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Kitzbüheler Anzeiger

Von gechippten Katzen und Drogensündern

Margret Klausner

Wer am 29. April in den überfüllten Saal des Rasmushofs kam, um pragmatische Lösungen für die Kitzbüheler Freizeitwohnsitz-Thematik zu hören, fand sich streckenweise in einem rhetorischen Kuriositätenkabinett wieder. So erfuhren die erstaunten Gäste von Grünen-Klubobmann Gebi Mair, dass in Europa bald jede Katze grenzüberschreitend gechippt sei, man bei Menschen aber den Wohnsitz nicht rechtssicher feststellen könne. Wer keine Katze zur Hand hat, kann sich stattdessen auf das Zählen von Zahnbürsten im heimischen Badezimmer einstellen – laut Mair ein von Behörden durchaus eingesetztes Mittel zur Wohnsitzkontrolle.

Für ungläubiges Kopfschütteln sorgte LA Markus Sint (Liste Fritz): Er verglich Käufer von illegalen Freizeitwohnsitzen erst mit Leuten, die sonntags Zeitungen fladern, und setzte den Erwerb und die Nutzung einer solchen Immobilie wenig später in eine rhetorische Relation zum Kauf von illegalen Drogen. Ein Vergleich, der im Saal völlig zu Recht auf scharfe Kritik stieß.

Machen wir uns nichts vor. Solch überspitzte Beispiele und polemische Vergleiche helfen in der Sache kaum weiter. Das Thema Wohnraum ist für Kitzbühel schlichtweg zu ernst, um es primär als landespolitische Bühne für rhetorische Profilierung zu nutzen.

Dabei gäbe es durchaus einen breiten Konsens, denn die meisten stimmen wohl überein, dass zu hohe Wohnungsleerstände und ausufernde Immobilienspekulationen der Gemeinschaft nicht dienlich sind. Klar ist auf der anderen Seite aber auch, dass das Miteinander zwischen Einheimischen und Zweitwohnsitzbesitzern in vielen Bereichen der Stadt sehr gut funktioniert, von nachbarschaftlichem Respekt geprägt ist und einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilität der Region leistet. Die aktuellen Methoden zur Kontrolle – vom kontrovers diskutierten Auslesen der Smart Meter bis zur vielzitierten „Bespitzelung“ – zeigen vielmehr, wie sehr das System unter Druck steht. Gleichzeitig schnürt das rigide Korsett des Tiroler Raumordnungsgesetzes die Stadt zusehends ein. Eine Gesetzgebung, die moderne, globalisierte Lebensentwürfe – wie etwa monatelang reisende Pensionisten – systematisch in Grauzonen drängt, stößt in der heutigen Zeit spürbar an ihre Grenzen.

Es wird ein neues Zukunftsbild für Kitzbühel brauchen: modern, zeitgemäß und weltoffen, und doch den eigenen Traditionen treu. Eine funktionierende Balance aus lebendigem sozialem Zusammenhalt und wirtschaftlicher Stärke. Doch ohne eine pragmatische Herangehensweise seitens des Landes, eine ehrliche und objektiven Auseinandersetzung, mit Offenheit für Veränderungen auch in Gesetzesfragen, wird das schwer gelingen. Kitzbühel, erfinde dich neu.

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