Orten entstehen zu lassen.

Die beiden Beispiele machten deutlich, dass es für eine erfolgreiche Wiederbelebung nicht immer große bauliche Maßnahmen braucht. Oft sind es kreative Ideen, engagierte Menschen und die Bereitschaft, Bestehendes neu zu denken.

Gemeinden können sich jetzt bewerben
Den Blick in die Zukunft richtete Bianca Riegel von Regio-Tech mit der Vorstellung des neuen Interreg-Projekts „(Grenz)Räume beleben – Leerstände als Orte der Begegnung“. Das grenzüberschreitende Vorhaben bietet Gemeinden in Tirol und Bayern die Möglichkeit, ungenutzte Räume gemeinsam mit Kunstschaffenden neu zu beleben.

Gesucht werden sechs Gemeinden aus der Euregio Inntal, drei auf Tiroler und drei auf bayerischer Seite. Die ausgewählten Kommunen stellen jeweils für zwei Monate einen geeigneten Leerstand sowie eine Unterkunft für die Künstler bereit. Erst im nächsten Schritt werden jene Kunstschaffenden ausgewählt, die sich mit den jeweiligen Orten auseinandersetzen und gemeinsam mit der Bevölkerung Projekte entwickeln.
Dabei steht nicht das fertige Kunstwerk im Vordergrund, sondern der gemeinsame Prozess. Temporäre Ateliers, Workshops und künstlerische Interventionen sollen neue Zugänge zu bislang ungenutzten Räumen eröffnen und Impulse für deren zukünftige Entwicklung setzen.

Interessierte Gemeinden können sich noch bis zum 22. November bewerben. Die künstlerischen Projekte sind für den Zeitraum von April bis September 2027 vorgesehen.
Die Veranstaltung, durch die die beiden Projektleiterinnen Maria Buck und Bianca Riegel gemeinsam führten, zeigte, welches Potenzial in der Verbindung von Kunst, Regionalentwicklung und grenzüberschreitender Zusammenarbeit steckt. Wo Räume leer stehen, muss es nicht an Perspektiven fehlen. Manchmal braucht es lediglich einen neuen Blick auf das, was bereits vorhanden ist.

Weitere Informationen und Bewerbung für Gemeinden: bbk-bayern.de/aktuelles/open-call-grenz-rume-beleben

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